Wolfgang Marti (* 3. August 1928; † 8. Oktober 2019) war ein Schweizer Industriemanager.
Ausbildung und Karriere Wolfgang Marti studierte Elektroingenieurwesen an der ETH Zürich. Er arbeitete zunächst bis 1954 als Assistent am Lehrstuhl für Energiewirtschaft und wechselte dann in die freie Wirtschaft zum Schweizer Elektrotechnikkonzern Brown, Boveri & Cie.
Hasler Bern und Ascom 1965 wurde Marti in den Verwaltungsrat der neu gegründeten Hasler Installations-AG berufenKonzentration in der französischen Haushaltapparateindustrie. Neue Zürcher Zeitung, Nummer 4306, 15. Oktober 1965, Ausgabe 2 und war ab 1970 Delegierter des Verwaltungsrates.Extrait de la Feuille officielle suisse. FAN - L’express, 20. Oktober 1970 Im August 1981 stieg er zum Vizepräsidenten und Verwaltungsrat-Delegierten der Hassler Holding AG auf.Ernennungen bei Hasler. Der Bund, Band 132, Nummer 187, 13. August 1981 Nach dem Scheitern des PTT-Projekts zur Entwicklung eines Integrierten Fernmeldesystems, bei dem Hasler federführend beteiligt war, leitete Marti eine Kooperation mit Ericsson zur Entwicklung eines marktreifen Systems in der Schweiz ein.
Nach der Fusion der Hasler Holding mit Autophon und Zellweger Telecommunications zum grössten privaten Telekommunikationsanbieter der Schweiz, der Ascom Holding AG, wurde Marti im Mai 1987 auch Vizepräsident des Verwaltungsrates des neuen Unternehmens.Fusion bald erledigt. Neue Zürcher Nachrichten, Nummer 109, 13. Mai 1987
Weitere Positionen 1984 bis 1992 war Marti Verwaltungsrat der Sulzer AGGeneralversammlungen. Neue Zürcher Zeitung, Nummer 108, 10. Mai 1984Neue Verwaltungsräte. Der Bund, Band 143, Nummer 136, 13. Juni 1992 und im Bankrat der Berner Kantonalbank.
Funktionär in Wirtschaftsverbänden Marti war langjähriger Funktionär im Verein Schweizerischer Maschinen-Industrieller (VSM), der wirtschaftspolitischen Vertretung des bedeutendsten Schweizer Industriezweigs. Seit 1973 Mitglied des Vorstands und seit 1976 im leitenden Ausschuss des Vorstands wurde er 1985 zum Präsidenten des VSM berufen und übernahm das Amt auf der folgenden Generalversammlung am 3. Juli 1986. Im September 1986 wurde Marti daraufhin als Vertreter der Maschinen- und Metallindustrie in die Präsidialbehörde (Vorort) des Schweizerischen Handels- und Industrieverein gewählt und zudem Mitglied der Schweizerischen Handelskammer.
VSM-Präsidentschaft Die Wahl des in der Telekommunikation tätigen Berners Wolfgang Marti zum VSM-Präsidenten wurde als ungewöhnlich bewertet. Er verstand sich als Vertreter der gesamten Maschinenindustrie, betonte jedoch die steigende Bedeutung der Telekommunikation als Schlüsselindustrie. Er befürwortete ein Monopol der PTT für Netze, Erstanschlüsse und Hauszentralen und warnte vor einer Verschmelzung von Telekommunikation- und Computerunternehmen, diese könne "zu einer internationalen Machtzusammenballung führen, welche die Kunden nur noch nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten einteilen und ein Supermonopol heraufbeschwören würde, welches viel schlimmer wäre als die heute oft kritisierten nationalen PTT-Monopole."Hans Galli: Wolfgang Marti Direktionspräsident der Hasler AG in Bern wird neuer Präsident des Vereins schweizerischer Maschinenindustrieller (VSM). Der Bund, Band 137, Nummer 151, 2. Juli 1986
Während seiner Präsidentschaft sprach sich Marti wiederholt für eine stärkere Integration der Schweiz in den Europäischen Wirtschaftsraum und die Europäische Gemeinschaft (EG) aus. Er warnte vor einem "Inseldasein" der Schweiz in einem von der EG dominierten Europa. Schweizer Sonderwege abseits europäischer Standards seien hinderlich und eine Vollbeteiligung der Schweiz an Technologieforschungsprogrammen der EG notwendig.Isolation. Der Bund, Band 138, Nummer 192, 19. August 1987Am EG-Binnenmarkt teilhaben.Der Bund, Band 141, Nummer 144, 23. Juni 1990Getrübte Aussichten und klare Forderungen. SMUV-Zeitung, Band 90, Nummer 18, 1. Mai 1991
1991 wurde Marti als VSM-Präsident von ABB-Chef Thomas P. Gasser abgelöst.
