mini|Gräberreihen auf dem Friedhof Santa Maria in Selva, im Zentrum die Grabkapelle von Cecilia Rusca Der Friedhof Santa Maria in Selva (italienisch Cimitero di Santa Maria (in Selva)) ist der Gemeindefriedhof von Locarno im Schweizer Kanton Tessin. Der Friedhofskomplex wird zusammen mit der zugehörigen Kirche Santa Maria in Selva im Schweizerischen Kulturgüterschutzinventar als Objekt von nationaler Bedeutung geführt.Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS): Inventario PBC 2021: Lista cantonale del Canton TI (Stato: 1.1.2024). S. 7 (PDF; 147 KB). Er beherbergt unter anderem Kunstwerke von Vincenzo Vela, Alessandro Rossi, Filippo Franzoni, Antonio und Giuseppe Chiattone, Jean Arp sowie Remo Rossi.

Geschichte Der erste christliche Friedhof des Gebiets befand sich bei der Kirche San Vittore in Muralto. In Locarno selbst bestanden kleine Friedhöfe bei den Kirchen San Francesco, Sant’Antonio und Santa Maria in Selva. Letztere wird 1361 erstmals erwähnt. Ihr Friedhof entstand anlässlich der Pestepidemie von 1584 und war in der Folge den Einwohnern Locarnos, die aus dem Maggiatal stammten, und den im bergwärts gelegenen Spital («Lazaredo») Verstorbenen vorbehalten. Als der Friedhof 1835 zum Gemeindefriedhof erweitert wurde, wurden das Krankenhaus sowie der 1765 angelegte Kreuzweg abgerissen.Virgilio Gilardoni: Cimitero di Santa Maria. In: Locarno e il suo circolo (= I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Band 1). Birkhäuser, Basel 1972, S. 283 f. (online).

mini|Die Kirche Santa Maria in Selva

Die Kirche war im 19. Jahrhundert stark baufällig. Ab 1855, endgültig ab 1863 fanden aus hygienischen Gründen keine Gottesdienste mehr darin statt. 1866 wurden die Altäre, Statuen, Gemälde und weiteren Einrichtungsgegenstände in die Kirchen Sant’Antonio und Santissima Trinità dei Monti sowie andere Gotteshäuser der Umgebung überführt. 1877 wurde das ohnehin einsturzbedrohte Dach, 1884 das gesamte Schiff abgerissen. Aufgrund von Protesten aus der Bevölkerung liess man den Chor mit seinen bedeutenden Fresken stehen und ergänzte ihn 1886 mit einem Atrium nach Plänen von Antonio Ciseri und Johann Rudolf Rahn.Virgilio Gilardoni: Santa Maria in Selva. In: Locarno e il suo circolo (= I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Band 1). Birkhäuser, Basel 1972, S. 265 ff. (online).

Bei der Eingemeindung von Solduno im Jahr 1928 übernahm Locarno auch den dortigen Friedhof und verfügt seither über zwei Friedhöfe.

Ab 1961 wurde der Friedhof Santa Maria in Selva nach Plänen von Paolo Mariotta erweitert. Dabei entstand auch der Famedio.

1971 umfasste der Friedhof 1200 Einzelgräber, 120 Familienkapellen und -gräber, 200 Mauergräber, 850 Grabnischen und 1500 Urnenfächer.Giorni di pietà. In: Eco di Locarno. 30. Oktober 1971, S. 2 (online). Stand 2026 werden keine Plätze für neue Familienkapellen oder -gräber vergeben.

