Der Codex Einsidlensis 264 ist ein Codex aus der Mitte des neunten Jahrhunderts. Zu den Skriptoren gehört wohl der Mönch Subo im Kloster Disentis. Er enthält die angeblich von Clemens von Rom stammenden Recognitiones Clementis in der Übersetzung des Rufinus von Aquileia und wird durch die Stiftsbibliothek des Klosters Einsiedeln aufbewahrt.

Geschichte des Codex Ursprungsort des Manuskriptes ist die Abtei in Disentis. Aus dem Skriptorium der Abtei sind nur zwei Codices aus dem neunten Jahrhundert bekannt. Beide kamen vermutlich unter Abt Thüring nach Einsiedeln und erhielten dort ihre Ledereinbände. Ein Mönch namens Subo, der wohl von der Lombardei über den Lukmanier in die Surselva kam, kopierte um 830 den Codex Einsidlensis 126 und hinterliess sein Kolophon.Urban Affentranger: Mittelalterliche Buchkultur im Kloster Disentis. S. 194–196.«Svbo nomen meum libri huius grafius. qui legis memento mei | cum legeris» (Subo lautet mein Name, dieses Buches Schreiber. Leser, gedenke meiner, wenn du es gelesen hast).Odo Lang: Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Codex 126 (218). Beschreibung; abgerufen am 19. März 2026.

Der Codex 264 entstand etwa zwanzig Jahre später, seine churrätische bzw. karolingische Minuskel verweist nach Disentis. Der Schreibstil der ersten Hand ist mit dem des Schreibers Subo verwandtOdo Lang: Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Codex 264 (731). Beschreibung; abgerufen am 13. Juni 2026. und die dem 14. Jahrhundert angehörige Notiz «Monasterii Desertinensis, de vita sancti Clementis» auf dem Vorsatzblatt vermerkt die Disentiser Herkunft. Zahlreiche Einträge und Glossen des Heinrich von Ligerz belegen den frühen Zugang in Einsiedeln.Urban Affentranger: Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Cod. 264. In: Mittelalterliche Buchkultur im Kloster Disentis. S. 196–197.

Beschreibung des Codex Das Manuskript umfasst 177 Seiten in einem Format von 210 × 135 Millimetern. Beschreibstoff ist schönes, gut geglättetes, geschmeidiges und gelegentlich geflicktes Pergament von unterschiedlicher Qualität. Es ist gleichmässig gelblich, die Haarseite porig. Vor der Faltung wurden die Seiten mit einem Schriftraum von 150/160 × 110 (117) Millimetern eingerichtet. Dies erfolgte durch Rahmen und Linierung mit einem Griffel. Die Zirkellöcher sind teilweise erhalten.

Der Text ist einspaltig zu 18 bis 19 Zeilen von mehreren Schreiberhänden mit dunkelbrauner bis schwarzer Tinte geschrieben. Schrift ist eine churrätische bzw. karolingische Minuskel. Es sind zwei Schreibstile feststellbar, der erste ist mit dem Schreiber Subo des Codex 126 verwandt, der zweite ist sehr schmal und schwunglos.

Zum Buchschmuck gehören gelb überstrichene Überschriften in Tinte Capitalis, sowie einige «unscheinbare» farbige Initialen, teilweise mit Flechtmustern: (62verso) A(d haec), (87recto) I(nterea), (142verso) P(ostea). Zur weiteren Zierde gehören zahlreiche «ungelenke» Zeichnungen in Tinte am Rand des Codex, die Tiere, Vögel, Menschen, Köpfe usw. darstellen. Schreibstil, Orthografie, die Art der Initialen und die Verwendung von Flechtwerk deuten auf das gleiche Skriptorium des Codex 126, insbesondere auf den Disentiser Schreiber Subo hin, der etwa zwanzig Jahre später sorgfältiger und schöner schreibt.

Der «Einsiedler Ledereinband» hat zwei abgekantete Holzdeckel, die mit grauweissem, abgeschabten Schafleder bezogen wurden. Das Leder des Einbands wurde eingeweicht und durch Streicheisen diagonal mit Linien verziert. Der Einband hat drei erhabene Doppelbünde sowie oben und unten zweifarbiges, geflochtenes Kapitalband. Die Leder-Metall-Schliesse wurde im 20. Jahrhundert restauriert. Der braune Lederrücken ist modern. Auf den Seiten Iverso bzw. 1recto sind die beiden Einsiedler Bibliothekssignaturen des 17. Jahrhunderts «IV.4.» bzw. «4. Numero 64. B. V. Einsidlensis» eingetragen.

Inhalt Der Codex enthält die «Recognitiones Clementis», einen altchristlichen Roman des vierten Jahrhunderts. Von den neun Büchern fehlen die Bücher IV–VI. Der Text des achten Buchs endet in Kapitel XXVI, am Schluss des neunten Buchs fehlen einige Sätze: 1r: Incipit prologus Rufini. 2v: Explicit prologus. Incipit liber primus recognitionum sancti Clementis. 49r: Finit liber primus. Incipit secundus. 62v: Prima disputatio inter petrum et simonem. 87r: Finit liber secundus. Incipit liber tercius. 125v: Explicit liber tertius. – Es fehlen die Bücher IV–VI. 126r: Incipit liber septimus< 142v: Finit liber septimus. Incipit liber octauus. – Es fehlen mehrere Kapitel. 158r: Incipit liber VIIII 176v: … Petro autem requirente catenarum sermonumque eius causam parentes (Textabbruch). – Es fehlen einige Sätze.

Siehe auch Codex Sangallensis 403, Breviarium Disertinense; Sammelhandschrift aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Literatur Urban Affentranger: Mittelalterliche Buchkultur im Kloster Disentis. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, Band 127 (2016). S. 191–200. Iso Müller: Disentiser Initialkunst des 9. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Band 30 (1973). S. 101–110, Abb. 1–14.

Weblinks Codex 264 (731). Online-Version auf e-codices. Odo Lang: Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Codex 264 (731). Beschreibung für e-codices, 2012.

Belege und Anmerkungen

Kategorie:Handschrift der Stiftsbibliothek Einsiedeln Kategorie:Kloster Disentis Kategorie:Literatur (Mittellatein) Kategorie:Handschrift (9. Jahrhundert) Kategorie:Clemens von Rom