mini|Carl Nyholm im Oktober 2000 Carl Nyholm (* 3. Februar 1929 in Grenå; † 26. Januar 2026 in Kopenhagen) war ein dänischer Lehrer, Leiter des Dänischen Kulturinstituts in Mailand und Direktor der Dänisch-Deutschen Akademie in Hamburg.

Leben und Berufsweg Nach dem Schulbesuch machte Nyholm eine kaufmännische Lehre und erst danach das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. An der Universität Kopenhagen absolvierte er ein Studium der Komparatistik und der Italianistik. Schon während des Studiums engagierte er sich in der Sozialarbeit mit jungen Menschen in der Dansk Forsorgsselskab (Gesellschaft für Sozialfürsorge), Die Dansk Forsorgsselskab gewährt Personen, die mit dem Strafrecht in Konflikt geraten sind, finanzielle Unterstützung, um erneuten Straftaten vorzubeugen. Und sie unterstützt Maßnahmen zur Kriminalitätsprävention. in Kofoeds Skole (Kofoeds-Schule) Die Kofoeds-Schule in Kopenhagen ist eine Einrichtung, die Sozialarbeit für Erwachsene nach dem „sozialpädagogischen“ Prinzip der persönlichen und beruflichen Stärkung leistet. Die 1928 von Hans Christian Kofoed (1898–1952) gegründete Schule stützt ihre Arbeit auf christliche und humanitäre Grundsätze sowie unter anderem auf die dänische Volkshochschulbewegung. Sie bietet Bildungsangebote, Workshop-Aktivitäten, Beratung, Unterkunft, Nothilfe und Hilfsmaßnahmen an. Ziel der Schule ist es, Menschen mit sozialen Problemen dabei zu unterstützen, ihr soziales Leben zu verbessern, und sie aus ihrer benachteiligten sozialen Lage zu befreien. Die Bemühungen sind ganzheitlich angelegt und die Ziele auf die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen der Menschen abgestimmt. und im Jugendstrafvollzug. Danach arbeitete er als Lehrer in Folkeskolen und Heimvolkshochschulen.

1960er Jahre Von 1960 bis 1963 leitete er die Skandinavische Heimvolkshochschule beim Dänischen Kulturinstitut in Ravello und Praiano in Italien. Danach wurde er Direktor des Istituto Danese di Cultura (Dänisches Kulturinstitut), heute Istituto Culturale Nordico, in Mailand und war als Assistent von Marco Scovazzi (1923–1971) Marco Scovazzi war ein italienischer Professor für Germanische Philologie mit dem Schwerpunkt „Nordische Literaturen“. Lehrbeauftragter für dänische Sprache und Literatur an der Universität Mailand. In seiner Funktion als Institutsleiter organisierte er Dänischkurse und plante zahlreiche Studienfahrten für deutsche und skandinavische Behörden, Verbände und Bildungseinrichtungen nach Italien. In Mailand arbeitete er bis 1969. In dieser Zeit begann er, sich mit Dante zu beschäftigen und speziell mit dessen Göttlicher Komödie. Es gab zu der Zeit bereits sehr viele Übersetzungen ins Deutsche. Von der ersten vollständigen Übersetzung jedoch, die Leberecht Bachenschwanz zwischen 1767 und 1769 verfasst hatte und die Nyholm für die beste hielt, gab es noch keine typografisch leicht lesbare Fassung. Daher fertigte er eine maschinelle Abschrift dieser Übersetzung an und schuf damit ein bedeutendes Werkzeug für die moderne Dante-Forschung. 2003 besorgte er auch das Digitalisat dieser Abschrift. Allerdings enthält es nur die ersten drei Gesänge der Hölle. Dem Text von Bachenschwanz hat er auch noch den italienischen Text hinzugefügt. Digitalisat der Bachenschwanz-Abschrift Mit Dante hat er sich bis in sein hohes Alter beschäftigt. Carl Nyholm war bis zu seinem Tod Mitglied der deutschen Dante-Gesellschaft.

Zwischen 1964 und 1967 übersetzte er zusammen mit Poul Henningsen fünf Theaterstücke von Bertolt Brecht, die bei Gyldendal veröffentlicht wurden. Die Theaterstücke sind in Tyske intellektuelle i det 20. århundrede (Deutsche Intellektuelle im 20. Jahrhundert), hg. von Morten Dyssel Mortensen und Niklas Olsen. Kopenhagen, Gyldendal, 2005, aufgelistet. 1983 war er an einer Schallplattenproduktion der Schauspielerin und Sängerin Brigitte Bruun mit den Liner-Notes und der Übersetzung von 11 von 16 Liedertexten beteiligt. Brigitte Bruun und das Kopenhagen-Musik-Ensemble: Om Krig og Kærlighed – Sange af Brecht og Tucholsky (Von Krieg und Liebe – Lieder von Brecht und Tucholsky). In: Discogs, 1983 (dänisch). Nyholm sprach fließend – außer Dänisch – Deutsch, Italienisch und Englisch.

