Der Bahnhof Elroʾi ist ein Bahnhof der Jesreʿeltalbahn in Elroʾi, seit 1958 ein Stadtteil Qirjat Tivʿons im israelischen Bezirk Haifa. Er ging 1936 in Betrieb und wurde 1951, wie der gesamte in Israel gelegene Streckenabschnitt, aufgelassen. Die Station dient seit den 1970er Jahren als Bürgertreff und wurde in den 2010er Jahren als Teil des Parks haʿAmaqim zu einer Grünanlage.

Name Der Stationsname des Bahnhofs Elroʾi lautet in den drei Amtssprachen des Mandatsgebiets Palästina auf , auf und auf . Die Schreibweise El-Roʾi im Stationsnamen wurde später um das Geresch-Zeichen gekürzt.

Lage Der ehemalige Bahnhof befindet sich südlich nahe der Quelle Meʿajan Elroʾi (, ,Eyal Shapiro (), “” (20. Mai 2016), auf: ; abgerufen am 3. Juni 2026. die sich von den hügeligen südwestlichen Ausläufern Untergaliläas,NN, “”, auf: ; abgerufen am 17. September 2025. in die Talenge zum gegenüberliegenden Karmel ergießt in den dort passierenden Verlauf des Qischons.Vgl. Survey Department of Palestine, Palestine – 1:20 000 Series Topocadastral: 180 Blatt, Tel Aviv: Survey Office, 1929–1930, Revision letzter Stand 1942, Blatt 15/23 ‹Dāliyat El Karmil› (1942).) Der Fluss passiert, flankiert von Verkehrsachsen (Trans-Israel-Route 20px, Landesstraße , Neue Jesreʿeltalbahn, Jesreʿeltalbahn) in dieser Talebene von der Jesreʿel-Ebene hinab in die Ebene Sebulon ().

Der Ingenieur Gottlieb Schumacher vermied bei Planung der Jesreʿeltalbahn Haifa–Darʿa aufwändige Kunstbauwerke zur Überwindung von Niveauunterschieden und wählte die Talenge für die Trasse der neuen Strecke. Zwei Kilometer nördlich der Quelle errichtete Schumacher die Bahnbrücke Gescher Dschalameh über den Qischon, wo die Bahnstrecke das Ufer wechselt, um die Quelle zu erreichen, wo die Dampflokomotiven Wasser nehmen konnten. Eben dort gründete eine Gruppe von Einwohnern der nahen Metropole Haifa 1935 die neue Ortschaft Elroʾi.

Durch die Lage war Elroʾi gut per Bahn an Haifa anzuschließen. Um bequem zum damaligen Bahnhof Haifa (er hieß ab 1937 Haifa Misrach [d. h. Ost]) pendeln zu können, der nur 24 Kilometer entfernt liegt, richtete die Bahngesellschaft Palestine Railways 1936 den Bahnhof Elroʾi auf Höhe von Kilometer 15 der Jesreʿeltalbahn ein.Walter Rothschild, Arthur Kirby and the last years of Palestine Railways: 1945–1948, Berlin: Selbstverlag, 2009, zugl. London King’s College Diss., 2009, Seite wie gesondert angegeben.

Geschichte Eine Gruppe von Einwohnern Haifas hatte sich in der aufstrebenden Hafenstadt soweit wirtschaftlich etabliert, dass sie eine Trabantenortschaft planten. Dazu erwarben sie vom Jüdischen Nationalfonds 1935 Gelände an der Jesreʿeltalbahn, die 1904 in Betrieb gegangen und 1905 bis Darʿa verlängert worden war. Auf dem Gelände entstand der neue Ort, der die Ortsgründer aus Anhänglichkeit zu ihrer kurdische Herkunft Elroʾi nannten nach dem Kurden David Alroy.

