mini|alt=Postkarte mit einem Mädchen, weiße Kleidung, rosiger Teint, eine rosa Blume im Haar, die eine Soldatenpuppe an sich drückt mit der Aufschrift „Mon filleul“ (Mein Patenkind).|Postkarte mit der Aufschrift „Mon filleul“ (Mein Patenkind)mini|alt=Teller, auf dem Rand grüne Girlanden, oben steht „Min filleul, que vous êtes grand! C’est pour mieux l'aimer mon enfant!“ (Mein Patenkind, wie groß du geworden bist! Um dich noch mehr zu lieben, mein Kind!), unten „La Marraine“ (Die Patin). Im Inneren ist ein Soldat mit abgerissener Kleidung mit Stock und Pfeife zu sehen, der ein kleines Mädchen mit rot-weißer Kleidung und einer Schleife im Haar an der Hand hält.|Teller mit Soldat und Kriegspatin; Aufschrift „Min filleul, que vous êtes grand! C’est pour mieux l'aimer mon enfant!“ (Mein Patenkind, wie groß du geworden bist! Um dich noch mehr zu lieben, mein Kind!) Als Kriegspatin (französisch Marraine de guerre, englisch War godmother) wurden Frauen und Mädchen bezeichnet, die während des Ersten Weltkriegs Briefkontakt zu Soldaten an der Front hielten, um diese moralisch, psychologisch und emotional zu unterstützen. Oft handelte es sich dabei um Soldaten, die auf sich allein gestellt waren, beispielsweise weil sie ihre Familie verloren hatten. Die Kriegspatin schickte ihrem Soldaten Briefe, aber auch Pakete, Geschenke und Fotos. Kriegspatinnen waren vor allem in Frankreich und Belgien verbreitet, spielten aber auch in Spanien und Italien eine Rolle.
Geschichte Die Kriegspatinnen entstanden am 11. Januar 1915 in Angers mit der Gründung von „La famille du soldat“, einem konservativ-katholischen Verein, der insbesondere von der kostenlosen Werbung in L’Écho de Paris profitierte.Siehe Literaturliste Alary 2013, S. 300 In der Folge wurden weitere Vereinigungen gegründet wie zum Beispiel „Mon soldat“, gegründet von Mme Bérard und unterstützt von Alexandre Millerand, dem Kriegsminister.
Im Mai 1915 startete die Zeitung Fantasio eine Aktion namens „Le flirt sur le front“ und bot an, als Vermittler zwischen den jungen Männern an der Front und den jungen Frauen im Hinterland zu fungieren. Sechs Monate später beendete die Zeitung, überflutet von Anfragen von Soldaten, ihre Initiative.
Am 4. Dezember 1915 öffnete die Zeitschrift La Vie parisienne ihrerseits ihre Spalten für Kleinanzeigen der Mobilisierten. Der Erfolg war so groß, dass sechs Monate später La Revue hebdomadaire zwei ganze Seiten mit Anzeigen von Patenkindern auf der Suche nach einer Adoption veröffentlichte. Zwischen 200.000 und 300.000 Anzeigen sollen während des Krieges erschienen sein.Siehe Literaturliste Darmon 2002, S. 76 Einige Soldaten ergriffen die Initiative und schalteten Anzeigen in anderen Zeitungen wie L’Homme libre, La Croix, Le Journal oder suchten eine Patin im Familienkreis oder im Bekanntenkreis eines Kriegskameraden.Siehe Literaturliste Alary 2013, S. 301
Die Beweggründe, das Alter der Patenfrauen – von der 12-Jährigen bis zur Großmutter – und die Art der Beziehungen waren sehr unterschiedlich. Mütter, junge Mädchen, alleinstehende Frauen, Arbeiterinnen und Frauen aus der Mittelschicht fungierten als Patenfrauen. Die Beziehungen beschränkten sich oft auf einen Briefwechsel, der moralischen Trost spendete. Die rein materielle Motivation einiger Soldaten bestand darin, Pakete zu erhalten. Einige Patenmütter hofften, einen Ehemann zu finden, und manche wurden tatsächlich die Ehefrauen ihres Patenkindes.
Das ursprüngliche Ziel, den Soldaten Trost und Mut zu spenden, wich bald romantischen Beziehungen zwischen jungen Männern und Frauen. Ab 1916 gingen die Anmeldungen zurück, und die Anfragen konnten nicht mehr erfüllt werden, da die Patenfrauen befürchteten, als leichtfertige Frauen angesehen zu werden. Die Militärführung stand dem Ganzen eher misstrauisch gegenüber, doch im Gegensatz zur britischen Armee, wo diese Praxis verboten wurde, war sie in der französischen Armee und in der in Frankreich stationierten belgischen Armee erlaubt, da sich die Behörden der Bedeutung der Moral der Soldaten bewusst waren.Siehe Literaturliste alary 2013, S. 305
Der Dichter Guillaume Apollinaire unterhielt zwischen dem 16. Juli 1915 und dem 7. November 1918 einen Briefwechsel mit seiner Kriegspatin, Jeanne Burgues-Brun. Diese Briefe wurden 1948 vom Verlag Pour les fils de roi und ab 1951 vom Gallimard-Verlag veröffentlicht.Siehe Literaturliste Temple 2018, S. 264Siehe Weblink zu Apollinaire
Siehe auch Liebesgaben
Literatur
Weblinks
Guillaume Apollinaire Lettres à sa marraine auf Wikisource
Einzelnachweise
Kategorie:Frauengeschichte (Erster Weltkrieg) Kategorie:Französische Militärgeschichte (Erster Weltkrieg) Kategorie:Frau (Bezeichnung) Kategorie:Postgeschichte (Frankreich) Kategorie:Psychologische Kriegsführung Kategorie:Frauengeschichte (Frankreich)