Beatrice Möller (* 1979 in Düsseldorf) ist eine deutsche Filmemacherin, Regisseurin und Dozentin. Ihr filmisches Werk umfasst abendfüllende Dokumentarfilme, dokumentarische Porträts sowie serielle non-fiktionale Formate.
Leben Beatrice Möller wurde 1979 in Düsseldorf geboren, verbrachte jedoch einen prägenden Teil ihrer Kindheit und Jugend in Südafrika. Diese frühe Sozialisation im postkolonialen und interkulturellen Kontext Südafrikas gilt als maßgebliche Inspiration für ihr späteres visuelles und erzählerisches Schaffen. Konflikte, gesellschaftliche Umbrüche und transnationale Identitäten bilden bis heute wiederkehrende Motive in ihren Filmen.
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland absolvierte sie ein Filmstudium an der Bauhaus-Universität Weimar und 2004 die Master Class für Visuelle Kommunikation an der Swinburne University National School of Design im australischen Melbourne. Im Jahr 2006 erhielt sie ein Künstlerstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Kapstadt, Südafrika. Ihre Dreharbeiten führten sie seither in zahlreiche Länder weltweit, darunter Thailand, Bali, Israel, Palästina, Namibia, Eritrea und Mosambik.
Möller lebt und arbeitet als freischaffende Regisseurin und Produzentin in Berlin.
Künstlerischer Ansatz und Methodik Möllers Arbeiten umfassen klassische Dokumentationen und zeitgenössische non-fiktionale Formate, Kampagnen und Imagefilme. Ihre Arbeitsweise ist geprägt von einer intensiven, oft über lange Zeiträume andauernden Annäherung an ihre Protagonisten, wodurch intime Porträts abseits stereotyper Zuschreibungen entstehen (wie etwa in den BR-Produktionen der Reihe Lebenslinien).
Filmografie (Auswahl)
Als Regisseurin
2002: Der Bestatter (Kurzdokumentarfilm, 13 Min.) 2003: Omulaule heißt schwarz (Dokumentarfilm, 66 Min., Co-Regie mit Nicola Hens und Susanne Radelhof; prämiert mit dem dotierten Nachwuchspreis des Landes Thüringen) 2006: Shalom Salam (Dokumentarfilm, 58 Min., Co-Regie mit Nicola Hens) 2010: Shosholoza Express (Dokumentarfilm, 58 Min., Produktion: Lemme Film für BR / Arte / Telepool) 2013: Alles was wir wollen (Langzeit-Dokumentarfilm, 70 Min., Produktion: OneWordDokumakers / timeprints; Kinostart und Festivalauswertungen, u. a. bei achtung berlin) 2015: Freigeboxt (Dokumentarfilm, 45 Min., Produktion: BR / Lebenslinien) 2018: Ich musste mich durchbeißen (Dokumentarfilm, 45 Min., Produktion: BR / Lebenslinien) 2020: Uganda’s Lady Justice (Dokumentarfilm, 25 Min., Produktion: Film Five für Al Jazeera) 2020: Depot Asmara (Dokumentarfilm, 25 Min., Produktion: Film Five) 2022: Der Zauberer, der an Wunder glaubt (Dokumentarfilm, 25 Min., in Zusammenarbeit mit Katrin Reichwald, Produktion: Tellvision für den Bayerischen Rundfunk / Lebenslinien) 2024: FREESTYLE – Stories aus dem Actionsport (Dokumentarische Serie, 3 x 20 Min., Produktion: Narrative Way / Nice Little Monsters für ZDF Sport)
Ausgewählte Filme
Omulaule heißt Schwarz (2003) Omulaule heißt Schwarz ist ein Gemeinschaftswerk von Beatrice Möller, Nicola Hens und Susanne Radelhof, entstanden im Rahmen ihres Studiums an der Bauhaus-Universität Weimar. Der Film porträtiert die sogenannten „DDR-Kinder von Namibia“: Während des Bürgerkriegs nahm die DDR ab 1979 mehrere hundert namibische Kinder auf, die nach der Wiedervereinigung 1990 in ein ihnen weitgehend fremdes Heimatland zurückkehren mussten. Sie nennen sich „Omulaule“ – Oshiwambo für „schwarz“.
