mini|Pavel Tchelitchev (1934) Pavel Tchelitchev (, Transliteration: Pavel Fedorovič Čeliščev; * 21. September 1898 in Kaluga; † 29. Juli 1957 in Grottaferrata) war ein russischer Maler, Grafiker und Bühnenbildner.

Leben Pavel Tchelitchev erhielt seine erste künstlerische Ausbildung in der Ikonenwerkstatt eines Klosters und ab 1907 in einer Kunstschule für Kinder in Moskau. Von 1918 bis 1919 studierte er an der Kunstakademie Kiew und nahm privaten Unterricht bei Alexandra Exter und Adolf Milman. Im Jahr 1919 war er in Kiew an Stadtdekorationen beteiligt, darunter Monumentalgemälde mit den Titeln Boj krasnich s belymi (Kampf der Roten mit den Weißen) und Boj artillerijskij (Artilleriekampf). Ab August 1919 gehörte Tchelitchev der weißgardistischen Freiwilligenarmee an, mit der er 1920 nach Konstantinopel gelangte. Dort entwarf er Interieurs für Kabaretts und schuf Bühnenausstattungen für die Balletttruppen von V. A. Knjazev und V. P. Zimin.

1921 arbeitete er in Sofia für einen russisch-bulgarischen Verlag als Buchgestalter und gestaltete unter anderem die Publikation Iščod k Vostoku. Predčuvstvija i sveršenija. Utverždenie evrazijcev. Von 1921 bis 1923 wirkte er in Berlin als Szenenbildner, unter anderem für das Kabarett Der Blaue Vogel von I. Ė. Duvan-Torcov, dem Russischen Romantischen Theater von B. G. Romanov und dem Theater Königgrätzerstraße (nach einem Stück von J. A. de Gobineau, Savonarola). Darüber hinaus war er für die Berliner Oper tätig (Der goldene Hahn, Ballettoper). 1922 war er an der Ausstattung des Spielfilms Pagode beteiligt. 1923 übersiedelte Pavel Tchelitchev nach Paris. Dort nahm er 1925 am Salon d’Automne teil und wurde durch die Sammlertätigkeit von Gertrude Stein bekannt, die mehrere seiner Werke erwarb. Von 1942 bis 1949 lebte er in den Vereinigten Staaten, anschließend in Italien, wo er 1957 in Grottaferrata starb.

Werk

Frühwerk und Theaterarbeit Pavel Tchelitchevs frühe Arbeiten für das Theater, entstanden ab 1919 im Stil eines dekorativen Kubismus, stehen der Manier Eksters nahe. Zu den nicht realisierten frühen Projekten zählen Entwürfe und Kostüme für die Operette Gejša (von S. Džons und I. Kril), die für das Mardžanišvili-Theater in Kiew geplant war.

Pariser Jahre und Neoromantik In Paris schloss sich Pavel Tchelitchev dem Umfeld der Neuromantik um Christian Bérard an. Unter dessen Einfluss entstanden Werke, die Picassos Blauer Periode nahestehen, darunter Obnažennaja (Akt), Porträt René Crével (1926), Porträt G. Stein (1930), Sem'ja kompozitora Markeviča (Familie des Komponisten Markevič), Žongler (Jongleur) und Goluboj kloun (Blauer Clown, 1931). Daneben entstanden grafische Porträts in traditioneller Manier sowie Experimente mit unkonventionellen Materialien wie Draht, Meeressand und Wachs, darunter ein Porträt der Schriftstellerin Edith Sitwell (1927).

Ein zentrales Arbeitsfeld war die Bühnengestaltung für die bedeutenden Ensembles der Zeit. So schuf Tchelitchev 1928 die Szenografie für das Ballett Ode (Musik: Nicolas Nabokov, Libretto: Boris Kochno nach einer Ode von Michail Lomonosov, Choreografie: Léonide Massine) für die Truppe von Sergej Djagilew am Théâtre Sarah Bernhardt in Paris. Der Einsatz kinematografischer Elemente und Lichteffekte machte diese Produktion zu einem Meilenstein der Bühnenbildgeschichte des 20. Jahrhunderts.

