Joseph Marie Inguimberty (* 18. Januar 1896 in Marseille; † 8. Oktober 1971 in Menton) war ein französischer Maler. Er wurde vor allem durch seine zwanzigjährige Lehrtätigkeit an der École des beaux-arts de l'Indochine (heute: École des beaux-arts du Vietnam) in Hanoi sowie durch seine Malerei, die sich mit Themen aus der Provence und Indochina befasst, bekannt.
Frühe Jahre Joseph Inguimberty begann seine künstlerische Ausbildung im Jahr 1910 an der École supérieure des beaux-arts de Marseille, die damals unter der Leitung des Malers Alphonse Moutte stand. 1913 wurde er an der École nationale supérieure des Arts Décoratifs in Paris aufgenommen. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine Studien: Als Infanterist eingezogen, wurde er 1917 bei Reims verwundet. Nach dem Waffenstillstand setzte er seine Ausbildung im Atelier von Eugène Morand fort, wo er gemeinsam mit Maurice Brianchon, Raymond Legueult und Roland Oudot arbeitete. 1920 erhielt er ein Reisestipendium, das ihn unter anderem nach Belgien führte, wo er Szenen aus der Arbeitswelt festhielt. Im Jahr 1922 wurde ihm der Prix Blumenthal verliehen. Nach seiner Rückkehr nach Marseille schuf Inguimberty zwischen 1922 und 1924 drei großformatige Gemälde, die als Triptychon die Hafenarbeit am Quai de la Joliette zeigen. Es handelt sich dabei um die Werke Le débarquement des arachides (1922), Le débarquement du plâtre (1923) und Marseille (1924). Diese Werke befinden sich heute im Musée d’Histoire de Marseille.
Indochina (1925–1945) 1925 übernahm Inguimberty die Leitung der Malereiabteilung an der von Victor Tardieu gegründeten École des beaux-arts de l’Indochine (EBAI) in Hanoi, wo er bis 1945 lehrte. Die Schule bildete mehrere Generationen vietnamesischer Künstler in westlichen Techniken aus und legte damit den Grundstein für eine eigenständige, moderne vietnamesische Malerei. Zu Inguimbertys Schülern zählten bedeutende Vertreter der sogenannten École de Hanoï, darunter Lê Phổ, Mai Trung Thu und Nguyễn Phan Chánh.
Neben der Ölmalerei förderte Inguimberty gemeinsam mit der Malerin Alix Aymé die Lackmalerei (peinture sur laque) als eigenständige Kunstgattung und richtete an der EBAI eine eigene Laque-Abteilung ein. Er ermunterte seine Studierenden ausdrücklich zur Auseinandersetzung mit dieser traditionellen vietnamesischen Technik.
1929 fand in den Räumen der Imprimerie d'Extrême-Orient in Hanoi seine erste Einzelausstellung statt. Unter dem Titel Paysages et figures du delta tonkinois wurden rund dreißig Werke gezeigt. Die Zentralregierung Indochinas erwarb bei dieser Gelegenheit mehrere Gemälde. 1931 beteiligte er sich mit drei großen Leinwänden, die Szenen des tonkinischen Alltags darstellen, an der Exposition coloniale in Vincennes.
Wirken nach 1945 Nach Kriegsende kehrte Inguimberty nach Frankreich zurück und lebte fortan vorwiegend in der Provence und an der Côte d’Azur, bevor er in Menton starb. In seinen Provence-Darstellungen sind stilistische Einflüsse aus seiner Zeit in Indochina erkennbar: eine flächige Farbauftragung, die Kontrastierung von Farben zur Raumbildung sowie eine ausgeprägte Lichtsensibilität. 1952 fand in der Galerie Moullot in Marseille seine einzige Einzelausstellung in der Heimatstadt statt. In Paris wurden seine Werke regelmäßig in den Galerien Charpentier und Romanet gezeigt.
Werk Inguimbertys Œuvre gliedert sich in zwei thematische Hauptbereiche: Marseille und die Provence einerseits sowie Indochina andererseits. Zu seinen frühen Hauptwerken gehören die Hafen-Kompositionen der frühen 1920er Jahre. In Indochina malte er vorwiegend Reisfeldarbeiter, Fischerinnen, Wasserträgerinnen sowie Szenen des bäuerlichen Alltags im Tonkin. Seine Farbgebung und Flächenbehandlung zeugen von der Auseinandersetzung mit östlichen Kunsttraditionen, die er in seine westliche Technik integrierte.
Werke Inguimbertys befinden sich unter anderem im Musée des Beaux-Arts de Marseille, im Musée d'Histoire de Marseille, im Musée National d’Art Moderne, im Centre Georges-Pompidou und im Musée du quai Branly, alle in Paris.
Ausstellungen (Auswahl) Joseph Inguimberty beteiligte sich ab 1925 regelmäßig am Salon des Tuileries in Paris sowie am Salon d’Automne. Er nahm an der Exposition coloniale de Vincennes (1931) teil. Posthume Ausstellungen: 2012 widmete die Galerie Alexis Pentcheff in Marseille ihm eine umfangreiche Retrospektive mit dem Titel Le Sud de Joseph Inguimberty. 2017 zeigte das Musée Regards de Provence in Marseille eine Ausstellung mit rund achtzig Werken unter dem Titel Poésie de Joseph Inguimberty.
Rezeption In Vietnam gilt Inguimberty als eine der Schlüsselfiguren der modernen Kunstgeschichte des Landes, insbesondere aufgrund seiner Förderung der Lackmalerei und seines Einflusses auf die Schülergeneration der École de Hanoï. In Frankreich, insbesondere in der provenzalischen Kunstszene, war er zu Lebzeiten vergleichsweise wenig bekannt.
Literatur René Édouard-Joseph: Dictionnaire biographique des artistes contemporains, 1910–1930. Band 2. Art et Édition, Paris 1931.
Nora A. Taylor: Painters in Hanoi. An Ethnography of Vietnamese Art. University of Hawai’i Press, Honolulu 2004. Flora Blanchon: Banquier, savant, artiste. Présences françaises en Extrême-Orient au XXe siècle. Presses de l’Université Paris-Sorbonne, Paris 2005. Giulia Pentcheff: Joseph Inguimberty (1896–1971). Premier catalogue de l’œuvre peint. Galerie Alexis Pentcheff, Marseille 2012. Phan Lê Chí: Laque et modernité : Inguimberty, l’École des Beaux-Arts de l’Indochine et les premiers laqueurs vietnamiens. In: Revue de l’Art. Nr. 199, 2018, S. 57–68.
Weblinks Quang San Art Museum Poesie de Joseph Inguimberty 1896–1971: Musée Regards de Provence Marseille
Einzelnachweise
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