mini|Blick ins Wartehäuschen, 2016 Die Jesreʿeltalbahn hatte für Haifa wirtschaftlich belebend gewirkt, denn obwohl die Strecke ab Seehafen Haifa mit 160,9 Kilometern bis Darʿa und 286 Kilometern bis Damaskus doppelt so lang war als die Libanonbahn ab Beirut mit 143 Kilometern, war sie doch leistungsfähiger und bot niedrigere Fahrtarife, da sie ohne zeitraubende Zahnstangenetappen und Spitzkehren auskam und durch Spenden und Zwangsabgaben und nicht durch verzinsliche Kredite finanziert war.Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516–1918, Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, S. 113. ISBN 3-447-01636-1. Der neue Bahnhof Elroʾi bildete auch für die nahen Dörfer Schaʿar haʿAmaqim () und Qirjat ʿAmal (; seit 1958 zu Qirjat Tivʿon) die nächst erreichbare Bahnstation.NN, “” (Kulturerbestätten: Jesreʿeltalbahn Elroʾi), auf: Website der (Mōʿatzah lə-Schimmūr Atrej Mōreschet bəJisraʾel, ); abgerufen am 3. Juni 2026. Der Bahnhof hatte anfangs nur eine einfache offene Holzbaracke. Eine gewisse Renaissance des Transports erlebte die Jesreʿeltalbahn ab 1941 im Zuge und in Folge des Syrisch-Libanesischen Feldzugs, als sie den Alliierten diente, um das französische Mandatsgebiet den Vichy-Loyalisten zu entziehen und um die Verbindung zwischen Irak und Palästina zu sichern. Und angesichts der starken Beanspruchung der palästinensischen Baukapazitäten im Kriege ließen die Palestine Railways 1943 am Bahnhof Elroʾi ein festes, aber bescheidenes Wartehäuschen aus weißen Silikatblöcken errichten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang der Strecke. In einer Terrorkampagne, um die Mandatsherrschaft zu schädigen, verübte die Palmach, eine jüdische Untergrundorganisation, eine Serie von Terroranschlägen, die Nacht der Brücken (, 16./17. Juni 1946), und sprengte neben neun anderen Brücken auch den Dschisr al-Ḥammah (2. Jarmukbrücke), womit die Jesreʿeltalbahn Haifa–Darʿa zwischen britischem Mandatsgebiet und französischem Mandatsgebiet Syrien getrennt war, wie sich erwies auf Dauer. Großbritannien, erschöpft vom Zweiten Weltkrieg, gab den Mandatsauftrag für Palästina an die UNO ab und wollte sich so auch der seit 1946 häufigen Gewalt zwischen Militanten der palästinensischen Volksgruppen – nichtjüdische Araber und jüdische Hebräer – entledigen. Die UNO schlugen per Mehrheitsbeschluss im November 1947 den UN-Teilungsplan für Palästina vor, den die Regierungen der arabischen Nachbarstaaten nicht akzeptierten.“The Arab League: Declaration on the Invasion of Palestine (May 15, 1948)”, auf: Jewish Virtual Library; abgerufen am 3. Juni 2026.

Aus Sorge, die Jesreʿeltalbahn könnte Invasoren aus Nachbarstaaten dienlich sein, sprengte die Hagannah im März 1948 drei kleinere Brücken (bei den Kilometer 34, 44, und 69), womit der Verkehr auf der Strecke zum Erliegen kam.Jehudah Levanony (; 1945–2022), “”, in: , Nr. 259 (September 2018), S. 30–33, hier S. 31seq. ISSN 0334-2085. Bis Anfang Mai 1948, also vor der Gründung Israels am 14. Mai des Jahres, hatten jüdische Paramilitärs die Ebene Sebulon und damit die Strecke der Jesreʿeltalbahn ab Haifa bis über den Bahnhof Elroʾi hinaus für sich eingenommen, was in diesem Bereich dem UN-Teilungsvorschlag entsprach.

Die am 14. Mai 1948 aus den Palestine Railways hervorgegangene Rakkevet Jisraʾel (RI) nahm nach dem während des gleichen Tags begonnenen Krieg um Israels Unabhängigkeit den Bahnverkehr zwischen Chadera via Haifa bis Qirjat Motzkin im Juni 1948 wieder auf. Die Jesreʿeltalbahn ging erst im Juni 1949 wieder in Betrieb, jedoch nur im Abschnitt zwischen Haifa und Afula in der Jesreʿel-Ebene. Sie war als einzige Schmalspurstrecke der RI ein damals nachlässig unterhaltenes Anhängsel des übrigen normalspurigen Bahnbetriebs und galt als Auslaufmodell. Die RI stellte den Zugverkehr auf dieser Strecke ein und gab den Bahnhof Elroʾi auf. Der letzte Personenzug zwischen Haifa und Afula fuhr im November 1951NN, “” (30. August 2016), auf: Davar; abgerufen am 21. September 2025. und im Jahr darauf legte die RI die Strecke still. Die Lokomotiven und Eisenbahnwagen wurden 1954 am Bahnhof Haifa Misrach zusammengezogen.

Konversion des Bahnhofs zum Bürgertreff In den Folgejahren überwucherte die Natur die stillgelegten Bahnanlagen. Kurz vor Abriss des Bahnhofs Elroʾi erhoben einige Anwohner Einwände, gründeten eine Bürgerinitiative und beschlossen, den ihnen liebgewordenen Ort zu erhalten. Die Erhaltung und Pflege des Erbes der Jesreʿeltalbahn nahm ihren Anfang. Die Anlage wurde von Schutt und irregulär abgekipptem Müll beräumt und begrünt. Der Bahnhof wurde 1977 restauriert, wo die örtliche Bürgerinitiative einen Bürgertreff mit Erinnerungsstücken der lokalen Bahngeschichte einrichtete, wo sich auch Informationen zur Qischonbrücke und über die Jesreʿeltalbahn fanden. Im Zuge der Erhaltungsarbeiten wurden ab 1997 die Bauten professionell restauriert. Die Initiative beschloss, den historischen Stationsnamen wieder anzubringen, was dann 2010 auch geschah.Dudu Dajjan (), “” (9. Mai 2010), auf: Ynet ; abgerufen am 3. Juni 2026.