Der Film war u. a. beim DOK Leipzig 2003, beim Videofest Kassel 2003, beim DOK München 2004, bei der Cologne Conference 2004 sowie beim Wild International Film Festival Windhoek, Namibia 2004 zu sehen. Er lief als Kinofilm und war von 2004 bis 2006 Teil des Programms „Kino für Schulen“; die TV-Ausstrahlung erfolgte in Deutschland und Österreich zwischen 2005 und 2007.
Der Filmkritiker Georg Seeßlen schrieb in epd film (1/2005) lobend über den Film.
Der Filmdienst bezeichnete das Werk als „erhellend und unterhaltsam“ und lobte die Parallelmontage sowie den Einsatz von Archivaufnahmen.
Shosholoza Express (2009) Shosholoza Express begleitet eine Zugfahrt zwischen Johannesburg und Kapstadt und beleuchtet das Aufeinandertreffen von Schwarz und Weiß im post-apartheidlichen Südafrika.
Für das Treatment des Films gewann Möller 2008 den Dokumentarfilm-Treatment-Award des Bayerischen Rundfunks beim Münchener Filmfest. Der Film wurde von BR, Arte und Telepool koproduziert.
Alles was wir wollen (2013) In Alles was wir wollen begleitet Möller über vier Jahre drei junge Frauen Anfang 30 bei ihrer Suche nach dem richtigen Lebensweg zwischen Beruf, Beziehung und Selbstverwirklichung. Der Film hatte seine Premiere beim achtung berlin Festival im April 2013 und wurde per Crowdfunding finanziert. Im März 2014 stellte Möller den Film an der University of Washington vor und diskutierte ihn mit Studierenden im Rahmen der German Film Series.
Depot Asmara (2020) Depot Asmara porträtiert zwei Männer – einen jungen Lokführer und einen älteren Chefmechaniker –, die eine historische Dampfeisenbahn in Eritrea in Betrieb halten, und zeichnet damit zugleich ein Bild des heutigen Eritrea zwischen Aufbruch und Stillstand.
Der Film wurde weltweit bei Al Jazeera English (Reihe Witness) ausgestrahlt und war bei mehreren internationalen Festivals vertreten, darunter das Krakauer Filmfestival (62. Ausgabe), das Middlebury New Filmmakers Festival (USA) sowie das Rome Independent Cinema Festival (Nominierung) und Docs Without Borders (Official Selection).
Auszeichnungen und Stipendien
2003: Preis der Bundeszentrale für politische Bildung Thüringen für Omulaule heißt Schwarz 2004: Preis für Jugendkultur der Stadt Eisenach für Omulaule heißt Schwarz 2004: Gewinner beim Black Cinema Film Festival Berlin für Omulaule heißt Schwarz 2004–2007: TP2 – Talent Pool: Spitzenqualifizierungsprogramm, gefördert von der Mitteldeutschen Medienförderung, dem Freistaat Thüringen und Tradewind Pictures GmbH 2007: DAAD-Künstlerstipendium Kapstadt 2008: Treatment Award des Bayerischen Rundfunks beim Münchener Filmfest für Shosholoza Express 2008: Teilnahme am Programm „Boundless“ der Media Academy (WDR, European Broadcasting Union, UNESCO, France Télévisions) 2022: Stipendium der Stiftung Kulturwerk, VG Bild-Kunst
Weblinks
Website von Beatrice Möller, https://www.beamoeller-film.com/ Beatrice Möller in der Internet Movie Database (IMDb), https://www.imdb.com/de/name/nm3913175/?ref_=fn_t_1 Beatrice Möller bei Berlinale Talents, https://www.berlinale-talents.de/bt/talent/beatrice-moller/profile Beatrice Möller bei Crew United, https://www.crew-united.com/de/Beatrice-Moeller_87273.html
Literatur und Quellen
Der Spiegel: Regisseurin Beatrice Möller: Ein Leben wie aus einer Film-Doku (Porträt zum Kinostart von Alles was wir wollen, 2013). Der Freitag: Wir wollten einfach wissen, wie die das machen (Ausführliches Interview zum dokumentarischen Ansatz und Rollenbildern bei achtung berlin). University of Washington (Germanics): German Zeitgeist: UW-Berlin Filmmaker speaks to students (Bericht über Werkschau und Vortrag zu dokumentarischen Praktiken in den USA).
Einzelnachweise
Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1979 Kategorie:Frau