1970 bis 1990er Jahre Von 1970 bis 1999 arbeitete Nyholm als Direktor der Dänisch-Deutschen Akademie in Hamburg. Das war die längste Zeit seines Arbeitslebens. Die Akademie war 1968 gegründet worden als Nachfolgeeinrichtung des Jugend-Europahauses, das Karl Nielsen geleitet hatte, und residierte in dessen früherem Holzhaus in Hamburg-Horn. In dem Gebäude hatte er auch seine Wohnung. Aufgabengebiete der Dänisch-Deutschen Akademie waren die Förderung internationaler Kontakte auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung, die jugendpolitische Bildungsarbeit mit deutschen und dänischen Jugendlichen, vor allem solchen in Ausbildungsverhältnissen, die Durchführung von Tagungen mit gesellschaftspolitischen und allgemeinbildenden Themen, die Organisation und Realisation von Tagungen und Seminaren zu spezifischen Themen der Arbeitswelt sowie von Tagungen und Seminaren zu bildungsspezifischen Themen und die Durchführung von Studienfahrten nach Dänemark. Allein in den Jahren 1970–1973 wurden von der Akademie 146 Tagungen mit 4775 Teilnehmern durchgeführt. Walter Mühlhausen: Dansk-Tysk Akademi. Jugend-Europahaus 1949–1999. Geschichte einer Begegnungsstätte, Typoskript. Hamburg 2007. S. 111ff. Außerdem oblag ihm die Koordinierung des Neubaus der Akademie 1983–1984. Begleitet wurde Nyholms Arbeit durch den Vorstand des Trägervereins der Akademie, namentlich durch die Vorsitzenden: Senator a. D. Jan Ehlers und den Historiker und Politiker Walter Tormin und, als Schatzmeister, den Oberstudienrat an der Wichern-Schule, Walter Mühlhausen. 1996 wurde Carl Nyholm vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg für seine Verdienste um die Beziehungen zwischen der Stadt Hamburg und dem Königreich Dänemark mit dem Professorentitel geehrt. „Die Auszeichnung erfolgt, so die damalige Senatorin Helgrit Fischer-Menzel, in Würdigung der hervorragenden Verdienste um die kulturelle und bildungspolitische Zusammenarbeit in Europa, insbesondere zwischen Dänemark und Hamburg“. Walter Mühlhausen: Dansk-Tysk Akademi. Jugend-Europahaus 1949–1999. Geschichte einer Begegnungsstätte. Typoskript. Hamburg 2007, S. 210. 1999 musste die Akademie ihre Arbeit einstellen, weil die dänische Regierung ihren Anteil an der Finanzierung nicht länger aufbringen wollte. Kirsten Pruzan Mikkelsen: Danmark har tabt Hamborg. In: „Berlingske Tidende“, 14. Maj 2000. So beendete Carl Nyholm sein Berufsleben mit 70 Jahren und lebte fortan in Kopenhagen und Hurup, wo er ein Haus besaß. Er reiste viel und widmete sich seinen Studien über Dante.

Letzte Lebensjahre Seine letzten Lebensjahre verbrachte er ab 2021 im Nybodergården Plejecenter (Nybodergården-Pflegeheim) in der Kronprinsessegade im Kopenhagener Stadtteil Indre By. Hier entdeckte er seine späte Leidenschaft für das Rad-(Mit)-Fahren und engagierte sich bei cykling uden alder (Radeln ohne Alter). Ole Kassow: Nachruf für Carl Nyholm. In: Cykling uden alder (dänisch). Er starb eine Woche vor seinem 97. Geburtstag.

Carl Nyholm war mit Bodil Nyholm verheiratet und hatte zwei Töchter: die verstorbene Mathilde und Ida Geske.

Anmerkungen und Einzelnachweise

Literatur Ole Kassow: Nachruf für Carl Nyholm. In: Cykling uden alder (dänisch). Walter Mühlhausen: Dansk-Tysk Akademi. Jugend-Europahaus 1949–1999. Geschichte einer Begegnungsstätte, Typoskript. Hamburg 2007.

Kategorie:Pädagoge Kategorie:Sozialarbeiter Kategorie:Lehrer (Königreich Dänemark) Kategorie:Erwachsenenbildung Kategorie:Internationale Jugendarbeit Kategorie:Hamburg-Horn Kategorie:Person (Hamburg) Kategorie:Däne Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann