Die argentinisch-kapverdischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Argentinien und Kap Verde. Sie unterhalten seit 1975 diplomatische Beziehungen.
Ihr Verhältnis gilt als freundschaftlich. Wichtigstes Verbindungsglied ist die traditionelle kapverdische Diaspora in Argentinien, zudem arbeiten beide Staaten in einer Reihe multilateraler Gremien zusammen, darunter die Lateinischen Union, die Südatlantische Zone des Friedens und der Zusammenarbeit (ZPCAS), die Welthandelsorganisation, die UNO und einige der UN-Sonderorganisationen, u. a. So hatte Kap Verde 2024 erstmals die Vize-Präsidentschaft der Kommission der Vereinten Nationen zur Rechtsstellung der Frau (CSW) inne, zusammen mit Argentinien (und zwei anderen).Cabo Verde assume vice-presidência da Comissão do Estatuto da Mulher - „Kap Verde übernimmt Vize-Präsidentschaft der Kommission der Stellung der Frau“, Mitteilung vom 11. März 2024 des Außenministerium Kap Verdes, abgerufen am 27. Juni 2026
Auch etwas Handel und Austausch in Sport und Kultur gehören zu ihren Beziehungen. Seit 2018 hat Argentinien zudem Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, zu deren Gründungsmitgliedern Kap Verde gehört.
Im Zusammenhang mit dem erstmaligen Zusammentreffen beider Fußball-Nationalmannschaften im Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wuchs erstmals auch etwas das Interesse argentinischer Medien an Kap Verde und dessen Einwanderungsgeschichte in Argentinien.
Geschichte mini|hochkant|Kap Verdes Außenminister Luís Filipe Lopes Tavares (li.) wird von seinem argentinischen Amtskollegen Jorge Faurie (re.) empfangen (2018). Seit der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen 1975 unterhalten die beiden Staaten freundschaftliche Beziehungen mit einer Reihe gegenseitiger Abkommen und Staatsbesuche. mini|hochkant|Brasiliens Präsident Fernando Henrique Cardoso spricht auf dem ZPCAS-Gipfel 2007, rechts von ihm Kap Verdes Präsident Pedro Pires: auch in einer Reihe internationaler Institutionen arbeiten Argentinien und Kap Verde zusammen. Mit der Entdeckung und Besiedlung der unbewohnten kapverdischen Inseln im 15. Jh. wurden die Kapverden portugiesische Kolonie, während Argentinien seit dem frühen 16. Jh. spanische Kolonie wurde.
Als wichtige Zwischenstation für transatlantischen Schiffsverkehr und den Waren- und Sklavenhandel spielten die Kapverdischen Inseln auch für die Entwicklung Argentiniens seit der Ankunft der ersten Europäer Anfang des 16. Jh. eine Rolle, wenn auch nur am Rande.
Argentinien wurde 1816 von Spanien unabhängig. Die Kapverden blieben bis 1975 portugiesische Kolonie, so dass bis dahin die argentinisch-portugiesischen Beziehungen ihr Verhältnis bestimmten. Der Beginn der kapverdischen Auswanderung nach Argentinien seit Ende des 19. Jh. markierte dabei die Vorgeschichte der argentinisch-kapverdischen Beziehungen. Die kapverdische Auswanderung nach Argentinien erfolgte besonders zahlreich in den späten 1920er bis 1930er Jahren und vor allem in den Jahren nach 1946, bis sie um 1960 dann wieder deutlich abnahm.
