Aurèle Ricard (* 24. Oktober 1963 in Paris), auch bekannt als Aurèle oder Aurèle LostDog, ist ein französischer Maler, Objekt- und Collagekünstler. Er lebt und arbeitet in Paris, New York und Shanghai.

Leben Aurèle Ricard gilt als Autodidakt. Seit Mitte der 1980er Jahre orientierte er sich in Paris und New York insbesondere an Yves Klein und Andy Warhol. Im Jahr 1985 entwickelte er eine Chromgelb-Variante, die er in Anlehnung an das International Klein Blue als International Aurèle Yellow (IAY) bezeichnete. Die zugehörige Formel wurde 1989 beim französischen Patentamt (INPI) hinterlegt. Im Jahr 1986 begegnete er in New York einer Vermisstenanzeige für einen Hund namens Bob. Diese wurde zum Ausgangspunkt eines fortan wiederkehrenden Bildmotivs (Lost Dog) in seinem Werk. Im selben Zeitraum soll er Andy Warhol kennengelernt haben. Eine gemeinsam geplante Werkserie zum Motiv des Hundes konnte aufgrund Warhols Tod am 22. Februar 1987 nicht mehr umgesetzt werden. Drei Tage nach Warhols Tod zeigte Ricard in der Pariser Galerie Duval-Dunner eine aus Teer und Metallresten gefertigte Arbeit zu diesem Motiv.

1988 zog er zeitweise in das Département Aveyron (Moulin de la Caze, Naussac), wo er den Ausstellungs- und Produktionsort I.A.C. (Information Antécédent Comportement / International Aurèle Corporation) gründete. Im Jahr 1989 zeigte die Pariser Galerie Lara Vincy seine Werkserie S.P.A. Im selben Jahr lernte er Jacques Villeglé kennen, über den der Kontakt zur belgischen Galeristin Sabine Wachters entstand. In deren Galerie wurde 1990 eine Retrospektive seiner Arbeiten aus den Jahren 1986–1989 gezeigt. 1991 wurden Werke von ihm in der New Yorker Galerie von Leo Castelli ausgestellt. Am 22. Februar desselben Jahres beleuchtete er den Obelisken auf der Place de la Concorde in Paris mit gelben Farbfolien – eine als Hommage an Warhol und Klein verstandene Aktion, die im Kurzfilm Yellow Obélisque von Yuris Lesnik dokumentiert ist.

In den 1990er Jahren arbeitete er wiederholt mit der Modeschöpferin Agnès b. zusammen. 1995 stellte er in der Galerie du Jour in Paris aus und zeigte anschließend eine Ausstellung in deren Tokioter Galerie. 1997 wurde im Fukuoka Art Museum eine Einzelausstellung gezeigt. Mitte der 1990er Jahre hielt er sich zudem in Indien auf, unter anderem in Goa und in Mamallapuram (Tamil Nadu), wo er ein Steinbildhaueratelier errichtete, das ab 1998 in Betrieb war. 1999 lernte er in New York die Fotografin Nan Goldin kennen. Aus der Zusammenarbeit mit Goldin und seiner damaligen Partnerin Joana Preiss entstand der Film La Ballade de l'Amour, der 2000 im Rahmen der Ausstellung Dire Aids im Museum für zeitgenössische Kunst in Turin erstmals gezeigt wurde.

Seit den 2000er Jahren ist Shanghai ein weiterer Lebens- und Arbeitsschwerpunkt. 2006 richtete er dort ein Atelier ein. Für die Weltausstellung 2010 in Shanghai wurde zunächst ein 80 Meter hoher, hundeförmiger Turm mit dem Namen The Yellow Lost Dog als Konzept für den französischen Pavillon vorgeschlagen. Dieses Konzept wurde jedoch nicht realisiert. Den Zuschlag für den Pavillonbau erhielt der Architekt Jacques Ferrier. Im Atrium des fertiggestellten Pavillons zeigte Ricard von Mai bis Oktober 2010 die 4,5 Meter hohe, mit schadstoffabbauenden Pflanzen bewachsene Skulptur LostDogCo2. Nach mehreren Quellen wurde der Pavillon im selben Zeitraum auch mit Werken anderer französischer bzw. in Frankreich lebender Künstler bespielt, darunter ein Werk von Zao Wou-Ki. 2009 erhielt er den Preis als Bildhauer des Jahres der Shanghai Art Fair.

2015 war er nach Angaben einer künstlernahen Quelle an dem Ausstellungsprojekt Fukushima mon amour beteiligt, das sich mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima befasste. 2016 wurde die Ausstellung Warhol / Aurèle in der Galerie Taglialatella in Paris gezeigt. 2018 nahm Ricard an der ersten Bangkok Art Biennale (Beyond Bliss, Oktober 2018 bis Februar 2019) teil. Im öffentlichen Raum vor dem Mandarin Oriental Hotel in Bangkok wurde die goldfarbene, mit Blattgold überzogene Skulptur Lost Dog Ma Long (2018) gezeigt.

Werk Aurèle Ricards Werk umfasst Malerei, Skulptur, Objekt- und Collagekunst sowie Foto- und Videoarbeiten. Das AKL führt ihn unter den Tätigkeitsbezeichnungen Maler, Collagekünstler und Neue Kunstformen. Ein wiederkehrendes Motiv ist seit den 1980er Jahren die Figur des LostDog, die in unterschiedlichen Materialien (Bronze, Resin, Acryl, Marmor, vergoldete Oberflächen) und verschiedenen Maßstäben, bis hin zu monumentalen Außenskulpturen, ausgeführt wurde.

Literatur

Pierre Restany: Aurèle. Série S.P.A. 1986–1989. Presses spéciales de la Société Européenne des Arts graphiques, Paris 1990. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 1: A – Bedeschini. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009. Georges Sebbag, Cynthia Fleury: Aurèle. (Reihe Mains et merveilles). Éditions de la Différence, Paris 2016.

Weblinks

Biography of Aurèle Ricard 'Lostdog'

La fable d’Aurèle et du yellow LostDog Nicolas Jardry photography

Einzelnachweise

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