Omni-Skandal Wolfgang Marti wurde 1988 in den Verwaltungsrat der Omni Holding, einem Beteiligungsunternehmen unter Leitung von Werner K. Rey, berufen, das einen starken Wachstums- und Expansionkurs verfolgte.Rey hat grosse Pläne mit der Omni Holding in Bern. Der Bund, Band 139, Nummer 149, 29. Juni 1988 Marti galt als "Rey-Fan", dessen Name und Position dem Finanzspekulanten den Anschein der Rechtschaffenheit verlieh. Bereits beim Börsengang der Omni bestanden Zweifel an der Solidität des Konzepts und der Liquidität der Gesellschaft. Marti wurde zu den "Koryphäen der Schweizer Wirtschaft" gezählt, die die Geschicke des grössten Schweizer Maschinenbauunternehmens bestimmten. 1991 brach das komplexe Firmengeflecht zusammen, die Holding hatte bis dahin Schulden in Höhe von ca. 2,5 Milliarden Schweizer Franken angehäuft, darunter auch über 100 Millionen Franken Verbindlichkeiten bei der Berner Kantonalbank, für die Marti gleichzeitig als Bankrat fungierte.Hiobsbotschaft für die Omni-Aktionäre. Neue Zürcher Zeitung, Nummer 203, 3. September 1991 Marti verteidigte Rey öffentlich: Er habe nicht den Eindruck, dass bei der Omni "etwas Inkorrektes" vor sich gehe. Stattdessen wies er den Medien, deren "leichtfertige Äusserungen" die Mittelbeschaffung erschweren würden, eine Mitschuld an den finanziellen Schwierigkeiten zu. Willi Wullschleger nannte Marti daraufhin im Satire-Magazin Nebelspalter als Beispiel eines "bühnenreifen Schauspielers" im Verwaltungsrat, der behaupte, dass er seit "Jahren im obersten Firmengremium gesessen, aber von dubiosen Interna schlicht nichts mitbekommen habe."
Ein Ermittlungsbericht des ehemaligen Solothurner Regierungsrates Alfred Rötheli im Auftrag der Kantonsregierung konnte zwar kein mutwilliges Fehlverhalten der Mitglieder des Bankrates feststellen, dennoch trat Marti in Folge der Affäre im Oktober 1991 von seinem Amt zurück.Marti demissioniert. Der Bund, Band 142, Nummer 231, 3. Oktober 1991Verkleinerter Bankrat der Berner Kantonalbank - Eine Folge der Omni-Affäre. Neue Zürcher Zeitung, Nummer 38, 15. Februar 1992 Auch aus dem Ascom-Verwaltungsrat zog sich Marti zurück.Gewichtige Wechsel im Verwaltungsrat. Der Bund, Band 143, Nummer 122, 26. Mai 1992
Dem Zusammenbruch der Omni folgte das grösste Verfahren der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Rey wurden Veruntreuung und unredliche Geschäftsführung vorgeworfen und auch Wolfgang Marti und andere Mitglieder des Verwaltungsrates sahen sich daraufhin sowohl möglichen Strafprozessen wie auch zivilrechtlichen Schadensersatzforderungen aufgrund "leichtfertiger und unredlicher Handlungen" gegenüber.Liquidator der Omni Holding kündigt Strafanzeige an. Thuner Tagblatt, Band 115, Nummer 275, 25. November 1991Omni/Liquidatorin stellte Forderungen. Der Bund, Band 145, Nummer 207, 6. September 1994 Die Aufarbeitung der Omni-Insolvenz beschäftigte die Gerichte jahrelang, erst 1997 einigten sich Marti und Hans Herzig, ein weiterer ehemaliger Verwaltungsrat, mit den Liquidatoren der Omni Holding abschliessend auf eine gemeinsame Vergleichszahlung von 750.000 SFR. Die Liquidationsverfahren insgesamt endeten erst im Jahr 2013.
Einzelnachweise
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