Mukashi (Once Upon a Time) ist ein Musikalbum von Abdullah Ibrahim. Die im Herbst 2012 und im Frühjahr 2013 in den Hansahaus-Studios in Bonn entstandenen Aufnahmen erschienen am 25. Oktober 2013 auf Intuition Records.
Hintergrund Am Vorabend seines 80. Geburtstags und weniger als ein Jahr nach dem Tod seiner Frau, der Sängerin Sathima Bea Benjamin, legte der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim das Album Mukashi vor. Der Titel ist Japanisch und bedeutet „Es war einmal“, und das Album zeigt Ibrahim in einer unverkennbar nostalgischen Stimmung, geprägt von seiner langjährigen Faszination für die japanische Kultur, notierte Shaun Brady.
Die 16 kurzen Stücke des Albums sind für verschiedene Besetzungen mit dem Pianisten, dem Holzbläser Cleave Guyton und den Cellisten Eugen Bazijan und Scott Roller arrangiert. Einige Stücke sind komplett unbegleitet, andere beinhalten harmonisiertes Streichcello oder einen simulierten Pizzicato-Bass (ohne Angabe, wer welches Cello spielt). In einigen Nummern ist Guyton als Solist zu hören, der offenbar in den posthum gegründeten Basie- und Ellington-Bands (Ghost Bands) gespielt hat.
Titelliste Abdullah Ibrahim: Mukashi (Once Upon a Time) (Intuition Records – INT 3431 2) Mukashi 0:58 Dream Time 3:27 The Stars Will Remember (Don Pelosi, Leo Towers) 4:32 Serenity 3:56 Mississippi 4:35 Peace 4:15 Matzikama 4:31 Cara Mia (Bunny Lewis, Mantovani) 3:04 Root 3:37 Trace Elements for Monk 5:37 Krotoa: Crystal Clear 3:56 Krotoa: Devotion 1:51 Krotoa: Endurance 1:21 In the Evening 3:33 Essence 2:10 The Balance 4:38
Soweit nichts anderes angegeben, stammen die Kompositionen von Abdullah Ibrahim.
Rezeption Ibrahim habe mit diesem Album seine bisher schlichteste und nachdenklichste Sammlung von Songs veröffentlicht, meint Shaun Brady in JazzTimes. Ibrahim, der nie unnötige Gesten pflegte, würde hier mit der tiefgründigen Einfachheit und dem unverfälschten Ausdruck eines Zen-Kōans spielen. Der Pianist entdecke in dieser scheinbar begrenzten Palette einen reichen Schatz an Vielfalt. „Dream Time“ sei ein üppiges Kammermusikstück, während „Matzikama“ mit dem Kontrast von Dunkel und Licht spiele, Ibrahims bluesigem Klavier gegenüber Guytons hauchiger Flöte, einem tiefen, düsteren Cello gegenüber den schimmernden Höhen des anderen.
Ibrahim lasse seine Klassiker „Peace“ und „Serenity“ wieder aufleben und präsentiere Solo-Interpretationen der Standards „The Stars Will Remember“ und „Cara Mia“, ersteres mit diamantener Klarheit, letzteres mit der warmen Sanftheit eines Wiegenlieds, so Brady. „Trace Elements/For Monk“ lasse den Geist von Thelonious Monk stets präsent sein, und das stürmischere Solostück „Root“ sei von Anklängen an Kapstadt durchdrungen und würde die lange und bewegte Vergangenheit des ehemaligen Dollar Brand mit seinem Heimatland heraufbeschwören. Diese werde in der dreiteiligen Suite „Krotoa“ weiter erforscht, benannt nach einem Mädchen aus Kapstadt im 17. Jahrhundert, das zum ersten Mal Siedlern begegnete. Welchen Schmerz die Vergangenheit auch immer für Ibrahim bereithält, er würde mit der unbeschwerten Leichtigkeit von „The Balance“ schließen, das nur noch die leisesten Spuren bittersüßer Erinnerung in sich trage.
Dieses Album sei abwechselnd bezaubernd und verwirrend, meint Brian Priestley in Jazzwise. Guyton spiele Ensembleklarinette mit einem geradlinigen Ton und habe ein etwas störendes klassisches Vibrato bei notierten Flötenpassagen, überrasche dann aber mit leidenschaftlichen Improvisationen auf denselben Instrumenten. Ibrahim selbst zeige sich von seiner zurückhaltendsten und lyrischsten Seite, und einiges des Materials erinnere an frühere Werke. „Root“ beispielsweise sei eine verlangsamte, neu harmonisierte Version von „Mannenberg Revisited“, während ein weiteres bekanntes, umbenanntes Abdullah-Riff „Essence“ heißt, ebenso wie „Trace Elements for Monk“ (das übrigens mit einem Zitat aus „Honeysuckle Rose“ ende, das sowohl Monk als auch der junge Dollar Brand aufgenommen haben). Doch welche Bedeutung habe es, dass Abdullah eine dreiminütige Version von „Cara Mia“ spielt, einem Pop-Hit der 1950er-Jahre, der dem als Mantovani bekannten Orchesterleiter zugeschrieben werde, erschließe sich dem Rezensenten nicht.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 2013 Kategorie:Abdullah-Ibrahim-Album