Die Bibliotheca Laureshamensis (Lorscher Bibliothek) war die mittelalterliche Klosterbibliothek des Klosters Lorsch, einem herausragenden Kulturzentren der Karolingerzeit. Ein Erschließungsprojekt mit dem Titel Bibliotheca Laureshamensis digital hat die zerstreuten Bestände dieser Bibliothek virtuell zusammengeführt.
Geschichte, Bedeutung und Erforschung Das Kloster Lorsch war im Mittelalter sowohl politisch als auch kulturell bedeutend. Seine Bibliothek gilt als eine der bedeutendsten Klosterbibliotheken des Frühmittelalters, die eine wichtige Rolle bei der Vermittlung antiker Kultur und Wissenschaft gespielt hat. Im 16. Jahrhundert bildete sie den Kernbestand der Büchersammlung des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz, die heute als Bibliotheca Palatina bekannt ist.
Von der einst umfangreichen Bibliothek sind heute noch 331 mittelalterliche Handschriften ganz oder als Fragmente erhalten, die jedoch unter 309 Signaturen auf 73 Bibliotheken und Archive weltweit verstreut sind. Diese Zerstreuung, Folge der wechselvollen Geschichte der Sammlung, erschwerte lange Zeit eine zusammenhängende wissenschaftliche Erforschung des Bestandes. Ab Ende des 19. Jahrhunderts konnte aber auf Basis einiger bekannter Lorscher Handschriften, erzählender Quellen und historischer Bibliothekskataloge die egemalige Klosterbibliothek bereits teilweise rekonstruiert werden.Frank Falk: Beitraege zur Rekonstruktion der alten Bibliotheca fuldensis und Bibliotheca laureshamensis. Leipzig: Harrassowitz, 1902. Im 20. Jahrhundert hat vor allem Bernhard Bischoff die in Lorsch selbst bis ca. 800 hergestellten Codices paläographisch untersucht; dabei hat er einen eigenen ‚Lorscher Stil‘ identifiziert und innerhalb dessen verschiedene Phasen mit je eigenem charakteristischen Merkmalen. Seine Monographie gilt als Musterbeispiel einer paläographischen Studie.Tino Licht: Beobachtungen zum Lorscher Skriptorium in karolingischer Zeit. In: Julia Becker/Tino Licht/Stefan Weinfurter (Hrsg.): Karolingische Klöster. de Gruyter 2015, S. 145–162. . Im Anschluss an diese Arbeiten hat später Hartmut Hoffmann den Stil des Lorscher Skriptoriums im 10. und 11. Jahrhundert näher untersucht. Tino Licht hat den Beginn der Handschriftenproduktion in Lorsch deutlich früher als Bischoff angesetzt.
Digitalisierung Das von 2010 bis 2014 durchgeführte Digitalisierungsprojekt Bibliotheca Laureshamensis digital – Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch hatte zum Ziel, alle erhaltenen Codices und Fragmente aus Lorsch zu ermitteln, zu digitalisieren und ihre weitere Erforschung zu ermöglichen. Die virtuelle Bibliothek vereint sämtliche Lorscher Handschriften in Form digitaler Reproduktionen; ergänzend wurden alle Codices in einer eigens entwickelten Datenbank mit ausführlichen wissenschaftlichen Beschreibungen erschlossen und der Forschung über eine gezielte Suchfunktion zugänglich gemacht. Finanziert wurde das Projekt von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen; die Digitalisierung sowie die Erstellung der Handschriftenbeschreibungen lagen in der Verantwortung der Universitätsbibliothek Heidelberg.Alexandra Büttner / Michael Kautz: Bibliotheca Laureshamensis - digital: Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch. In: Sabine Philippi / Philipp Vanscheidt (Hrsg.): Digitale Rekonstruktionen mittelalterlicher Bibliotheken. Wiesbaden 2014, S. 3–14. doi:10.29091/9783954908950.
Die Buchmalerei der digitalisierten Handschriften ist Teil des Repositorium HeidiCON und ist durch verschiedene Suchfunktionen erschlossen.
Weblinks
Homepage. Aufgerufen am 26. Juni 2026.
HeidiCon Bibliotheca Laureshamensis. Aufgerufen am 26. Juni 2026.
Literatur
Bibliothek und Skriptorium des ehemaligen Klosters Lorsch. Katalog der erhaltenen Handschriften. Bearbeitet von Michael Kautz, 2 Bände, Harrassowitz: Wiesbaden 2016. Bernhard Bischoff: Die Abtei Lorsch im Spiegel ihrer Handschriften (= Geschichtsblätter Kreis Bergstraße. Sonderband 10), 2., erweiterte Auflage, Lorsch 1989. Alexandra Büttner / Michael Kautz: Bibliotheca Laureshamensis - digital: Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch. In: Sabine Philippi / Philipp Vanscheidt (Hrsg.): Digitale Rekonstruktionen mittelalterlicher Bibliotheken. Wiesbaden 2014, S. 3–14. doi:10.29091/9783954908950. Hartmut Hoffmann: Schreibschulen des 10. und 11. Jahrhunderts im Südwesten des deutschen Reiches. Textband (= MGH Schriften. Band 33/1), Hannover 2004.
Einzelnachweise
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