Die Tour de Suisse Women 2026 war ein Etappenrennen für Frauen, das vom 17. bis 21. Juni stattfand und zur UCI Women’s WorldTour 2026 zählte. Es spielte sich hauptsächlich in der Schweiz, aber auch in Italien und Liechtenstein ab.
Das Rennen wurde nach einem neuen Konzept ausgetragen. Alle Etappen waren als Rundkurs gestaltet und wurden am selben Tag wie die Tour de Suisse 2026 der Männer ausgetragen. In diesem Zuge wurde das Frauenrennen auf fünf Tage verlängert. Bis auf im Zeitfahren wurden in allen Etappen zwei Zwischensprints innerhalb eines Kilometers durchgeführt, bei denen es Bonussekunden für das Gesamtklassement gab.
Streckenführung
Die erste Etappe fand im italienischen Veltlin statt. Sie durchlief die Talschaft von Sondrio nach Morbegno und zurück. Der Rückweg enthielt einige Bergwertungen am Talrand, die letzte davon fünf Kilometer vor dem Ziel.
Die zweite Etappe spielte sich im Tessin ab. Vom Start in Locarno ging es talaufwärts über Biasca ins untere Bleniotal und auf demselben Wege zurück. Kurz vor dem Ziel in Locarno wurden zwei kleinere Bergwertungen absolviert.
Die dritte Etappe begann und endete in Bad Ragaz. Sie verlief im Alpenrheintal bis nach Altstätten und zurück. Auf dem Hinweg wurde über den St. Luzisteig der liechtensteinische Ort Balzers erreicht, abgesehen davon war die Etappe nahezu flach. Die Rückkehr nach Bad Ragaz erfolgte über Sargans.
Bei der vierten Etappe handelte es sich um ein Einzelzeitfahren mit flachem Profil. Start und Ziel waren im Zentrum von Aarburg, der Parcours verlief von dort über Neuendorf und zurück.
Die fünfte und für das Gesamtklassement wichtigste Etappe durchquerte das südliche Waadtland. Sie bestand aus zwei Runden auf einer etwa 50 km langen Schleife. Vom Start in Villars-sur-Ollon ging es über den Col de la Croix nach Les Diablerets, von dort entlang des Flusses Grande Eau nach Aigle und wieder hinauf nach Villars.
Rennverlauf
1. Etappe
In der flachen ersten Etappenhälfte blieb das Peloton weitgehend zusammen, bevor es in der hügligeren zweiten Hälfte in zahlreiche Gruppen zerfiel. Auf Initiative von Franziska Koch bildete sich zunächst eine 12-köpfige Spitzengruppe, aus der heraus sich 30 km vor dem Ziel Urška Žigart, Lauren Dickson und Femke de Vries absetzten. Žigart fiel alsbald zurück, die beiden anderen hielten einen Vorsprung von rund einer Minute auf die folgende Gruppe mit den meisten Favoritinnen für den Gesamtsieg. Zurück in Sondrio gewann de Vries den Zielsprint vor Dickson, Dritte wurde Cédrine Kerbaol, die die übrigen Verfolgerinnen in der letzten Abfahrt distanziert hatte.
2. Etappe
Erst nach einer Stunde bildete sich mit Carlotta Cipressi und Margot Vanpachtenbeke ein Spitzenduo; die beiden wurden zu Beginn der Schlussphase eingeholt. Auf dem ersten der beiden Schlussanstiege zog sich das Feld auseinander, und einer Attacke von Katarzyna Niewiadoma folgten Marlen Reusser, Elisa Longo Borghini, Femke de Vries, Sarah Van Dam sowie Steffi Häberlin. Während de Vries und Häberlin bald den Anschluss verloren, setzte sich Longo Borghini auf dem zweiten Anstieg allein ab und gewann souverän die Etappe. Reusser und Niewiadoma verpassten kurz vor dem Ziel einen Abzweig und verloren so nochmals rund 20 Sekunden.
3. Etappe
Im Gegensatz zu den beiden ersten Etappen bildete sich eine umfangreiche und gut besetzte Spitzengruppe mit acht Fahrerinnen, darunter Kim Le Court und Juliette Berthet. Da diese eine Bedrohung für das Gesamtklassement bedeuteten, erhielt die Gruppe freilich nie viel Vorsprung vom Hauptfeld, das diesen Versuch 15 km vor dem Ziel wieder beendete. Am Ziel in Bad Ragaz überraschte Zoe Bäckstedt die übrigen Sprinterinnen mit einem Antritt 300 m vor dem Ziel und siegte vor Lily Williams und Shari Bossuyt.
4. Etappe
Im Zeitfahren rund um Aarburg wurde Weltmeisterin Marlen Reusser ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann vor Zoe Bäckstedt, der U23-Weltmeisterin dieser Disziplin. Reusser machte etwas über eine Minute auf Elisa Longo Borghini gut und führte nun um zehn Sekunden das Gesamtklassement an.
5. Etappe
Vom Start in Villars ging es direkt in den Anstieg zum Col de la Croix, der das Feld dezimierte. Megan Arens kam als erste über die Passhöhe. Auf der Abfahrt setzte sich Franziska Koch an die Spitze des Rennens. Sie erreichte den Beginn des zweiten Anstiegs mit zweieinhalb Minuten Vorsprung auf die Favoritengruppe. Auf diesem Anstieg bemühte sich Elisa Longo Borghini mit ihrem Team, Marlen Reusser unter Druck zu setzen, fiel aber einer Gegenattacke durch Femke de Vries zum Opfer, die neben Reusser und Arens noch Katarzyna Niewiadoma und Cédrine Kerbaol mitgingen. Diese fünf Fahrerinnen überholten Koch und führten nun das Rennen an.
Arens konnte kurz vor der Passhöhe nicht mehr das Tempo halten, und de Vries fiel zurück, nachdem sie ihren Sieg in der Bergwertung abgesichert hatte. Anderthalb Minuten dahinter rang Longo Borghini an der Spitze einer kleinen Verfolgergruppe um Anschluss. Zu Beginn des Schlussanstiegs nach Villars setzte sich Kim Le Court aus dieser Verfolgergruppe ab, fand aber keinen Anschluss mehr zur Spitzengruppe. Reusser distanzierte ihre Weggefährtinnen auf dem Schlusskilometer und gewann die Etappe, Longo Borghini, die ihre Kräfte erschöpft hatte, verlor am Ende zehn Minuten. Auch sonst waren die Zeitabstände gewaltig, viele Fahrerinnen hatten unterwegs aufgegeben oder fielen aus dem Zeitlimit, nur 62 wurden am Ende klassiert.
Die Zeitabstände der Schlussetappe bestimmten weitgehend das Gesamtklassement. Reusser gewann die Rundfahrt nach 2023 und 2025 zum dritten Mal und führte zugleich die Punktewertung an. Kerbaol als Zweitplatzierte war zugleich die beste Nachwuchsfahrerin, de Vries gewann das Bergklassement. In der Mannschaftswertung wurde AG Insurance-Soudal ausgezeichnet.
Gesamtwertung
Teilnehmende Teams
Weblinks
Website des Veranstalters (deutsch/englisch/französisch)
Parcours auf La Flamme Rouge
Einzelnachweise
#2026 Kategorie:Radrennen 2026