Agnieszka Kurant (* 1978 in Łódź) eine polnische Konzept- und Installationskünstlerin, deren interdisziplinäres Werk kollektive und nichtmenschliche Intelligenz, unsichtbare Arbeit sowie die Ausbeutung sozialer Energie im digitalen Kapitalismus betrachtet. Sie arbeitet mit Skulptur, Installation, Film, künstlicher Intelligenz sowie biologischen und chemischen Prozessen und lebt in New York.
Leben Kurant wurde in Łódź geboren und studierte von 1997 bis 2002 Kunstgeschichte an der Universität Łódź, von 1998 bis 2001 Fotografie an der dortigen Filmhochschule sowie von 2002 bis 2003 Creative Curating am Goldsmiths College in London. Sie begann als Kuratorin; bereits das mit Matthew Copeland entwickelte Perfect Magazine (2002–2003), dessen Texte und Bilder weiß auf weiß gedruckt waren, überschritt die Grenze zwischen Ausstellung und eigenständigem Kunstwerk. Im Jahr 2010 gestaltete sie gemeinsam mit der Architektin Aleksandra Wasilkowska den polnischen Pavillon der Architekturbiennale von Venedig: Emergency Exit führte über eine Konstruktion aus gebrauchten Vogelkäfigen zu einem von künstlichen Wolken umgebenen Ausgang und entwarf eine imaginäre Flucht aus der Logik des Stadtraums. Kurant war 2018 Stipendiatin der Smithsonian Institution, von 2018 bis 2019 Gastkünstlerin am MIT Center for Art, Science & Technology und von 2019 bis 2021 Fellow am Berggruen Institute. Sie erhielt 2018 den Pollock-Krasner Award, 2019 den Frontier Art Prize und 2020 den LACMA Art + Technology Award.
Wirken Kurants Arbeiten stellen die Vorstellung individueller Autorenschaft infrage, indem sie Menschenmengen, Tiere, Mikroorganismen, Materialien und Algorithmen als Mitproduzenten unvorhersehbarer Formen einsetzen. Für Future Anterior (2007) ließ sie eine Hellseherin Nachrichten für eine Ausgabe der New York Times vom September 2020 vorhersagen, von Journalisten ausarbeiten und mit thermochromer Farbe drucken, sodass der Text abhängig von der Temperatur erscheint oder verschwindet. In Ready Unmade (2008) ließ sie drei Papageien das Bellen von Hunden erlernen und machte so sprachliche Nachahmung, kulturelle Mutation und die Instabilität von Kommunikation zum Material der Arbeit. Für die Werkgruppe A.A.I. ließ Kurant Termiten skulpturale Hügel errichten und verlagerte damit den Produktionsprozess auf eine nichtmenschliche Kolonie. In The End of Signature verschmolz sie mithilfe künstlicher Intelligenz zahlreiche Handschriften zu kollektiven Signaturen; Fassungen erschienen 2015 am Solomon R. Guggenheim Museum und 2021 bis 2022 als dauerhafte Installation am MIT. Die Serie Post-Fordite nutzt in stillgelegten Autofabriken schichtweise abgelagerte Lackreste als künstliches Gestein und zugleich als materielles Archiv industrieller Arbeit und wechselnder Konsumästhetik. Bei Alien Internet (2023) steuern weltweit erfasste Bewegungs- und Kommunikationsdaten von Tieren ein elektromagnetisches Feld, in dem sich Ferrofluid fortwährend verformt. Die Ausstellung Risk Landscape (2024) betrachtet mit künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und Katastrophenmodellen, wie mögliche politische, finanzielle und klimatische Zukünfte berechnet und ökonomisch verwertet werden, betonte aber zugleich deren grundsätzliche Unvorhersehbarkeit. In der Ausstellung Collective Intelligence (2025) führte Kurant diese Fragen mit wachsenden Metallsalzkristallen, einem lebenden Bonsai neben seiner algorithmisch vorausberechneten Form und aus Autolack entstandenen Mineralen weiter.
Einzelnachweise
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