Bedeutende Grabmale +BildgewidmetKünstlerJahrAnmerkungenPietro Bustelli, Stadtpräsident von Locarnoum 1842vielleicht ältester Grabstein des FriedhofsGiorni di pietà. In: Eco di Locarno. 30. Oktober 1971, S. 2 (online).120pxCecilia RuscaGiuseppe Pioda (Architekt, zugeschrieben) Vincenzo Vela1845kleine, kuppelbekrönte Rotunde mit einem Portal in Form eines Prothyrums, dorische Säulen und Tympanon aus Baveno-Granit, im Innern eine Skulpturengruppe (1846) von Vincenzo Vela, welche die Eltern Luigi und Caterina Rusca und den Ehemann Bartolomeo Rusca zeigt, Cecilias Porträt im Rundrelief stammt ebenfalls von Vela120pxCasimiro Morettini, Offizierum 1849120pxGian Gaspare Nessi, Politiker und Historikerum 1856Sarkophag, von zwei Engeln bekrönt, die das Reliefporträt des Verstorbenen halten120pxGiovanni Antonio Marcacci, Diplomat und MäzenAlessandro Rossi1856aus Marmor, im Auftrag der Gemeinde und zeitgleich mit dem Marcacci-Denkmal erschaffen, bemerkenswert ist insbesondere das klassizistisch idealisierte Porträt, heute an der Seitenwand der Kirche angebracht120pxGiovannina Franzoni-BacilieriVincenzo Vela (zugeschrieben)um 1860Skulptur einer Trauernden, stammt vermutlich von Vincenzo Vela oder aus seiner Werkstatt, heute auf der westlichen Freitreppe platziert, daneben das Grab des Ehemanns Tomaso FranzoniFelice Bianchetti, Stadtpräsident von Locarno, Regierungsrat1887Giorni di pietà. In: Eco di Locarno. 30. Oktober 1971, S. 2 (online).Augusto Mordasini, Politiker1888120pxFamilie Giugniunbekanntneogotisch-neopisanischer Stil, schwarzer und weisser Marmor, Verkleidung in Altrosa am Giebel und an den kleinen SäulenFamilie Piattineogotische Kapelle, 1891 von Filippo Franzoni mit einem Engel der Auferstehung ausgemalt, später stark überarbeitet120pxPietro Romerio, PolitikerAntonio und Giuseppe Chiattone1892Varenna-SteinFamilie BacilieriAlessandro Ghezzi (zugeschrieben)1894mit Engelsbüste120pxGiovanni Battista Pioda, Bundesratum 1897Sarkophag, zeitgleich mit dem Pioda-Denkmal entstandenDa Locarno. In: Gazzetta Ticinese. 9. September 1897, S. 2. 120pxFamilie BalliGebrüder Chiattone (zugeschrieben)1899grosse Engelsbüsten aus Bronze der Gebrüder Chiattone, abgegangene Malerei von Filippo Franzoni120pxFamilie VarennaGiuseppe Chiattoneum 1900neogotischer Stil, um 1900, im Innern ein Säulenstumpf mit singenden Engeln von Giuseppe Chiattone120pxFamilie Mussi-RuscaAlessandro Ghezzi (zugeschrieben)1904abgegangene Malereien im Innern120pxFilippo Franzoni, Malerum 1911Sarkophag mit Christusmonogramm120pxGiovanni Pedrazzini, Unternehmer und Stadtpräsident von LocarnoEnea Tallone1923an präkolumbianischen Bauten orientiert, da Pedrazzini sein Vermögen in Mexiko erwarb, 1925 wurde ihm der Pedrazzinibrunnen gewidmet120pxLuigia Diani (1859–1928)Ettore Rossi (?)um 1928Signatur «ROSSI E»120pxFamilie von Alfredo MariottaRemo Rossi1930männliche Skulptur «Memento mori», eine Variante von Rodins Der Denker120pxFamilie AlliataRemo Rossium 1931männliche Figur120pxFamilie AdaminaRemo Rossium 1935signiert120pxFamilie BuettiRemo Rossi1939signiert und datiert120pxFamilie CatenazziRemo Rossi1939signiert und datiert120pxAntonio BelloniRemo Rossi1941signiert und datiert120pxFamilie BonettiRemo Rossi1942Skulptur «Toter Christus»120pxFamilie Michelangelo PedrazziniRemo Rossi1949signiert und datiert120pxBruno MarazziRemo Rossi1952unten links signiert und datiert120pxRemo RossiRemo Rossi19551955 von Rossi geschaffene Skulptur «Blütenkreuz» (Croce fiorita), eine Miniatur davon schenkte die Eidgenossenschaft 1969 Papst Paul VI. anlässlich seines Besuchs in Genf120pxFamilie CottiRemo Rossi1965signiert und datiert120pxJean Arp, Sophie Taeuber-Arp und Marguerite Arp-HagenbachJean Arp1967Plastik «Stern», 1967 nach einem Gipsmodell von 1939 gegossen120pxFamilie Rezzonico120pxErcole Garbani-Nerini, Bildhauer120pxG. Mariotti120pxFamilie Grandi SoldatiRemo Rossio. D.signiert («ROSSI»)120pxFamilie Giacomo SimonaRemo Rossio. D.signiert («REMO ROSSI»)

Literatur Giorni di pietà. In: Eco di Locarno. 30. Oktober 1971, S. 2 (online). Virgilio Gilardoni: Cimitero di Santa Maria. In: Locarno e il suo circolo (= I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Band 1). Birkhäuser, Basel 1972, S. 283 f. (online).

Weblinks

Cimiteri auf der Website der Stadt Locarno

Einzelnachweise

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