Hans Friedrich Balmer (* 14. November 1854 in Merlach; † 16. Januar 1910 in Bern; heimatberechtigt in Laupen), amtlich Johann Friedrich Balmer, war ein Schweizer Geograph, Geographiehistoriker, Historiker, Schriftsteller, Journalist und Leiter einer graphischen Anstalt.

Frühes Leben und Ausbildung Hans Friedrich BalmerStadtarchiv Bern: SAB_1125_7_1, SAB_1125_16_4.Schweizerisches Handelsamtsblatt. Band 16 (1898), Nummer 155, S. 641: 20. Mai : Die Kollektivgesellschaft unter der Firma Schüler & Balmer in Bern (S. H. A. B. 1894, pag. 852) ist infolge Absterbens des einten Gesellschafters, Georg Wilh. Alb. Schüler, erloschen. Aktiven und Passiven gehen über an die Einzelfirma «Dr. Balmer».

Inhaber der Firma Dr Balmer in Bern ist Dr. phil. Johann Friedrich Balmer, von Laupen, in Bern. Natur des Geschäftes: Graphische Anstalt. Geschäftslokal: Balmweg Nr. 22, Weissenbühl. Die Firma übernimmt Aktiven und Passiven der erloschenen Kollektivgesellschaft «Schüler & Balmer».Heinz Balmer: Buchbesprechung zu 12. Berner Geographische Mitteilungen (Bern 1979), Hauptbeitrag: Georges Grosjean, Aus der Geschichte des Geographischen Instituts. – Getreu der Aufforderung von Georges Grosjean trägt Heinz Balmer einiges Unerwähntes zur Institutsgeschichte nach. Darunter eine geographiehistorische Darstellung zu Hans Friedrich Balmer (von Laupen) als Privatdozent 1887–1896 und Verfasser von Studien über den Seeweg zwischen Europa und West-Sibirien. In: Gesnerus, Bd. 37, 1980, S. 342.„Dr. Hans Balmer“, in: Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 18. Januar 1910.„† Dr. Hans Balmer“, in: Der Bund, 19. Januar 1910.„† Dr. Hans Balmer“, in: Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, 22. Januar 1910.Halleriana 1883–1983. Bern, 1983. Curriculum in Stichworten. S. 17. wurde am 14. November 1854 in Merlach geboren; ein zeitgenössischer Nachruf schildert ihn zunächst als gelernten Tapezierer in Biel, der als wandernder Handwerksbursche mit dem Ränzel auf dem Rücken über den Susten und den Gotthard wanderte und ursprünglich beabsichtigte, in das sprichwörtliche „Land, wo die Zitronen blühen“Der im Nachruf verwendete Ausdruck vom „Land, wo die Zitronen blühen“ knüpft an Goethes Gedicht Mignon (Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?) aus den Wilhelm Meisters Lehrjahren an, das im 19. Jahrhundert zu einer vielzitierten Formel für die deutsche Italiensehnsucht wurde. zu ziehen, wovon man ihm am Gotthard jedoch eindringlich abriet.G. W.: Dr. Hans Balmer. In: Korrespondenzblatt der Studentenverbindungen Halleriana bernensis und Manessia turicensis, Nr. 13, VIII. Jahrgang, Bern/Zürich, 7. Mai 1910, S. 1–3. – Nachruf; Staatsarchiv des Kantons Bern, GEN 86: „Balmer, Hans“, 1910. Stattdessen wandte er sich nordwärts, gelangte über Zwischenstationen wie Worms nach Bremen und fuhr von dort während mehrerer Jahre als Schiffsjunge, Matrose und später UntersteuermannBalmer stieg vom Matrosen zum Untersteuermann auf, einem nachgeordneten Rang in der nautischen Laufbahn unterhalb des verantwortlichen Steuermanns.Balmer brach zwar mit dem Wunsch auf, nach Italien zu gelangen, änderte auf seiner Gesellenwanderung jedoch die Richtung und fand schliesslich in Bremen Arbeit und Zugang zur Seefahrt, was der offenen Zielsetzung traditioneller Gesellenwanderungen entspricht. auf Handelsschiffen, wobei er nach dem Nachruf „fast alle Meere der Erde“ bereiste und unter anderem die Landenge von Panama zu Fuss überschritt.Ausgehend von Colón (damals im englischen Sprachgebrauch häufig „Aspinwall“) an der Karibikküste unternahm Balmer Ende Mai 1876 mit zwei Begleitern, dem englischen Matrosen Jack und einem weiteren afrostämmigen Seemann namens Giunni, eine mehrtägige Fußreise über Gatún, das Tal des Río Agua Salud, die Wasserscheide bei der Cerro‑Cane-/Quarequa‑Kette und Arraiján bis nach Panama-Stadt und die Bucht des Stillen Ozeans.Die im Nachruf erzählerisch ausgeschmückte Beschreibung der Panama‑Episode geht vermutlich auf mündliche Überlieferung zurück; Balmers eigene Fassung in Seemanns Freuden und Leiden (S. 129–130) ist deutlich nüchterner gehalten.

