Donzela Guerreira (portugiesisch für: Kämpferische Dame, englischer Titel: Damsel Warrior) ist ein Spielfilm der portugiesischen Regisseurin Marta Pessoa aus dem Jahr 2020.

Der poetische und ruhige, von langen Einstellungen und historischen Fotos geprägte Film wurde teils in Farbe und teils schwarzweiß gedreht und orientiert sich an literarischen Motiven aus Werken von Maria Judite de Carvalho und Irene Lisboa.Donzela Guerreira, Klappentext und Cover/Backcover der DVD, Três Vinténs, Lissabon 2021

Handlung Lissabon im Jahr 1959 ist eine Stadt, in der die Frauen auf sich und auf andere Frauen schauen, die ihnen gesellschaftlich zugewiesenen Plätze einnehmen und von der Stille umgeben sind, die ihnen diese gesellschaftlichen Plätze zuweist. Die Schriftstellerin Emília Monforte will sich diesen immer stärker einengenden gesellschaftlichen Zwängen entziehen, diesen von außen vorgegebenen, aufgesetzten Schönheitsidealen und dem unhinterfragten Ideal einer perfekten Frau, mit den gänzlich oberflächlichen äußeren Anforderungen an Kleidung und Floskeln und der Erfüllung aller Wünsche allein durch das Erreichen einer Stellung als Ehefrau eines wohlhabenden und angesehenen Ehemanns. Modernität beschränkt sich auf Kleider oder Möbel, die, gleichwohl schön anzusehen, leblos und inhaltsleer bleiben.

Emília Monforte, inzwischen 36 Jahre alt, ist eingeladen zu einer von einer Frau moderierten Kultursendung für Frauen des staatlichen Radiosenders Emissora Nacional, nachdem sie inzwischen erste Beachtung als Autorin gefunden hat. Sie erinnert sich nun an ihre persönliche Entwicklung und die Entwicklung der Stadt. Als nach dem frühen Tod ihrer Mutter später auch ihr Vater stirbt, und das Erbe danach nicht zum Erhalt des gemieteten Elternhauses reicht, zieht sie als Untermieterin in ein kleines Zimmer. Ihr gefällt die reduzierte Zweckmäßigkeit des spartanischen Hinterhofzimmers, in dem sie sich der Selbstreflexion und dem ungestörten Schreiben widmen kann. Ein historisches Foto von Alexandre Herculano in lässiger Pose hängt an ihrer Wand, weil das Bild sie an ihren Vater erinnert. Sie muss aber feststellen, dass sie seine Bücher inzwischen gar nicht mehr mag, die seines Freundes Almeida Garrett nur noch stellenweise. Sie hat sich von ihren Blickwinkeln und entsprechenden Erzählmustern weg entwickelt.

Emília sieht sich nicht wie eine typische Frau ihrer Zeit und zieht still und heimlich immer weiter in den Abwehrkampf gegen die sie einengenden Verhältnisse. Sie kreiert im Inneren die vage Figur einer kämpferischen Dame (Donzela Guerreira), ausgehend von literarischen Figuren der beiden ebenfalls in diesem Lissabon lebenden Autorinnen Maria Judite de Carvalho und Irene Lisboa. Durch die Augen und die Stimme Emílias durchstreift der Zuschauer die Straßen der alten Stadt, zwischen vielen historischen Aufnahmen von Straßenszenen Lissabons und entsprechend nostalgischen Liedern einerseits und Emílias Wahrnehmungen, subjektiven Erinnerungen und ihren wachen Gedanken in einer einschläfernd-starren Stadt andererseits hindurch. Sie sinniert über ihre nach des Vaters Tod gesunkene soziale Stellung, die die herrschenden Höflichkeiten nur oberflächlich übertünchen, denkt über die kleingeistigen Träume und Wünsche der Hausangestellten und der sämtlich ledigen Verkäuferinnen in den Geschäften nach, und trauert alten, vertrauten Gebäuden und Straßen nach, die ihren Charakter verändern und im sich entwickelnden Lissabon dem Fortschritt und der zunehmenden Konsumgesellschaft weichen und für immer verschwinden. Sie geht still beobachtend durch die Straßen ihrer Stadt, sieht sehr vertraute Gesichtszüge in völlig unbekannten Personen, und schreibt ihrem verstorbenen Vater Briefe und sendet ihm ihre Bücher, auf Antworten wartend, da er in ihrer Wahrnehmung lebendig ist und sie seine Meinung möchte. Ihr toter Vater ist für Emília so lebendig wie die Neptun-Statue, die von ihrem alltäglich passierten Platz Praça do Chile im Rahmen einer modernen Umgestaltung entfernt und an den kleineren und lauteren Largo de Dona Estefânia versetzt wurde, und woher Emília seither immer wieder ihre Wege führt, um den beleidigten Neptun zu unterstützen.

Am Ende des Radiointerviews verabschiedet sie sich schließlich von der formvollendeten Radiomoderatorin, auch diese weiterhin von außen als Unbeteiligte beobachtend, sich weiter unauffällig in ihren eigenen Gedanken und Wahrnehmungen aufhaltend, fern der Konventionen der anderen.

Produktion Der Film wurde von der portugiesischen Produktionsfirma Três Vinténs produziert, mit finanzieller Unterstützung durch die portugiesische Filmförderungsanstalt ICA, dem portugiesischen Kulturministerium, der Stadtverwaltung Lissabons und der Gulbenkian-Stiftung.

Als Filmmusik wurden Teile von zwei Konzerten von Antonio Vivaldi verwendet: RV 532, II. Andamento - Andante, gespielt von Il Giardino Armonico (Elatus, 1993), und RV 540, II. Andamento - Largo, solo auf der Gitarre von Tiago Albuquerque interpretiert. Dazu kommen zwei zeitgenössische Schlager zum Einsatz, Só Nós Dois no Salão von Francisco Alves und Lisboa Acordou von Tony de Matos.

Das Werk feierte am 6. Mai 2019 beim 16. IndieLisboa Filmfestival Premiere und kam am 5. November 2020 in die portugiesischen Kinos, wo er in nur drei Kinos gezeigt wurde (in Lissabon, Setúbal und Leiria) und entsprechend nur 114 zahlende Zuschauer fand.Veröffentlichungsdaten zu Donzela Guerreira in der Internet Movie Database, abgerufen am 14. Juni 2026Eintrag des Films Donzela Guerreira bei CinemaPortuguês-Memoriale, abgerufen am 14. Juni 2026

Im Jahr 2021 erschien der Film als DVD bei Três Vinténs.

Weblinks

Website des Films bei der Produktionsfirma Três Vinténs, portugiesisch Donzela Guerreira bei CinePT, der filmwissenschaftlichen Datenbank der Universität Beira Interior, portugiesisch Eintrag des Films Donzela Guerreira bei CinemaPortuguês-Memoriale, portugiesisch Trailer des Films Donzela Guerreira, Abruf bei YouTube

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2020 Kategorie:Portugiesischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Feministischer Film Kategorie:Literaturverfilmung nach Autor (Portugal)