Nach der Unabhängigkeit Kap Verdes 1975 nahmen Argentinien und die junge Republik am 26. September 1975 diplomatische Beziehungen auf.Declaración relativa al Establecimiento de Relaciones Diplomáticas entre la Argentina y Cabo Verde - „Erklärung bezüglich der Einrichtung diplomatischer Beziehungen zwischen Argentinien und Kap Verde“, Bibliothek der Vertragsdokumente des Außenministerium Argentiniens, abgerufen am 27. Juni 2026
Am 29. April 1987 schlossen sie ein Abkommen über wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit,Acuerdo de Cooperación Científica y Técnica entre el Gobierno de la República Argentina y el Gobierno de la República de Cabo Verde - „Abkommen über wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit zwischen der Regierung der Argentinischen Republik und der Regierung der Republik von Kap Verde“, Bibliothek der Vertragsdokumente des Außenministerium Argentiniens, abgerufen am 27. Juni 2026 dem am 10. August 2018 ein Abkommen über den Wegfall der gegenseitigen Visapflicht folgte.Acuerdo entre el Gobierno de la República Argentina y el Gobierno de la República de Cabo Verde sobre Supresión de Visas para Titulares de Pasaportes Diplomáticos, Oficiales y de Servicio - „Abkommen zwischen der Regierung der Argentinischen Republik und der Regierung der Republik von Kap Verde über den Visa-Wegfall für Inhaber diplomatischer, offizieller oder dienstlicher Pässe“, Bibliothek der Vertragsdokumente des Außenministerium Argentiniens, abgerufen am 27. Juni 2026
Diplomatie Argentinien führt keine eigene Botschaft in Kap Verde, zuständig ist die argentinische Botschaft in Portugal. Auch argentinische Konsulate sind in Kap Verde nicht eingerichtet.Botschaften und Konsulate Argentiniens weltweit (unter Auswahlpunkt "Cabo Verde"), Außenministerium Argentiniens, abgerufen am 27. Juni 2026
Kap Verde hat ebenfalls keine eigene Botschaft in Argentinien eröffnet, zuständig ist die kapverdische Botschaft in Brasilien. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires ist ein kapverdisches Konsulat eingerichtet (alles Stand Mai 2026).Konsularische Kontakte der kapverdischen Botschaft in Brasilien, Website der Botschaft Kap Verdes in Brasília, abgerufen am 27. Juni 2026
Migration mini|hochkant|Botschafterin María Fernanda Silva (2020), die erste afro-argentinische Diplomatin, entstammt der kapverdischen Gemeinde in Argentinien. Zunächst langsam und im Zuge der portugiesischen Einwanderung nach Argentinien Ende des 19. Jh. begonnen, wuchs die Zahl kapverdischer Einwanderer nach Argentinien mit den Krisen und Hungersnöten in Kap Verde seit den 1920er Jahren deutlich, mit den beiden wichtigsten Wellen zwischen 1927 und 1933 und ab 1946.
Die 1932 als sozialer Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit gegründete kapverdische Vereinigung Sociedade Cabo-verdiana de Socorros Mútuos – União Cabo-verdiana (SSMUC) besteht bis heute und ist weiterhin eine wichtige Einrichtung der kapverdischen Gemeinde in Argentinien, gleichwohl ihre Bedeutung mit der zunehmenden Integration der kapverdischen Arbeitnehmer in die Sozialsysteme Argentiniens über die Jahre etwas nachgelassen hat.Cabo-verdianos na Argentina: Um legado que resiste ao tempo - „Kapverdier in Argentinien: ein Vermächtnis, das die Zeiten übersteht“, Artikel vom 27. Februar 2025 des kapverdischen Nachrichtenportals Balai.cv, abgerufen am 27. Juni 2026 Daneben bestehen weitere Vereine, etwa die 1927 gegründete Asociación Caboverdeana de Ensenada. Seit den 1990er Jahren entdeckt die junge Generation der kapverdischen Gemeinde, auch im Zusammenhang mit der gestiegenen Einwanderung aus anderen afrikanischen Ländern nach Argentinien, ihre afrikanischen Wurzeln wieder neu. So gründeten die Kapverdierin María Fernanda Santos und Irene Ortiz, eine Argentinierin mit kapverdischem Migrationshintergrund, 1995 die La Casa de Africa en Buenos Aires, ein afrikanischer Kulturverein in der Hauptstadt Buenos Aires.El equívoco sobre Cabo Verde y los vínculos históricos de su comunidad, arraigada desde hace más de un siglo en Argentina – „Das Missverständnis um Kap Verde und die historischen Bindungen seiner seit über 100 Jahren in Argentinien bestehenden Gemeinschaft“, Artikel vom 29. November 2021 des argentinischen Nachrichtenportals InfoBlancoSobreNegro.com, abgerufen am 27. Juni 2026