Nach seiner Rückkehr aus der Seefahrt bemühte sich Balmer um eine Ausbildung zum Lehrer und konnte 1879 in das Lehrerseminar Münchenbuchsee eintreten, was ihm nach beendigter Schulzeit wegen „misslicher Familienverhältnisse“ nicht möglich gewesen war. Anschliessend erwarb er das bernische PrimarlehrerpatentMatrikel der Universität Bern und legte das Sekundarlehrerexamen ab; danach nahm er ein Studium an der Berner Hochschule auf, nach zeitgenössischen Angaben mit Geographie als Hauptfach. Eigene Seefahrtserfahrungen und nautisch-geographisches Wissen verarbeitete Balmer später in Werken wie Seemanns Freuden und Leiden. Dargestellt nach den Reisen von Friedrich Balmer, gew. Steuermann sowie in Erzählungen wie Nordischer Zauber und An Bord eines Sklavenschiffes im Sonntagsblatt der Berner Zeitung Der Bund und später in Die Romfahrt des Apostels Paulus und die Seefahrtskunde im römischen Kaiserzeitalter.Hans Friedrich Balmer: Nordischer Zauber. Eine Seemannsgeschichte. In: Sonntagsblatt Der Bund, Nr. 49, 7. Dezember 1884 (Digitalisat: e-newspaperarchives.ch)Hans Friedrich Balmer: An Bord eines Sklavenschiffes. Sonntagsblatt Der Bund, Nummer 47, 22. November 1885. „Wir bemerken zu diesem Artikel, daß der Verfasser, ein Schweizer, als Seemann in fremden Meeren gedient hat und aus eigener Anschauung schildert. D. Red.“Hans Friedrich Balmer: An Bord eines Sklavenschiffes. Sonntagsblatt Der Bund, Nummer 48, 29. November 1885 (Schluss).Hans Friedrich: Seemanns Freuden und Leiden. Dargestellt nach den Reisen von Friedrich Balmer, gewesenem Steuermann. Bern, 1882.

Leben 1884 wurde Balmer in die Geographische Gesellschaft Bern und 1886 in die Bernische Naturforschende Gesellschaft aufgenommen. 1885 promovierte er bei Eduard Juljewitsch Petri mit der Arbeit Studien über den Seeweg zwischen Europa und West-SibirienAuffällig ist, dass Balmer in seinen „Studien über den Seeweg zwischen Europa und West‑Sibirien“ die einschlägigen Arbeiten des Berner Gelehrten Samuel Engel zur Nordostpassage offenbar nicht rezipiert. Angesichts der stark empirisch und verkehrsgeographisch ausgerichteten Argumentation Balmers und der inzwischen als überholt geltenden Polarmeer‑Hypothese Engels dürfte dieser Verzicht weniger Unkenntnis als eine bewusste Fokussierung auf neuere, beobachtungsbasierte Quellen widerspiegeln., die am Schluss eine Übersichtskarte der Karasee enthält. In der Arbeit dankte Balmer seinem Lehrer Petri ausdrücklich für die Anregung zur Untersuchung und die Unterstützung bei der Lösung der Aufgabe.Widmungsseite der Dissertation von Hans Friedrich Balmer mit Dank an Eduard Juljewitsch Petri. Petri war ab 1883 Dozent und 1886–1887 der erste Professor für Geographie an der Universität Bern.100 Jahre Geographisches Institut. In: Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft Bern. Band 56 (1986). S. 34 ff.

mini|Übersichtskarte der Kara-See und der Mündungen von Ob und Jenissej aus der Dissertation von Hans Balmer Studien über den Seeweg zwischen Europa und West-Sibirien (Bern, 1886).

Er gehört zu den Mitbegründern des von Isidor BachmannErnst Lerch: Gedenkblätter zum 25jährigen Bestande der Verbindiung 1883-1908. Bern, 1908. S. 7: Feste Gestalt gewann der Gedanke an eine Neugründung auf den geologischen Exkursionen mit Prof. J. Bachmann. [...] Er gab die Anregung, er organisierte den Verein, er war der spiritus rector [...], angeregten Akademisch‑naturwissenschaftlichen Vereins Bern, der am 25. Juli 1883 gegründet wurdeKorrespondenzblatt der Studenten‑Verbindungen Halleriana bernensis und Manessia turicensis, Nr. 13, VIII. Jahrgang, Bern/Zürich, 7. Mai 1910. G[ottfried] W[älchli]: [Nachruf] † Dr. Hans Balmer, S. 2. und war später Ehrenmitglied der Studentenverbindung Halleriana.

