mini|Der größere Stapelteich mini|Der südlichste Stapelteich Die Stapelteiche Weetzen sind ein im Landschaftsschutzgebiet Ihmeniederung gelegenes Feuchtbiotop bei Weetzen, einem Stadtteil der Stadt Ronnenberg in der Region Hannover in Niedersachsen.
Geschichte Die Zuckerfabrik Weetzen legte im Jahr 1932 auf der Weetzener Seite der Ihmeaue mehrere Stapelteiche an. Das Gewässer markierte hier die Grenze der Landkreise Linden und Hannover und die der heutigen Ronnenberger Stadtteile Weetzen und Vörie.
Die Stapelteiche sollten das bei der Verarbeitung der Zuckerrüben anfallende Erde-Wasser-Gemisch aufnehmen. Bei der Reinigung und Verarbeitung von jährlich 600 000 Tonnen Rüben fielen 72 000 Tonnen mit Wasser versetzte Erde an. Die Suspension wurde von der Fabrik zu den etwa einen Kilometer entfernten Teichen gepumpt. Die auf verschiedener Höhe angelegten und durch Wälle voneinander getrennten Teiche dienten als Schlammabsetzbecken. Das dort gereinigte Wasser lief zur Ihme ab.
Auf anderthalb Kilometer Länge waren in den 1950er Jahren etwa 16 kleine Polder angelegt worden. Das sich ansammelnde nährstoffreiche Erdmaterial mit allerlei Pflanzensamen und Kleinstlebewesen machte die bei sinkendem Wasserspiegel außerhalb der Zuckerrübensaison freiliegenden Schlammflächen zu einem attraktiven Lebensraum für durchziehende Watvögel. Auch Wasser- und Singvogelarten fanden hier reichlich Nahrung und Brutmöglichkeiten.
Nach der Stilllegung der Zuckerfabrik Weetzen 1986 war auf deren Gelände noch einige Jahre eine Rübenannahmestelle der Zuckerfabik Rethen. Die Stapelteiche, die noch 10 bis 20 weitere Jahre mit Erde hätten verfüllt werden sollen, wurden nicht mehr benötigt. Die Pachtverträge für die von verschiedenen Landwirten auf unbestimmte Zeit gepachteten Flächen liefen jedoch weiter. Zum Ende der Verträge waren die Stapelteiche zu Ackerland umgestaltet zurückzugeben.
mini|Wasserbüffel am Südteich 1986 war der Ankauf einer zwei Hektar großen Teilfläche als Naturschutzgeländes durch den Landkreis Hannover an Formalien gescheitert. Im Rahmen einer Flurbereinigung erwarb der Landkreis auf Anregung des Bundes für Vogelschutz Ende der 1980er Jahre ein etwa 6,5 Hektar großes Gelände mit den Stapelteichen. Das Unternehmen vermied damit die Kosten eines Rückbaus der Flächen. Seit Anfang der 1990er Jahre gehören dem Landkreis, bzw. der Region Hannover, 12 Hektar, der Stadt Ronnenberg 2 Hektar, sowie der Landesjägerschaft Niedersachsen und dem Nabu jeweils 2 Hektar des Feuchtgebiets.
Im Winter 1990 wurden die Polder auf dem nördlichen Geländeteil durch eine Einheit der Britischen Rheinarmee zu vier Wasserflächen mit Tiefen von 10 bis 130 Zentimetern sowie drei unterschiedlichen Wasserspiegelhöhen umgestaltet. Zur Wasserversorgung der Teiche wurde ein Tiefbrunnen gebohrt, da die Wasserentnahme aus der Ihme wasserrechtlich nicht mehr zulässig war. Auf den Trockenflächen erfolgen regelmäßige Pflegemaßnahmen. Seit dem Jahr 2011 werden dazu etwa 80.000 Quadratmeter der Grünflächen im südlichen Bereich der Stapelteiche durch eine Herde Wasserbüffel beweidet.
mini|hochkant=0.8|Beobachtungshütte Beschreibung Die Nabu-Ortsgruppe Ronnenberg errichtete auf dem die Stapelteiche umgebenden etwa zwei Meter hohen Erdwall zwei Vogelbeobachtungshütten. Sie wurden nach dem Pionier des Nabu im Calenberger Land Gert Wiedemann und dem Ronnenberger Nabu-Ehrenvorsitzenden Willi Elies benannt.
Im Jahr 1987 gab es an den Stapelteichen mehr als hundert Vogelarten, Frösche und dazu seltene Gräser und andere Pflanzen. Mit Stand von 2024 konnten bis zu 170 Vogelarten beobachtet werden. Darunter sind seltene Arten wie Rohrweihe, Rohrammer, Haubentaucher oder Teichrohrsänger. In Frühjahr und Herbst sind zeitweise auch Zugvögel wie Bekassine, Kampfläufer, Uferschnepfen und Rotschenkel zu beobachten. Die Stapelteiche sind Lebensraum von zahlreichen Kleintieren, sowie von Wildschweinen, Fröschen und Kröten. Prädatoren wie Marderhund, Füchse und Waschbären werden als eine zunehmende Bedrohung von Bodenbrütern eingeschätzt.
Landschaftsrahmenplan Die im Landschaftsschutzgebiet Ihmeniederung gelegenen ehemaligen Stapelteiche sind geschützte Biotope nach § 30 BNatSchG. Eine etwa 22 Hektar große Teilfläche wird im Landschaftsrahmenplan als naturschutzwürdig beurteilt. Der genannte Schutzzweck ist die „Sicherung und Entwicklung eines Feuchtgebiets mit ausgedehnten Schilfzonen und offenen Wasserflächen und seiner hohen Bedeutung für Flora und Fauna, insbesondere für Rast- und Brutvögel sowie Amphibien“.
Weblinks
Nabu Ronnenberg: Die Stapelteiche im Wandel der Jahreszeiten
Einzelnachweise Vörie, Stiel-Eiche, Stapelteiche Ihmeaue in: Ingo Rodriguez: Der Nabu ehrt Elies für sein Lebenswerk, Calenberger Zeitung, 23. Dezember 2015 Bäche in Abschlussbericht Aktionsplan Natur und Landschaft Ronnenberg, S. 11–12, Planungsgruppe Umwelt, 17. Mai 2021 Stillgewässer in Abschlussbericht Aktionsplan Natur und Landschaft Ronnenberg, S. 13, Planungsgruppe Umwelt, 17. Mai 2021 (ro): Alte Stapelteiche sollen Schutzzone für Pflanzen und Tiere werden, Landkreis-Zeitung, 12. Juni 1987
Kategorie:Biotop Kategorie:Geographie (Ronnenberg)