Die Musik war ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld der kapverdischen Diaspora in Argentinien. Neben einigen kapverdischen Musikern, die in Argentinien bekannt wurden, bestand zudem in den 1940er und 1950er Jahren mit dem Orquestra Caboverdeana ein Sextett, dass Schallplattenaufnahmen machte und Gastspiele bis in die USA unternahm, so 1949 zur kapverdischen Gemeinde an der US-Ostküste.Cabo-verdianos na Argentina - „Kapverdier in Argentinien“, Sammlung von Artikeln zum Thema, kapverdisches Musikportal CaboVerdeAMusica.online, abgerufen am 27. Juni 2026
Die Kapverdier kamen meist mit den oftmals britischen Schiffen aus dem damals wichtigen transatlantischen Versorgungshafen von Mindelo und waren überwiegend Fischer und Seeleute, häufig von den Inseln São Vicente und Santo Antão stammend. Sie siedelten sich daher vor allem an Häfen und Fischerorten an, wo sie Arbeit in der Fischerei, vor allem aber bei Fährbetrieben, Werften oder Reedereien in den verschiedensten Berufen fanden, aber auch in der damals aufblühenden argentinischen Industrie oder dem Energiesektor beschäftigt waren. Bis heute findet sich die kapverdische Gemeinde vor allem in der Provinz Buenos Aires, so in Dock Sud, Quilmes, Ensenada, Berisso und anderen Orten im Großraum Buenos Aires. mini|hochkant|Der kapverdisch-stämmige Juan Carlos Cobos, der insbesondere als Sänger für das Orchester von Osvaldo Pugliese im Argentinien der 1950er Jahre bekannt wurde. Ab etwa 1960 nahm die kapverdische Einwanderung nach Argentinien wieder ab. Bis zur Unabhängigkeit Kap Verdes von Portugal 1975 wurden sie entsprechend ihrer Papiere als portugiesische Staatsbürger geführt, ihre Zahl bis dahin wird auf insgesamt etwa 8.000 Menschen geschätzt, die die Grundlage der heutigen kapverdischen Gemeinde wurden.Cabo Verde también habla argentino - „Kap Verde spricht auch Argentinisch“, Artikel vom 21. Juni 2026 des alternativen argentinischen Nachrichtenportals El Grito del Sur, abgerufen am 27. Juni 2026
Im Jahr 2006 wurde die kapverdische Gemeinde in Argentinien auf 12.00 bis 15.000 geschätzt, von denen nur noch rund 300 in Kap Verde geboren waren.Caboverdianos: vientos de cambio - „Kapverdier: Winde der Veränderung“, Artikel vom 3. Dezember 2006 der argentinischen Zeitung La Nación, abgerufen am 27. Juni 2026 2026 gingen Schätzungen von insgesamt bis zu 30.000 Personen aus, die man der kapverdischen Gemeinde in Argentinien zurechnet. Als berühmtester Argentinier mit kapverdischen Wurzeln gilt der Fußballspieler Adriano Custódio Mendes, der als Stürmer bei Estudiantes de La Plata 1981–1982 unter Trainer Carlos Bilardo mit fünf Toren in 25 Spielen erstmals zu einem bekannteren Profifußballer wurde und danach in weiteren argentinischen (und anderen) Klubs spielte.El fenómeno Cabo Verde: su pasado colonial y la conexión argentina - „Das Phänomen Kap Verde: seine koloniale Geschichte und die argentinische Verbindung“, Artikel vom 15. Oktober 2025 der argentinischen Zeitung Página/12, abgerufen am 27. Juni 2026
Einige bekannte Argentinier kapverdischer Abstammung sind beispielsweise: Juan Carlos Cobos (1928–1999), Sänger und Komponist José Ramos Delgado (1935–2010), Fußballspieler aus Quilmes Adriano Custódio Mendes (* 1961 auf São Vicente), Fußballspieler, seit seinem 12. Lebensjahr in Argentinien María Fernanda Silva (* 1965), Diplomatin Diego Alonso Gómez (* 1972 in Buenos Aires), Schauspieler Fernando Tissone (* 1986 in Quilmes), Fußballspieler Cristian Tissone (* 1988 in Quilmes), Fußballspieler Ayrton Costa (* 1999 in Quilmes), Fußballspieler
Wirtschaft Der bilaterale Handel ist erst schwach ausgebildet, begrenzt im Wesentlichen durch die gegebenen Verhältnisse Kap Verdes wie dem kleinen Binnenmarkt, den harten natürlichen Bedingungen und der in der Folge schwachen Exportwirtschaft des außerordentlich ressourcenarmen Landes.
Im Jahr 2024 exportierte Argentinien Waren im Wert von 5,74 Mio. US-Dollar nach Kap Verde, davon mit 5,4 Mio. US-Dollar ganz überwiegend Mais.
Im Jahr 2025 führte Kap Verde Waren im Wert von 182.000 US-Dollar nach Argentinien aus, ganz überwiegend Sportgeräte.Zahlen zum argentinisch-kapverdischen Handel des Observatory of Economic Complexity (OEC), abgerufen am 27. Juni 2026
Sport mini|hochkant|Das kapverdische Quartier bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen 2018 in Buenos Aires. Sportler beider Länder begegnen sich regelmäßig bei internationalen Veranstaltungen. Fußball ist dabei in beiden Ländern uneingeschränkt der beliebteste Sport.