Im Zusammenhang mit seiner Habilitation als Privatdozent der Geographie kündigte die Berner Zeitung am 28. Oktober 1887 für den folgenden Tag eine Antrittsvorlesung Balmers an. Das Thema lautete Aufgaben der arktisch-geographischen Forschung.Berner Zeitung, Band 43, Nr. 255, 28. Oktober 1887, Ankündigung der Antrittsvorlesung Balmers im Hörsaal Nr. 14. Die venia docendi für Geographie wurde Hans Balmer von an der Universität Bern bewilligt.Bericht über die Staatsverwaltung des Kantons Bern für 1887, S. 216: Universitätsbericht zur Bewilligung der venia docendi für Hans Balmer von Laupen. Von 1887 bis 1896 wirkte Balmer als Privatdozent für Geographie an der Universität Bern. Bereits im Wintersemester 1887/88 eröffnete er seine Lehrtätigkeit mit Vorlesungen über physische Geographie und Handelsgeographie.Universität Bern, Vorlesungen im Winter-Semster1887/88, S. 17: Physische Geographie, mit besonderer Berücksichtigung der Schweiz (2-stündig), Handelsgeographie (Öffentlich.) 2-stündig. In der geographiehistorischen Literatur wird Balmer dabei eher als Geographiehistoriker denn als praktizierender Geograph charakterisiert. In einem späteren Universitätsbericht wird vermerkt, dass er „für einige Semester“ auf die venia docendi verzichtete.Verwaltungsbericht der Erziehungs-Direktion des Kantons Bern für das Schuljahr 1893/94. S. 241. Dagegen verzichteten auf die venia docendi: [...] Herr Dr. Hans Balmer (für einige Semester).

1888 wurden Balmer, ebenso wie der durch Lehrbücher bekannte Basler Gymnasiallehrer Rudolf Hotz‑Linder, nicht für den Geographie‑Lehrstuhl in Bern in Betracht gezogen, da man Eduard Brückner als „großen Forscher“ als Nachfolger Eduard Petris gewann.

In den Vorlesungsverzeichnissen der Universität Bern für die Jahre 1888 bis 1892 sind Vorlesungen und Übungen Balmers nachgewiesen: Wintersemester 1887/88, SS 1888,Universität Bern: Vorlesungen im Sommersemster 1888, S, 17: Handelsgeographie, Physische Geographie, Kulturgeographie mit pädagogischen Anwendungen [je 1-stündig]. [SS 1889], Sommersemester 1890,Universität Bern: Vorlesungen im Sommer-Semester 1890, S. 18: Geophysik; Dynamik der Luft- und Wasserhülle (2-stündig), Ethnographie; die Zone der Religionsstifter (1-stündig). Wintersemster 1890/91Universität Bern, Vorlesungen im Winter-Semester 1890/91, S. 20: Die Segelkurse Colons [=Kolumbus], unter Berücksichtigung der Strömungs- und Windverhältnisse, 2-stündig., Wintersemester 1891/92Universität Bern, Vorlesungen im Winter-Semester 1891/92, S. 19: Vervielfältigende Künste im Dienste der Geographie, 1-stündig; Kartographische Darstellung geographischer Erscheinungen, 1-stündig., Sommersemester 1892Universität Bern, Vorlesungen im Sommer-Semester 1892, S. 21: Strömungen der Lufthülle der Meere (1-stündig), Colon’s Reisen (noch zu bestimmende Stunden), Handelsgeographie (1-stündig). und Wintersemester 1892/93Universität Bern, Vorlesungen im Winter-Semester1892/93, S. 20 Angewandte Ethnologie (Gesellschaftslehre) in zwei zu bestimmenden Stunden..

Parallel zu seiner akademischen Tätigkeit entwickelte Balmer eine umfangreiche schriftstellerische und journalistische Arbeit. Er schrieb für Tageszeitungen und Zeitschriften, war viele Jahre regelmäßiger Mitarbeiter der Sonntagsbeilage des Berner Intelligenzblattes und redigierte die Beilage des Handels-Courier unter dem Titel Heimat und Fremde. Viele seiner Arbeiten erschienen unter seinen beiden Vornamen „Hans Friedrich“. Als Herausgeber setzte er zudem das von Ludwig Lauterburg begründete Berner Taschenbuch für die Jahre 1887 und 1888 fort.

In einem Beitrag der Berner Tagwacht aus dem Jahr 1894 wird berichtet, dass Balmer im Atelier für Zinkotypie im Mattenhof in Bern für seine Belegschaft die achtstündige Arbeitszeit ohne Lohnreduktion eingeführt habe; der Artikel stellt diesen Schritt als eine Art praktische Sozialreform dar.Berner Tagwacht, Band 2, Nummer 6, 20. Januar 1894.Grütlianer, 23. Januar 1894: Bern. Das Atelier für Zinkotyple im Mattenhof (Dr. Hans Balmer, Privatdozent) hat die achtstündige Arbeitszeit ohne Reduktion des Lohnes eingeführt. Bravo! Das ist praktische Socialreform mit der That ...