mini|Henry de Lesquen (2017)
Henry Bertrand Marie Armand de Lesquen du Plessis-Casso (* 1. Januar 1949 in Port-Lyautey, Französisch-Marokko) ist ein französischer Politiker, pensionierter Beamter und rechtsextremer Aktivist. Seit 1985 ist de Lesquen Präsident des Carrefour de l’Horloge, einer nationalliberalen Denkfabrik. Seit den 2010er Jahren ist er als Blogger und YouTuber aktiv und trug zur Popularisierung des Konzepts der „Remigration“ in Frankreich bei.
Biografie Frühes Leben und Ausbildung Henry Bertrand Marie Armand de Lesquen du Plessis-Casso wurde am 1. Januar 1949 in Port-Lyautey in Marokko geboren, das damals unter französischer Herrschaft stand. Er ist der Sohn von Pierre de Lesquen du Plessis-Casso, einem General der französischen Armee, und Anne-Marie Huon de Kermadec. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter stammten aus adligen bretonischen Familien. Seine Großmutter mütterlicherseits, Camille Medina, wurde in Guatemala geboren und später in Frankreich eingebürgert.
De Lesquen trat 1968 in die École polytechnique ein, erwarb anschließend einen Bachelorabschluss in Wirtschaftswissenschaften und wurde 1974 an der École nationale d’administration (ENA) aufgenommen.
Carrefour de l’Horloge Gemeinsam mit seinem ENA-Freund Jean-Yves Le Gallou gründete de Lesquen im Juli 1974 Club de l’Horloge. Der Club kritisierte die Metapolitik des von Alain de Benoist geprägten Groupement de recherche et d’études pour la civilisation européenne (GRECE) und zielte auf unmittelbarere politische Ergebnisse. Dazu bevorzugte er eine Strategie des Entrismus in die damals wichtigsten französischen Rechtsparteien: den Rassemblement pour la République (RPR) und die Union pour la démocratie française (UDF).
Das 1979 unter de Lesquens Leitung veröffentlichte Buch La Politique du vivant („Die Politik des Lebendigen“) griff Theorien von GRECE zur Soziobiologie, zum genetischen Determinismus und zum Sozialdarwinismus auf. Im selben Jahr nahm de Lesquen gemeinsam mit Alain de Benoist an der französischen Literatursendung Apostrophes zur Nouvelle Droite teil. Seit 1979/80 distanzierte sich der Club de l’Horloge von GRECE und vertrat stattdessen einen „stark nationalistisch gefärbten Wirtschaftsliberalismus“.
Öffentliche Laufbahn Von 1974 bis 1978 war de Lesquen im französischen Ausrüstungsministerium für das Programmbüro der französischen Autobahnen zuständig. Von 1979 bis 1983 leitete er im Finanzministerium das Büro für Energie, Rohstoffe und Chemie. Außerdem war de Lesquen von 1978 bis 1987 Lehrbeauftragter für Wirtschaftswissenschaften an Sciences Po.mini|Logo seiner National-Liberalen Partei1984 wurde er stellvertretender Finanzdirektor der Stadt Paris. In dieser Funktion weigerte er sich im Dezember 1986, nach dem Tod des algerischstämmigen Studenten Malik Oussekine an einer Schweigeminute teilzunehmen, und verließ nach Angaben von Zeugen während der Gedenkzeremonie den Raum. 1987 wurde er vom Pariser Bürgermeister Jacques Chirac zum Generalsekretär des Office Public d’Aménagement et de Construction (OPAC) ernannt und blieb bis 1990 in diesem Amt. Ihm wurde vorgeworfen, inoffizielle ethnische Quoten angewandt zu haben. 2001 wurde de Lesquen Stadtrat in Versailles, wo er sich gegen Projekte des sozialen Wohnungsbaus der Stadt aussprach.
2007 wurde er zum Präsidenten des rechtsgerichteten Radiosenders Radio Courtoisie gewählt. 2017 wurde er nach den Kontroversen um seine Präsidentschaftskandidatur aus dieser Funktion entfernt.
