Die Medienunternehmen in Belgien umfassen öffentlich-rechtliche und private Akteure in den Bereichen Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Medien. Belgien ist mit rund 11,6 Millionen Einwohnern ein institutionell komplexes Land, in dem die Medienkompetenz nicht beim Bund, sondern bei den drei Sprachgemeinschaften – der flämischen, der französischsprachigen und der deutschsprachigen – liegt.EurOMo (2025): Belgium. Country report 2025. DOI:10.25598/EurOMo/2025/BE. KU Leuven / VUB. Online: media-ownership.eu
Im World Press Freedom Index belegt Belgien 2026 Platz 16 von 180 Ländern.RSF: Länderprofil Belgien. Online: rsf.org
Überblick und Marktstruktur
Belgiens Medienmarkt ist in drei weitgehend separate Medienmärkte nach Sprachgemeinschaft unterteilt: den flämischen (Niederländisch), den wallonischen/brüsseler (Französisch) und den ostbelgischen (Deutsch). Im flämischen Markt dominiert DPG Media als größter Verlag; im französischsprachigen Markt sind Groupe Rossel und IPM die führenden Druckverlage. Mediahuis (belgisch-niederländisch) ist im flämischen Zeitungsmarkt stark vertreten.
Geschichte
Das belgische Radio begann 1923; das Fernsehen nahm 1953 seinen Betrieb auf. Durch die Föderalisierung Belgiens ab den 1970er-Jahren erhielten die Sprachgemeinschaften sukzessive die Rundfunkhoheit. Die öffentlich-rechtlichen Sender VRT (Flandern) und RTBF (Wallonie) entstanden als eigenständige Anstalten; private Fernsehsender wurden ab 1989 zugelassen.
Öffentlich-rechtliche Medien
VRT (Flandern)
VRT (Vlaamse Radio- en Televisieomroeporganisatie) ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk der flämischen Gemeinschaft und Mitglied der EBU. VRT betreibt Één, Canvas, Ketnet (Fernsehen) sowie Radio 1, Radio 2, Klara, Studio Brussel und MNM (Radio) sowie VRT Max (Streaming).VRT: Over de VRT. Online: vrt.be
RTBF (Französischsprachige Gemeinschaft)
RTBF (Radio-télévision belge de la Communauté française) ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Fédération Wallonie-Bruxelles und Mitglied der EBU. RTBF betreibt La Une, La Deux, La Trois (Fernsehen) sowie mehrere Radioprogramme (La Première, Vivacité, Classic 21, Musiq'3).RTBF: À propos de la RTBF. Online: rtbf.be
Private Medienlandschaft – Flandern
DPG Media
DPG Media NV (Eigentümer: Familie De Persgroep/van Thillo) ist der größte flämische Medienkonzern und verlegt De Morgen, Het Laatste Nieuws, Het Nieuwsblad sowie diverse Magazine (57 % Marktanteil im flämischen Magazinsegment). DPG Media ist außerdem in den Niederlanden (RTL Nederland, diverse Tageszeitungen) aktiv.
Mediahuis (Flandern)
Mediahuis NV verlegt im flämischen Markt De Standaard, Gazet van Antwerpen und Het Belang van Limburg. Mediahuis ist auch in den Niederlanden (NRC, De Telegraaf), Irland (Irish Independent) und Luxemburg aktiv.
Private Medienlandschaft – Französischsprachige Gemeinschaft
Groupe Rossel
Groupe Rossel verlegt Le Soir sowie unter der Marke SudInfo fünf Regionaltitel (La Meuse, La Gazette, Le Province, Nord Éclair, La Capitale) und das einzige deutschsprachige belgische Tageblatt Grenz-Echo. Das Gratistageblatt Metro wurde im Oktober 2023 eingestellt.
IPM
IPM (La Libre Belgique Group) verlegt La Libre Belgique, La Dernière Heure/Les Sports und L'Avenir (regional).
Regulierung
Für den flämischen Medienmarkt ist die VRM (Vlaamse Regulator voor de Media) zuständig; für den französischsprachigen der CSA (Conseil supérieur de l'audiovisuel); für die deutschsprachige Gemeinschaft der Medienrat. Eine gesamtbelgische Medienregulierungsbehörde existiert nicht. Siehe auch Listen von Medienunternehmen nach Staat Literatur Euromedia Ownership Monitor (EurOMo, 2025): Belgium. Country report 2025. DOI:10.25598/EurOMo/2025/BE Reuters Institute (2025): Digital News Report 2025 – Belgium. Link
Weblinks
EurOMo – Länderbericht Belgien 2025 RSF – Länderprofil Belgien VRM – Vlaamse Regulator voor de Media CSA – Conseil supérieur de l'audiovisuel Einzelnachweise
Belgien Kategorie:Medienunternehmen (Belgien)