mini|Blick vom Schattenplatz des Besucherzentrums auf Waggon und altes Wartehäuschen am Bahnhof Elroʾi, 2024 Am ehemaligen Bahnhof Elroʾi schuf der Architekt Nathan Kessel () 2006 das Informations- und Besucherzentrum zum Gedenken Nir Kahanas (),Nir Kahana (; 1985–2005), geboren und aufgewachsen in Qirjat Tivʿon, fiel in seiner Wehrpflichtzeit am 8. Dezember 2005, eben zwanzigjährig, am Jerusalemer Kontrollpunkt Qalandia durch Anschlag von der Hand eines Terroristen, als Kahana dort seinen Dienst tat. Vgl. NN, “”, auf: ; abgerufen am 14. September 2025. das Besucher zum Lernen, Rasten und Genießen der Aussicht einlädt.NN, “”, auf: ; abgerufen am 14. September 2025. Kahanas Eltern und Brüder wählten diesen Ort, weil der ehemalige Bahnhof der Jesreʿeltalbahn Haifa–Darʿa friedliche internationale Verbindungen der Menschen mit den Schönheiten der lokalen Natur kombiniert, was dem Gefallenen beides am Herzen lag. Die Rakkevet Jisraʾel beteiligte sich an der Zusammenarbeit und spendete alte Personen- und Güterwagen, die als Normalspurwagen auf anderen Strecken eingesetzt wurden. Einer der Waggons hat ein Bremserhäuschen. Er beherbergt ein kleines Museum zur Geschichte Elroʾis. Bunte, zu runden Lauben geformte Stahltrapezprofile verschatten das Gleis und bieten Platz für Gruppen, für Besprechungen und Ruhe. Am Südende der Lauben sind die Schienen nach oben gebogen und bilden so mit den Schwellen eine Art Himmelsleiter.

mini|Normalspurige Wagen in bunten Farben auf kurzen Dreischienen­gleisen Am Eingang der Bahnhofsanlage befindet sich ein Felsbrocken mit Gedenktafeln für im Krieg gefallene Israelis aus Elroʾi. Die Erneuerung der Anlagen in Elroʾi zeichneten der Rat zum Schutz der Erbestätten in Israel () mit seinem Denkmalpreis und die Ford Foundation mit einem Preis für Umweltschutz aus. Mitglieder der Bürgerinitiative um Nachum Levy wie auch andere Anwohner in Elroʾi arbeiten ehrenamtlich an Pflege und Erhaltung des Geländes.

Im Zusammenhang mit dem Autobahnbau des Abschnitts der Trans-Israel-Route 20px zwischen 2014 und 2018 in der Ebene Sebulon, der den Park haʿAmaqim () durchschneidet, begannen Jüdischer Nationalfonds (JNF), Gewässerverband QischonIsraelische Gewässerverbände wie die Behörde des Stromes Qischon () fassen die Anliegerkommunen und andere Organisationen mit Interessen am jeweiligen Gewässer, wie Wasser- und Abwasserversorger oder Großnutzer von Quellen qua Gesetz zu einer Körperschaft zusammen. und Umweltministerium die Erneuerung des Parks.NN, “” (13. Oktober 2010), auf: KKL - JNF :; abgerufen am 17. September 2025. Neue und erneuerte Wanderwege reichen nun durchgehend entlang des Qischons durch den Park haʿAmaqim von seinem nördlichen Ende bei Kfar Chassidim über Elroʾi bis Qirjat Charoschet (), ein südwestlicher Vorort von Qirjat Tivʿon. Der Weg ist der Länge nach durch den Park Teil des Fernradwegs vom Mittelmeer den Unterlauf des Qischons entlang und weiter über ʿEin Charod bis zum Jordangraben.

Bahnhof Joqneʿam-Kfar Jehoschuʿa Die 2016 in Betrieb gegangene Neue Jesreʿeltalbahn, die einen südwestlichen Teil der alten Jesreʿeltalbahn bedient, passiert Elroʾi westlich an den Hängen des Karmels. Die zu Elroʾi nächstgelegene Station ist der Bahnhof Joqneʿam-Kfar Jehoschuʿa 4,8 Kilometer südöstlich vom alten Bahnhof Elroʾi.

Weblinks

Dudu Dajjan (), “” (9. Mai 2010), auf: Ynet “” (Kulturerbestätten: Jesreʿeltalbahn Elroʾi), auf: Website der (Mōʿatzah lə-Schimmūr Atrej Mōreschet bəJisraʾel, )

Einzelnachweise

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