Maida Lübben (* 31. März 1876 in Ueckermünde; † 19. November 1946) war eine deutsche Krankenschwester und von 1927 bis 1933 zweite Generaloberin der Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (B.O.K.D.), einer Vorläuferorganisation des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe). Werdegang Maida Lübben wurde als Tochter eines Kreisphysicus in Ueckermünde (Vorpommern) geboren.Anna Sticker: Agnes Karll. Die Reformerin der deutschen Krankenpflege. Aussaat, Wuppertal 1977. Sie wurde durch Hauslehrer unterrichtet, die ihr Latein und Griechisch beibrachten. Diese Sprachen konnten Frauen an allgemeinbildenden Gymnasien damals noch nicht erlernen, da es noch keine gymnasiale Bildung für Frauen gab. Kurz vor ihrem 21. Lebensjahr trat sie in die „Schwesternschaft des Ev. Diakonievereins“ in Berlin-Zehlendorf ein und beendete am 15. April 1898 ihre Ausbildung, höchstwahrscheinlich als Krankenschwester.Marianne Schmidbaur: Vom ‚Lazaruskreuz‘ zu ‚Pflege aktuell‘. Professionalisierungsdiskurse in der deutschen Krankenpflege 1903–2000. Helfer, Königstein/Taunus 2002. Anschließend besuchte sie „Dr. Müllers Handelsschule“ in Berlin. Schon einen Monat nach Gründung der B.O.K.D. am 11. Januar 1903 trat sie mit der Mitgliedsnummer 87 in diese Organisation ein. Im Aufnahmebogen bewertete sie ihre Englisch- und Französischkenntnisse als „gut“, ihre Latein- und Griechischkenntnisse als „mässig“. Am 15. Januar 1910 rückte sie innerhalb der B.O.K.D. in die Position der Büroschwester auf.Margarete Lungershausen: Agnes Karll. Ihr Leben, Werk und Erbe. Staude, Hannover 1964, S. 75 f. Von September 1914 bis Juli 1916 während des Ersten Weltkriegs organisierte die B.O.K.D. für Österreich-Ungarn die Pflege in zwanzig Quarantäneeinrichtungen durch rund eintausend ausgebildete Krankenpflegerinnen aus Deutschland, der Schweiz, aus Holland, Norwegen und Dänemark. Die Einrichtungen wurden regelmäßig von Agnes Karll und Maida Lübben besucht. Auch die spätere Lebensgefährtin Agnes Karlls, die Schweizerin Emmy Oser, war bei diesen Besuchen mit dabei.Universität Koblenz am 12. Februar 2025: Nachlass von Agnes Karll zu Forschungszwecken der Uni Koblenz übergeben, abgerufen am 24. Mai 2026. Als die Vorsitzende Agnes Karll, die Reformerin der Krankenpflege in Deutschland, Anfang der 20er Jahre erkrankte, rückte Lübben wie selbstverständlich in diese Position auf.Deutscher Berufsverband für Krankenpflege (DBfK) e.V.: Entwicklung, Zielsetzungen, Aktivitäten von 1903 bis 1983. Herausgegeben anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Berufsverbandes. 3. