Der Weltjugendtag 1985 war ein zweitägiges internationales Jugendtreffen der katholischen Kirche, das Papst Johannes Paul II. am 30. und 31. März 1985 in Rom im Kontext des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahres der Jugend abhielt. Es gilt als Gründungsereignis der institutionalisierten Weltjugendtage, deren regelmäßige Abhaltung Johannes Paul II. noch im selben Jahr offiziell ankündigte.

Vorgeschichte Dem Jugendtreffen von 1985 ging ein erstes großes internationales Jugendtreffen im „Heiligen Jahr der Erlösung“ (1983/84) voraus. Am 14. April 1984 sprach Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz zu den versammelten Jugendlichen und bezeichnete die Begegnung als „eine großartige und tröstliche Erfahrung der Zusammengehörigkeit, der Brüderlichkeit und des Mutes zum offenen Bekenntnis des Glaubens“. Dieses Heilige Jahr erinnerte nach kirchlicher Zählung an 1950 Jahre seit Kreuzigung, Tod und Auferstehung Jesu.

Die Vereinten Nationen hatten das Jahr 1985 zum „Internationalen Jahr der Jugend“ erklärt, was nach Darstellung von Bischof Josef Clemens einen weiteren Anstoß für das Treffen bildete. Aus diesem Anlass verfasste Johannes Paul II. ein an die Jugend gerichtetes Schreiben und beauftragte den Päpstlichen Laienrat mit der Organisation eines zweitägigen Jugendtreffens in Rom.

Verlauf mini|Petersplatz und Via della Conciliazione von der Kuppel des Petersdoms aus gesehen, Prozessions- und Veranstaltungsort des Weltjugendtages 1985 Das Treffen fand am 30. und 31. März 1985 in Rom statt. Am Nachmittag des 30. März versammelten sich Jugendliche aus rund 70 Ländern auf der Piazza di San Giovanni in Laterano zur Auftaktbegegnung mit Johannes Paul II. In seiner Ansprache griff der Papst die von den Vereinten Nationen für das Internationale Jahr der Jugend gesetzten Leitworte „Partizipation, Entwicklung, Frieden“ auf und stellte den Begriff der Partizipation in den Mittelpunkt. Er richtete mehrsprachige Grußworte an die nach Sprach- und Herkunftsgruppen versammelten Teilnehmer aus Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien sowie an die anwesenden Delegationen der Vereinten Nationen und der UNESCO. Die Nacht verbrachten die Jugendlichen in gemeinsamem Gebet.

Am Morgen des 31. März 1985, dem Palmsonntag, formierten sich die Teilnehmer zu einer Prozession über die Via della Conciliazione und zogen gemeinsam zum Petersplatz weiter. Dort feierte Johannes Paul II. die Palmsonntagsliturgie und verkündete „überraschend“ das Apostolische Schreiben Dilecti amici an die Jugendlichen der Welt. Zum Abschluss lud er zu einem erneuten Treffen im darauffolgenden Jahr ein.

Zu den Teilnehmerzahlen liegen unterschiedliche Angaben vor. Vatican News und der National Catholic Reporter nennen rund 250.000 Jugendliche. Die Schönstattbewegung gibt rund 300.000 an. Die Römische Kurie hatte ursprünglich mit 60.000 Pilgern gerechnet. United Press International hatte im Vorfeld etwa 150.000 Teilnehmer aus mehr als 60 Nationen erwartet.

Apostolisches Schreiben Dilecti amici mini|hochkant|Papst Johannes Paul II. (1985) Aus Anlass des Internationalen Jahres der Jugend richtete Johannes Paul II. ein Apostolisches Schreiben an „die Jugendlichen in der Welt“. Das Schreiben trägt den lateinischen Titel Dilecti amici und wurde auf den 31. März 1985, den Palmsonntag, datiert. Es wurde in verschiedenen Sprachen an die katholischen Bischöfe weltweit versandt.

In dem Schreiben wandte sich der Papst gegen Tendenzen, die seiner Darstellung nach allein die materielle Wirklichkeit berücksichtigten, und bezeichnete das Gewissen als „die wichtigste Dimension von Zeit und Geschichte“. Er thematisierte den Missbrauch von Werbetechniken sowie einen damit verbundenen Konsumismus. Unter Bezugnahme auf seine Botschaft zum Weltfriedenstag vom 1. Januar nannte er Versuchungen wie Alkohol, Drogen, kurzlebige sexuelle Beziehungen ohne Bindung an Ehe und Familie, Gleichgültigkeit, Zynismus und Gewalt. Ferner äußerte er sich zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und bezeichnete Arbeit als Menschenrecht.

Dasselbe Schreiben verweist auf einen am gleichen Tag veröffentlichten Gründonnerstagsbrief des Papstes an die katholischen Priester verwiesen, in dem diese aufgefordert wurden, für die besonderen Bedürfnisse der jungen Menschen empfänglich zu sein.

Einrichtung der Weltjugendtage In seiner Osterbotschaft Urbi et orbi am Ostersonntag 1985 nahm Johannes Paul II. auf das Treffen Bezug und erklärte, er sei „am vergangenen Sonntag mit hunderttausenden von Jugendlichen“ zusammengetroffen. Er äußerte den Wunsch, dass eine solche Begegnung zu einer Dauereinrichtung werde. Bischof Josef Clemens bestätigte in einem Interview mit Radio Vatikan, der Erfolg des Treffens von 1985 habe den Papst darin bestärkt, daraus eine regelmäßige Veranstaltung zu machen.

Am 20. Dezember 1985 kündigte Johannes Paul II. die Einrichtung des Weltjugendtages an. Er verkündete lokale Feiern auf diözesaner Ebene, jeweils am Palmsonntag, beginnend im Jahr 1986. Der erste so bezeichnete „Weltjugendtag“ wurde am 23. März 1986 begangen.

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