In den 1930er Jahren arbeitete Tchelitchev mit George Balanchine zusammen, unter anderem für L'Errante nach Franz Schubert (1933, Théâtre des Champs-Élysées, Paris), für ein Ballett nach W. A. Mozart (1936/38, Russisches Ballett Monte Carlo), für Orpheus nach C. W. Gluck (1937, Metropolitan Opera, New York) sowie für Apollon musagète nach Igor Strawinsky und Balustrada (1940, New York City Ballet).

Pavel Tchelitchev entwickelte einen eigenen Stil, den er selbst als anatomischen Surrealismus bezeichnete und der sein gesamtes späteres Werk prägt. Das surrealistische Gemälde Javlenie entstand zwischen 1936 und 1938 und wurde durch eine Ausstellung in der Galerie Drouet bekannt. Während seines Aufenthalts in den USA schuf er das Genre der metaphysischen Landschaft, das anatomische Formen mit fantastischen Landschafts- und Architekturmotiven verbindet. Zu diesen Werken gehören Dom sumašedšich (Haus der Wahnsinnigen), Fata Morgana und Chrustal'nyj grot (Kristallgrotte). In den 1950er Jahren wandte sich Pavel Tchelitchev schließlich der abstrakten Malerei zu.

Literatur

Cyril W. Beaumont: Ballet Dancing. C. W. Beaumont, London 1946. Lincoln Kirstein: The Drawings of Pavel Tchelitchew. Curt Valentin Gallery, New York 1947. James Thrall Soby: Tchelitchew. Paintings and Drawings. The Museum of Modern Art, New York 1942. Parker Tyler: The Divine Comedy of Pavel Tchelitchew. A Biography. Fleet Publishing Corporation, New York 1967. Stephen L. Gagg: Pavel Tchelitchew as a Twentieth Century Humanist. Cleveland 1972. Paris–Moscou 1900–1930. Ausst.-Kat. Centre Georges Pompidou, Paris 1979. Москва–Париж 1900–1930 (Moskva–Pariž 1900–1930). Ausst.-Kat. Gosudarstvennyj Muzej Izobrazitel'nych Iskusstv im. A. S. Puškina, Moskau 1981. Paris–Paris 1937–1957. Créations en France. Ausst.-Kat. Centre Georges Pompidou, Paris 1981. John Milner: A Dictionary of Russian and Soviet Artists 1420–1970. Antique Collectors’ Club, Woodbridge 1993. Chudožniki russkogo teatra 1880–1930. Sobranie Nikity i Niny Lobanovych-Rostovskich. Iskusstvo, Moskau 1994, S. 271–277. Lincoln Kirstein: Tchelitchev. Twelvetrees Press, Santa Fe 1994. (Standardmonographie) Berlin–Moskau / Moskau–Berlin 1900–1950. Ausst.-Kat. Prestel, München/New York 1995. Matthew Cullerne Bown: A Dictionary of Twentieth Century Russian and Soviet Painters 1900–1980s. Izomar, London 1998. Victor Koshkin-Youritzin: Pavel Tchelitchew. Artist and Mystic. University Press of America, Lanham 1986. Victor Koshkin-Youritzin: Tchelitchew's Hide-and-Seek. In: Art Journal. Bd. 23, Nr. 2, 1964, S. 138–144. Robin Gibson: Painting the Century. 101 Portrait Masterpieces 1900–2000. National Portrait Gallery, London 2000. David A. Gerstner (Hrsg.): Routledge International Encyclopedia of Queer Culture. Routledge, London/New York 2006, S. 553–554 (Artikel Pavel Tchelitchew). Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009. Alexander Kuznetsov: Pavel Tchelitchew – Metamorphoses. Arnoldsche, 2012.

Weblinks

Alexander Kuznetsov: Pavel Tchelitchew – Metamorphoses HENI Archives at Yale Pierre Spake – Art & the Unusual

Einzelnachweise

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