Ende 2015 kündigte de Lesquen seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017 an. In den folgenden Monaten erregte er mit mehreren provokanten Vorschlägen mediale Aufmerksamkeit. Er erklärte, als Präsident werde er den Eiffelturm zerstören, das französische Arbeitsgesetzbuch „verbrennen“, das er als Hindernis für Unternehmertum und als Einschränkung individueller Freiheit betrachtete, sowie Belgien und Luxemburg annektieren. Zudem erklärte de Lesquen, er werde „Negermusik“ aus staatlich geförderten Sendungen verbannen. Darunter verstand er „Musik mit sexuellem Rhythmus, Ausdruck der Seele des afrikanischen Volkes“, einschließlich Hip-Hop, Heavy Metal und Rock ’n’ Roll, das er als „Negermusik der Weißen“ bezeichnete, die das Reptilienhirn anspreche.
Im Januar 2017 wurde er schließlich wegen Aufstachelung zu Rassenhass und Holocaustleugnung zu einer Geldstrafe von 16.000 Euro verurteilt. Im März 2017 zog de Lesquen seine Kandidatur zugunsten des Kandidaten der Les Républicains (LR), François Fillon, zurück, nach eigener Darstellung gegen die „kosmopolitische Oligarchie“ und um Macron den Weg zu versperren.
2018 gründete er eine politische Bewegung, die National-Liberale Partei (PNL; französisch Parti National-Libéral), die nationalliberale Ideen fördern und traditionelle französische Werte sowie eine liberale Wirtschaftsordnung durch ideologische Einflussnahme statt durch Wahlämter wiederherstellen soll. Das Logo seiner Partei ahmt die Wolfsangel nach, die im Zweiten Weltkrieg von der 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ verwendet wurde.
Politische Positionen De Lesquen betreibt einen YouTube-Kanal mit mehreren Millionen Aufrufen, auf dem er seine politischen Theorien verbreitet. Dabei zog er zahlreiche junge Anhänger an, die sich selbst als Jeunesses Lesquenistes („lesquenistische Jugend“) bezeichnen.
Über seine Onlinevideos trug de Lesquen zur Popularisierung des Begriffs „Remigration“ in Frankreich bei und verbreitete rassistische Theorien auf Grundlage der Arbeiten des Anthropologen Carleton S. Coon. De Lesquen führte außerdem das Wort candaule als französische Entsprechung zum Alt-Right-Begriff Cuckservative ein. Wie sein amerikanisches Gegenstück dient der Ausdruck zur Abgrenzung zwischen den „echten Rechten“, die sich gegen antirassistische Gesetze wendeten und „Remigration“ befürworteten, und moderaten Kräften, die als Verlierer und Verräter angesehen werden.
Verhältnis zum Front National De Lesquen bezeichnete Marine Le Pen als „linke Frau“, die sich damit amüsiere, in Nachtclubs „Negermusik“ zu hören, und als „unkultiviert“. Den Rassemblement National beschrieb er als „päderastisches Bordell“.
Weitere Positionen Ende 2018 entschied sich de Lesquen die Gelbwestenbewegung zu unterstützen und beschrieb die Bewegung als aus „Franzosen mit französischen Vorfahren“ bestehend.
Er erklärte, die Sklaverei sei aufgrund des niedrigen wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungsniveaus eine historische Notwendigkeit gewesen, und schwarze Sklaven seien vergleichsweise gut behandelt worden.
Transsexuelle Menschen bezeichnete er als „Perverse“ und „Geisteskranke“, die psychiatrischer Behandlung bedürften.
Im März 2020 erklärte de Lesquen bei einer Versammlung der Organisation „Résistance helvétique“, es gebe „Schlimmeres als das Coronavirus: das Judeovirus“.
Privatleben Henry de Lesquen ist traditionalistischer Katholik. Er brach den Kontakt zu seiner Tochter Clélie ab, nachdem diese einen jüdischen Mann geheiratet hatte.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Aktivist Kategorie:Nationalliberalismus Kategorie:RPR-Mitglied Kategorie:Rassentheoretiker Kategorie:Person (Versailles) Kategorie:Person (Neue Rechte) Kategorie:Beamter (Frankreich) Kategorie:Hochschullehrer (Institut d’études politiques) Kategorie:Absolvent der École nationale d’administration Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Mann