mini|Arthur Maury

Arthur Laurent Hippolyte Maury (* 31. Juli 1844 in Paris; † 1. Dezember 1907 ebenda) war ein französischer Philatelist, Briefmarkenhändler, Herausgeber und Autor philatelistischer Fachliteratur. Er gehörte zu den prägenden französischen Händlern und Publizisten der frühen Philatelie. Bekannt wurde er durch die von ihm herausgegebene Zeitschrift Le Collectionneur de timbres-poste, durch Briefmarkenkataloge sowie durch Spezialliteratur zu französischen Briefmarken, Poststempeln, Entwertungen, Ganzsachen und weiteren Postwertzeichen. 1921 wurde Maury bei der Einrichtung der Roll of Distinguished Philatelists als einer der „Fathers of Philately“ gewürdigt.

Leben und Wirken Maury wurde am 31. Juli 1844 in Paris geboren. Sein vollständiger Name war Arthur Laurent Hippolyte Maury. Er stammte aus einer Kaufmannsfamilie und begann zunächst eine Laufbahn als Gantier beziehungsweise Händler. Nach Darstellung des heutigen Unternehmens Arthur Maury nutzte er bereits als Jugendlicher einen Teil des Schaufensters im väterlichen Handschuhgeschäft, um Briefmarken anzubieten, und wurde so mit siebzehn Jahren einer der frühen professionellen Briefmarkenhändler.

Seit den 1860er Jahren verband Maury den Briefmarkenhandel mit publizistischer und katalogisierender Arbeit. Die heutige Firma Arthur Maury führt ihre Anfänge auf das Jahr 1860 zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Paris ein reger Markt für Briefmarken, Sammlerzeitschriften, Kataloge und Alben; Maury gehörte dabei neben Händlern und Autoren wie Pierre Mahé, Jean-Baptiste Moens, Jacques Legrand und später Yvert et Tellier zu den bekannten Namen des französischen Sammelwesens.

Im September 1891 bezog Maury Geschäftsräume auf zwei Etagen am 6 Boulevard Montmartre in Paris, wo er bis zu seinem Tod tätig war. Nach Darstellung des heutigen Unternehmens ist an der Fassade des Gebäudes eine Merkurdarstellung als Rest der früheren Maison Maury erhalten geblieben. Am Ende seines Lebens gehörte Maury demnach auch einer Kommission an, die neue französische Briefmarken auswählte. Er starb am 1. Dezember 1907 im Alter von 63 Jahren in Paris.

Le Collectionneur de timbres-poste Am 15. September 1864 erschien die erste Nummer von Maurys Zeitschrift Le Collectionneur de timbres-poste. Nach einer Darstellung der Zeitschrift Nouvelles de l’estampe eröffnete Maury damit die französische philatelistische Fachpresse; einen Monat später folgte in Frankreich der Timbrophile von Pierre Mahé. Die Zeitschrift erschien bis ins 20. Jahrhundert weiter und ist als philatelistisches Periodikum für die Jahre 1864 bis 1975 nachgewiesen.

Eine besondere Bedeutung erhielt Le Collectionneur de timbres-poste durch den Beitrag „Baptême“ von G. Herpin, der in der Ausgabe vom 15. November 1864 veröffentlicht wurde. Herpin schlug darin den Begriff „Philatélie“ vor und wandte sich gegen ältere oder abwertende Bezeichnungen wie „Timbromanie“. Maurys Zeitschrift wurde dadurch zu einem frühen Veröffentlichungsort für die begriffliche Selbstbeschreibung des Sammelgebiets. In Frankreich stand der Ausdruck „Philatélie“ zeitweise in Konkurrenz zu Bezeichnungen wie „Timbrologie“, die unter anderem mit Jacques Legrand verbunden waren.

Kataloge und Fachliteratur Maury veröffentlichte Kataloge und Spezialwerke, die über reine Preis- und Händlerlisten hinausgingen. Seine Arbeiten behandelten nicht nur Briefmarken als Sammelobjekte, sondern auch deren postalischen Gebrauch, Poststempel, Entwertungen, Ganzsachen, Streifbänder, Postkarten, Telegrafenmarken, Telefonmarken und Essays.

Sein 1902 in Paris erschienener Catalogue descriptif de toutes les marques postales de la France war ein Spezialkatalog zu französischen Poststempeln, postalischen Vermerken und Entwertungen. Das Werk ist in einem Exemplar der Smithsonian Institution digitalisiert und umfasst neben dem Hauptteil auch einen Ergänzungsteil. In der philatelistischen Einordnung zeigt es Maurys Interesse an der Marcophilie und an älteren Briefen als Quellen zur französischen Postgeschichte.

Zu seinen umfangreichsten Werken gehörte die Histoire des timbres-poste français, die in Paris erschien und französische Briefmarken, Umschläge, Streifbänder, Karten, Telegrafen- und Telefonmarken, Essays, Poststempel und Entwertungen behandelte. Das Werk wird von der Bibliothèque nationale de France über Gallica als Digitalisat bereitgestellt.

mini|10-Centimes-Marke der französischen Cérès-Ausgaben; die „Erreur de France“ betraf eine Abart dieses Werts.

Auch einzelne philatelistische Entdeckungen wurden mit Maury verbunden. Ihm wird die Entdeckung der sogenannten „Erreur de France“ zugeschrieben, einer Abart der französischen Cérès-Serie, bei der 1876 in einer Druckplatte des 10-Centimes-Werts irrtümlich ein Klischee mit der Wertangabe 15 Centimes verwendet wurde. Nach Darstellung der Maison Calves entdeckte Maury den Fehler bei seinem Postamt an der Place de la Bourse; die Abart wurde danach selten und gesucht.

Nachwirkung Bei der Einrichtung der Roll of Distinguished Philatelists im Jahr 1921 wurde Maury postum als einer der „Fathers of Philately“ aufgenommen. Die Royal Philatelic Society London führt ihn in der entsprechenden Übersicht als französischen Vertreter dieser Gruppe.

Der Name Maury blieb auch nach dem Tod Arthur Maurys in der französischen Katalogtradition präsent. Ende 2008 erschien bei der Collection Arthur Maury der Band Maury, Cérès & Dallay : catalogue de timbres. Timbres de France, 2009. 2015 übernahm Spink & Son die Arthur Maury Philatelic Catalogues einschließlich der Rechte an bestehenden Beständen und künftigen Ausgaben. Spätere Ausgaben erschienen unter Bezeichnungen wie The Spink Maury Catalogue, Timbres de France.

2010 gab die französische Post anlässlich des 150. Jubiläums der Pariser Briefmarkenbörse eine Briefmarke mit dem Porträt Arthur Maurys heraus.

Schriften

Catalogue descriptif de tous les timbres-poste. Paris, verschiedene Ausgaben. Catalogue descriptif de toutes les enveloppes et bandes timbrées, cartes postales, etc. Maury, Paris 1895. Catalogue descriptif de toutes les marques postales de la France : inscriptions, timbres à main, et oblitérations ... avec des prix de vente pour les collections. Maury, Paris 1902. Histoire des timbres-poste français : enveloppes, bandes, cartes, timbres-télégraphe et téléphone, essais, marques postales et oblitérations. Maury, Paris 1907.

Weblinks

Einzelnachweise

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