mini|Die Südfassade des Schlosses, 2025
Château Poseidon, auch bekannt unter dem Namen Château de Laborde‚ ist ein im 19. Jahrhundert erbautes Schloss im Stil der Neorenaissance. Es steht in der Gemeinde Val-Fouzon im Departement Indre in der Region Centre-Val de Loire. Die Anlage steht im Privatbesitz.
Lage Das Schloss befindet sich im Weiler La Borde in der Gemeinde Varennes-sur-Fouzon, einer delegierten Gemeinde innerhalb der neuen Gemeinde Val-Fouzon im Kanton Saint-Christophe-en-Bazelle des Départements Indre. Das Anwesen liegt am Ende einer langen Zufahrtsstraße, die von einer Abzweigung der RD4 in Richtung Chabris abzweigt. Etwas weiter unten, auf der anderen Straßenseite, befindet sich die Molkerei von Varennes.
Geschichte Ursprünge Das Schloss wurde von 1860 bis 1863 nach den Plänen des Architekten Alfred Dauvergne (1824–1885) erbaut, zur Zeit des Französischen Zweiten Kaiserreichs, einer Periode landwirtschaftlichen und industriellen Wohlstands für das Département Indre, das bereits seit 1847 an das Eisenbahnnetz angeschlossen war.
Dauvergne wurde im 1851 zum Departementsarchitekten ernannt und realisierte mehrere Bauprojekte und öffentliche Bauvorhaben in Châteauroux und Umgebung, die ab 1857 dazu beitrugen, seinen Ruf in der Region zu festigen. Diese Erfolge brachten ihm zahlreiche private wie auch öffentliche Aufträge ein, wie aus seinen im Archiv des Departements Indre aufbewahrten Unterlagen hervorgeht.
Der Bau erfolgte nach dem Abriss eines befestigten Bauernhofs, von dem ein einzelner Turm einige Dutzend Meter vor dem heutigen Gebäude erhalten geblieben ist. Die meisten anderen Teile dieses Bauernhofs sind verschwunden. Das Abbruchmaterial dieses ersten Gebäudes wurde für das Fundament und den Sockel des neuen Schlosses verwendet.
Die Familie Boullet Louis Gustave Boullet (Valençay, 7. August 1814 – 3. März 1867)Sein Vater, Louis Auguste Boullet, wird in öffentlichen Urkunden als Steuereintreiber und Kaufmann geführt. und seine Ehefrau Gabrielle Picot d’Agard (1826–1905) ließen das Schloss Laborde errichten und waren dessen erste Bewohner. Er stammt aus einer Familie von Grundbesitzern und KaufleutenBei seiner Hochzeit waren folgende Trauzeugen anwesend: für ihn Jules Boullet, Onkel und Grundbesitzer, Antoine Martin, Cousin und Notar; für seine Ehefrau Antoine Picot, Gesundheitsbeamter und Cousin, sowie François Desfosses, Notar und Cousin.. Das Paar hatte drei Kinder: Henry Augustin 'Louis' Boullet (1847–1907), Gabrielle Boullet (1851–1923) und Gustave Boullet (1863–1884).
Louis Boullet übernahm nach dem Tod seiner Mutter das Anwesen Laborde. Er heiratete „Léonie“ Marie Louise Conilh de Beyssac (1858–1934) und sie hatten drei Kinder: Marthe Paillet-Boullet (1886–1963), Pierre Boullet (1889–1956) und Eugène Boullet (1890–1940).
