mini|Noël Dolla 2019 vor seinem Werk aus der Sniper Serie 14. Mai 2018 Noël Dolla (* 5. Mai 1945 in Nizza) ist ein französischer Maler und Konzeptkünstler. Er wurde vor allem durch seine Mitgliedschaft in der Künstlergruppe Supports/Surfaces bekannt.
Leben Noël Dolla wurde 1945 in Nizza geboren, wo er bis heute lebt und arbeitet. Von 1962 bis 1966 studierte er an der École des Arts décoratifs in Nizza. Anschließend übernahm er eine Lehrtätigkeit an der École Pilote d’Art et de Recherche der Villa Arson in Nizza, einer staatlichen Einrichtung für zeitgenössische Kunst und Kunstvermittlung.
Werk
Supports/Surfaces (1966–1974) mini|Noël Dolla – Sniper 21, 2018 Von 1966 bis 1974 war Dolla Mitglied der Künstlergruppe Supports/Surfaces, der unter anderem Vincent Bioulès, Daniel Dezeuze, Patrick Saytour, André Valensi und Claude Viallat angehörten. Die Gruppe stellte die Definition des Malvorgangs grundsätzlich infrage, indem sie dessen Mechanik analysierte, das Gemälde als historisch determiniertes Objekt identifizierte und es kritisch hinterfragte.
In dieser Periode entwickelte Dolla seine künstlerischen Ausdrucksmittel, ohne dabei die Erfindung eines geschlossenen Systems anzustreben. Ihm lag vielmehr die Auswahl unterschiedlicher Artikulationsmöglichkeiten am Herzen. 1967 entstand die Serie Structures-Étendoirs, die aus durch Eintauchen gefärbten und anschließend wie Wäsche aufgehängten Stoffstücken besteht. Ab 1969 folgte die Serie Tartalanes, Assemblagen aus zusammengenähten, ebenfalls an Mauern aufgehängten Stoffen. Angeregt durch die amerikanische Land Art unternahm Dolla 1969 mehrere Eingriffe in die Landschaft. Im Rahmen der Restructurations gestaltete er in mehreren Etappen Felsen, den Sand eines Strandes sowie die verschneiten Gipfel eines Gebirges mit malerischen Mitteln. Am 5. Oktober 1969 fand auf dem Cîme de l’Authion in den Alpes-Maritimes die Aktion Propos neutre no 2, Restructuration spatiale, rochers peints statt, bei der Felsen mit rosafarbenem Vinyl bemalt wurden. In den Jahren 1972/73 entstanden die ersten Leurres – ein Begriff, der die vom Angler zum Anlocken verwendeten Fliegen bezeichnet und auf das Künstliche in der Kunst anspielt.
Gruppe E.L.A.N, (ab 1974) Nach der Auflösung von Supports/Surfaces setzte Dolla seine Untersuchungen zur Malerei eigenständig fort. 1988 gründete er die Gruppe E.L.A.N, die in einer Mischung aus Kritik und Ironie angelegt war: Sie bestand aus sechs imaginären Gestalten, die durch Doppelgänger der eigenen Person verkörpert wurden. Das Ziel der Gruppe war es, eine abstrakte Kunst zu schaffen und zu fördern, die einen Bruch mit der von Mediation und Konsum geprägten Kunst darstellt.
Serien der 1990er Jahre mini|Paris, Parc des Buttes-Chaumont, Nuit Blanche – Noël Dolla Chauds les marrons aux Buttes Chaumont, 1789 - 2009, 220 années de rêves (Heiße Maronen auf den Buttes Chaumont, 1789–2009, 220 Jahre voller Träume) In den 1990er Jahren widmete sich Dolla erneut der Arbeit in Serien, in denen er die Rolle der zeitgenössischen Malerei weiterhin kritisch hinterfragte. Die Serie Cires (1993/94) umfasst in Wachs erstarrte Malobjekte, während die Châsses aus verschweißten Bleirahmen mit Jalousien bestehen. Für die 1998 ausgeführten Instantanées verwendete er den Rauch der Vulkane Stromboli, Vesuv und Ätna, um die Verwechslung von Malerei und Fotografie zu thematisieren.
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen 1974: Mailand, Galleria La Bertesca
1975: Düsseldorf, Galerie La Bertesca; Köln, Galerie Paul Maenz
1980: Berlin, Galerie Georg Nothelfer (Tartalane)
1989: Paris, Fondation Cartier (Carte blanche au groupe ELAN)
1990: Tours, Centre de Création Contemporaine (Les silences de la fumée)
1992: Nizza, Villa Arson, Galerie Carrée (Jalousies)
1993: Paris, Galerie Météo
1994: Tarbes, Le Parvis (L’abstraction humiliée)
1995: Wien, Museum Moderner Kunst, Sammlung Ludwig (Die gedemütigte Abstraktion)
1996: Neuchâtel, Musée d’art et d’histoire (Le Tableau d’éc. ou l’heure de Noël)
1998: Île de Vassivière, Centre d’Art Contemporain (Cinq silences); Chatou, Centre national de l’estampe et de l’art imprimé (Un outil parfait); Mulhouse, Musée des Beaux-Arts (Un leurre); Quimper, Le Quartier (Homère)
Gruppenausstellungen (Auswahl) 1972: Paris, Grand Palais: 12 ans d'art contemporain en France
1974: Musée d’Art et d’Industrie de Saint-Étienne: Nouvelle peinture en France
1980: Berlin, DAAD-Galerie: Nice à Berlin
1991: Saint-Étienne, Musée d’Art Moderne: Supports/Surfaces
1993: Saitama (Japan) u. a., Museum of Modern Art: Supports/Surfaces
Literatur
Christoph Wilhelmi, Künstlergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1900, Theodor Kerber Verlag, Bielefeld, 2006. François Armengaud, Titres. Entretiens avec Noël Dolla, Éditions de la Différence, Paris, 1998. Lóránd Hegyi, Catherine Perret, Conflits de système et analyse fonctionnelle. Une redéfinition de la peinture, in: Die gedemütigte Abstraktion, Ausstellungskatalog Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Wien, 1995. Pascale Le Thorel-Daviot, Petit dictionnaire des artistes contemporains, Bordas, Paris, 1996. Xavier Girard, Noël Dolla, Ausstellungskatalog Université Toulouse-Le Mirail, Toulouse, 1979.
Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
Menhir Art Gallery Ceysson & Bénétière MAC/VAL – Val-de-Marne Contemporary Art Museum
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Konzeptkünstler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Mann