Helene Louise Henriette Eleonore Meyer (* 4. November 1866 in Jork/Kreis Stade; † 9. April 1945 in Berlin-Schmargendorf) war eine deutsche Krankenschwester, Frauenrechtlerin und gehörte zur Frauengruppe um Agnes Karll, Pflegereformerin in Deutschland.
Leben Helene Meyer wurde als Tochter des Geheimen Regierungsrates Adolf Ludwig Theodor Meyer und dessen Ehefrau Emilie, geborene Lütge, geboren. Im Jahr 1902 arbeitete sie als Krankenschwester im Eppendorfer Krankenhaus in Hamburg. Die Schwesternschaft daselbst wurde von Hedwig von Schlichting geleitet. Vom 4. Oktober bis zum 7. Oktober 1902 wurde in Wiesbaden die Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF) abgehalten. Auf dieser Generalversammlung trug Helene Meyer eine Petition zur „Verbesserung der sozialen Situation der nicht Mutterhaus gebundenen Schwestern“ vor. An dieser Petition hatten auch die Frauenrechtlerinnen Elisabeth Storp, Marie Cauer und Agnes Karll mitgearbeitet. Mit Unterstützung des Evang. Theologen Friedrich Zimmer, des Begründers des Evang. Diakonievereins in Berlin-Zehlendorf, war es gelungen, diese Petition auf der Wiesbadener Versammlung zur Diskussion vorzutragen.Eva Hummel: Krankenpflege im Umbruch (1876–1914). Schulz, Freiburg i. B. 1986. Agnes Karll, die heute die Bekannteste aus diesem engagierten Team von Frauen geworden ist, war damals die Unscheinbarste. Sie musste zur Teilnahme in Wiesbaden erst ermutigt werden.Karin Wittneben: Helene Meyer. In: Horst-Peter Wolff (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band zwei. Urban&Fischer, München/Jena 2001, S. 156 f. Am 11. Januar 1903 wurde die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (B.O.K.D.), eine Vorläuferorganisation des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe), im Anschluss an Wiesbaden gegründet.Anna Sticker: Agnes Karll. Die Reformern der deutschen Krankenpflege. Aussaat, Wuppertal 1977.Christoph Schweikardt: Die Entwicklung der Krankenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Martin Meidenbauer, München 2008, S. 159 f. C. Schweikardt: Entwicklung KP Vorsitzende wurde Agnes Karll. Meyer wurde Gründungsmitglied. Im Sommer 1907 arbeitete Meyer als Krankenschwester an den neu gegründeten Düsseldorfer Krankenanstalten. Sie sollte hier eine Schwesternschaft im Interesse der B.O.K.D. begründen. Dieser Plan zerschlug sich, weil das Direktorium, so vor allem der Pädiater Arthur Schloßmann, den damals so genannten „Oberinnendespotismus“ befürchtete. Im Mai 1908 wurde Meyer Oberin des Städtischen Krankenhauses in Dortmund. Sie übernahm auch die Leitung der Schwesternschaft, die diesem Haus angegliedert war. Helene Meyer war eine gewandte Rednerin und unterstützte Agnes Karll, die Vorsitzende des B.O.K.D., intellektuell und sogar finanziell. Meyer verhielt sich Karll gegenüber bis zu deren Tod 1927 immer loyal. Bei der Trauerfeier in Gadebusch würdigte Meyer in einem Nachruf das Lebenswerk Agnes Karlls, an dem sie doch selbst so maßgeblich beteiligt gewesen war, ohne sich selbst dabei auch nur einmal hervorzutun.Margarete Winter: Besuch in Gadebusch/DDR zum 60. Todesjahr am Grab von Agnes Karll. In: Krankenpflege 42 (5). 1988, S. 246–247. Von der freigewerkschaftlichen „Schwesternschaft der Reichssektion Gesundheitswesen“, die 1928 ihren Dienst antrat, distanzierte sich Meyer. 1929, 63-jährig, verließ Meyer den B.O.K.D.-Vorstand. Meyer wurde im April 1945 tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Als Todesursache wird in der Sterbeurkunde „Tod durch Gasvergiftung“ angegeben.Landesarchiv Berlin. Auskunft über Recherchen in der historischen Einwohnermeldekartei von 1875 bis 1960 – Bestand Rep. 021. Helene Meyer war unverheiratet. Personalien von Angehörigen werden als nicht bekannt eingetragen. Trotz jahrzehntelanger maßgeblicher Mitgliedschaft und Mitarbeit in einer Berufsorganisation starb sie einen einsamen Tod.Karin Wittneben: Helene Meyer. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band sechs. hpsmedia, Hungen 2012, S. 196 f. Über ihren Verbleib in den Ruhestandsjahren von 1933 bis 1945 ist bislang nichts bekannt geworden.
Über die Einstellung von Helene Meyer zur nationalsozialistischen Ideologie lässt sich nur mutmaßen. In einem Bericht, den Helene Meyer über den Verlauf des 31. Stiftungsfestes der BOKD 1934 verfasste, bezeichnete Meyer Magdalene von Tiling, die als Festrednerin geladen worden war, als eine Frau mit einigender Funktion durch Bekenntnis zu Deutschtum und Christentum. Die Religionslehrerin Magdalene von Tiling gehörte der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) an. Die BOKD suchte mit dieser Einladung Kontakt zum rechten Parteienspektrum. Tiling, so Meyer lobend, trete entschieden der Auffassung entgegen, dass die Verschiedenheit der Lebensgebiete von Mann und Frau verwischt werde. Andererseits verhielt sich Meyer deutlich distanzierter als beispielsweise die Vorständin Helene Blunck.
Veröffentlichungen Helene Meyer: Das 31. Stiftungsfest der BOKD. In: Zeitschrift der Reichsfachschaft Deutscher Schwestern und Pflegerinnen. 2. Jg., (2), 1934, S. 31–32. Helene Meyer: Die Berliner Schwesternzusammenkunft am 21. Februar 1934. In: Zeitschrift der Reichsfachschaft Deutscher Schwestern und Pflegerinnen. 2. Jg., (3), 1934, S. 50–51.
Literatur Anna Sticker: Agnes Karll. Die Reformern der deutschen Krankenpflege. Aussaat, Wuppertal 1977. Eva Hummel: Krankenpflege im Umbruch (1876–1914). Schulz, Freiburg i. B. 1986. Margarete Winter: Besuch in Gadebusch/DDR zum 60. Todesjahr am Grab von Agnes Karll. In: Krankenpflege 42 (5). 1988, S. 246–247. Horst-Peter Wolff: Vergleichende Geschichte der medizinischen Berufsbildung. Eine Einführung für Lehrkräfte der Medizinalberufe. Recom, Basel/Eberswalde 1994. Karin Wittneben: Helene Meyer. In: Horst-Peter Wolff (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band zwei. Urban&Fischer, München/Jena 2001, S. 156 f. Christoph Schweikardt: Die Entwicklung der Krankenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Martin Meidenbauer, München 2008, S. 159 f. C. Schweikardt: Entwicklung KP Karin Wittneben: Helene Meyer. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band sechs. hpsmedia, Hungen 2012, S. 196 f.
Einzelnachweise
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