Das Schloss wurde von Pierre Boullet und seiner Ehefrau und Cousine ersten Grades Marie Émilienne Marguerite Conilh de Beyssac (1885–1973) übernommenMarie Émilienne Marguerite Conilh de Beyssac ist die Nichte von Marie Louise Conilh und die Schwester von Jean-Jacques Conilh de Beyssac (1890–1918).Zu den Vorfahren der Familie Conilh zählte der General Jean Romain Conilh de Beyssac (1749–1820). Pierre und Marguerite zogen zwischen 1915 und 1925 auf das SchlossIn der Volkszählung von 1926 ist unter der Rubrik 12 „Château de la Borde“ ausdrücklich „Keine“ vermerkt. Online., wo sie eine Familie gründetenDrei Töchter, darunter die beiden Ältesten, die Zwillinge Solange (1918–2010) und Geneviève (1918–2018), wurden in Caudéran geboren. Der jüngste Sohn, Francis Boullet (1925–1981), geboren in Issac, heiratete Marie-France Le Goüais (1934–2022), Tochter von Yves Le Goüais (1902–1962) und Marie aus der Familie de Dieuleveult (1911–1997). Im Schloss werden ihr ältester Sohn, Louis Boullet (1916–1997), der Priester wird, und die jüngste der Töchter, Jacqueline (1919–1976), geboren.
Wechselnde Eigentümer In der Zwischenkriegszeit scheint das Schloss als Standort für eine Molkerei und Käserei genutzt worden zu sein. Im Jahr 1925 wurde das Schloss von den Boullets an Jacques Borel (Fort-de-France 1860 – Paris 1945) verkauft, der durch den Handel mit Rhum zu Reichtum gekommen war. Er scheint das Schloss für seinen Sohn Marie Joseph Jacques Borel (Pointe-à-Pitre 1896 – Paris 1970) gekauft zu haben, der sich dort nach seiner Heirat mit Jeanne Agoin niederließ; dort wurde ihr Sohn Jacques Marie Lionel Borel (Varennes-sur-Fouzon, 1927 – Jouy 2011) geboren.
Ab einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt und bis 1949 war das Schloss im Besitz von Élie Granat (1889–1969), Absolvent der École supérieure d’électricité, Ingenieur und Erfinder, der 1957 für seine herausragenden Verdienste zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt wurdeÉlie Granat. In: Base Léo. Das Schloss ging anschließend in den Besitz der „Landwirtschaftlichen Viehzuchtgenossenschaft von Berry“ über, die sich auf die künstliche Befruchtung von Rindern spezialisiert hatte. Die Verwaltung bezog das Schloss, während in einem Nebengebäude das Labor untergebracht war, in dem das Sperma der in den Ställen untergebrachten Bullen gewonnen wurde. Nach einigen Jahren gingen die Aktivitäten zurück und kamen schließlich ganz zum Erliegen.
1980 wurde das Anwesen von einem Deutschen erworben, der dort auf großem Fuß lebte und seine Kunden ausbeutete. Nachdem er für insolvent erklärt worden war, ordnete die Justiz fünf Jahre später die öffentliche Versteigerung des Anwesens an. Eines der Opfer erwarb das Schloss La Borde und schmiedete vergeblich Pläne für einen Hotelkomplex.
mini|Das letzte Überbleibsel des früheren Schlosses aus dem 17. Jahrhundert
Mit Urkunde vom 19. Juli 1995 wird eine Aktiengesellschaft mit Vorstand und Aufsichtsrat unter dem Namen „Château de la Borde Golf et Country Club“ gegründet. Die Gesellschafter erwarben zudem angrenzende landwirtschaftliche Flächen, wodurch sie ein Grundstück von 200 ha zusammenführen konntenDie Gesellschaft wurde am 15. November 2012 aus dem Handels- und Gesellschaftsregister gelöscht. (pappers.fr). Sie prüfen Pläne für ein Luxus-Ferienzentrum mit einer Kapazität von mehr als 500 Betten und einen 18-Loch-Golfplatz. Diese Projekte scheiterten jedoch, da die erforderlichen Finanzmittel nicht aufgebracht werden konnten. Entmutigt gaben die Eigentümer ihre Pläne auf und versuchten, das Anwesen zu veräußern.
mini|Das Schloss auf einer alten Postkarte
Infolgedessen stand das Schloss etwa vierzig Jahre lang leer. In dieser Zeit verfiel das Gebäude und es kam zu Diebstählen von Einrichtungsgegenständen (Kaminverkleidungen, Schmiedearbeiten, Kerzenleuchter). Dennoch blieb das Schloss dank einer Alarmanlage und der Wachsamkeit eines aufmerksamen Nachbarn in einem relativ gut geschützten Zustand.
Das Schloss wurde 2025 von zwei Quebecern erworben. Der Fortschritt der Renovierungsarbeiten kann auf dem eigens dafür eingerichteten YouTube-Kanal verfolgt werden.
Beschreibung Das Bauwerk besteht aus einem von vier symmetrischen Türmen flankierten Mittelbau. Die Hauptfassade wird durch einen Vorbau geprägt, der mit Eckwachtürmchen verziert ist. Die Fassade weist eine reichhaltige Verzierung auf: Gesimse, Pilaster, Kapitelle und ein mächtiges Gesims am oberen Rand. Der Dachboden wird durch Dachgauben im Stil der Renaissance beleuchtet.
Der imposante Mittelbau erstreckt sich über fünf Stockwerke: die Kellerräume, einschließlich der ehemaligen Küchen und der Heizungsanlage; die Bel-Étage mit den Prunksälen und den Wohnräumen; das erste Obergeschoss mit einer kleinen Kapelle sowie mehreren Schlafzimmern mit eigenem Bad; das zweite Obergeschoss mit den Mansardenzimmern, die für das Personal bestimmt waren; die Dachböden mit den Holzbalken.
Mehrere Räume sind mit Buntglasfenstern geschmückt, die vom Glasermeister Julien-Léopold Lobin (1814–1864) oder von seinem Sohn Lucien-Léopold Lobin (1837–1892) angefertigt wurden.
Erhalten geblieben sind außerdem die Eingangstür, die monumentale Treppe, die Holzvertäfelungen und Türen, die geschnitzten Decken und Parkettböden in zahlreichen Räumen, die Fresken an den Wänden des Jagdsalons, die Kaminsimse im Obergeschoss, Parkett- und Fliesenböden, die Diensttreppe sowie die Dachstühle. Die Fassaden und Dächer sind im Allgemeinen in gutem Zustand geblieben.
Das Schloss wird von den Stadtentdeckern Poseidon genannt, nach der Skulptur, die die zentrale Treppe des Gebäudes schmückt. Die neuen Bewohner haben diesen Namen gewählt, um sich von den etwa zehn anderen französischen Schlössern und Gewerbestandorten zu unterscheiden, die den Namen Laborde trägen.
Das Restaurierungsprojekt umfasst neben dem Schloss auch den Bergfried der alten Burg, das Haus des Hausmeisters (aus dem Jahr 1960), das Eingangstor zum Anwesen und die Umfassungsmauer, den Park und den Wald, der sich über 15 Ha erstreckt, sowie eine Ruine im Wald und archäologische Überreste.
Restaurierung Das Schloss wurde im 2025 von einem kanadischen Ehepaar erworben, die beide im Alter von 35 Jahren waren. Dies waren Thomas Garneau-Bertrand, Versicherungsvertreter, und Damien Verhaegen, Händler für luxuriöse „Vintage“-Objekte und Accessoires. Sie zogen 2026 ein und wollen in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren das Schloss seinen früheren Glanz zurückzugeben. Sie wollen die Bel-Étage für Veranstaltungen nutzen und Zimmer als Ferienunterkünfte anbieten.
Von Juli 2025 bis Februar 2026 führten sie die vollständige Renovierung des Hausmeisterhauses durch, um es zu ihrem vorübergehenden Wohnsitz neben dem im Umbau befindlichen Schloss zu machen.
Anmerkungen
Siehe auch Liste von Burgen, Schlössern und Festungen im Département Indre
Literatur
.
Einzelnachweise
Valencay Val-Fouzon Kategorie:Bauwerk im Département Indre Kategorie:Neorenaissancebauwerk in Frankreich Kategorie:Val-Fouzon Kategorie:Erbaut 1863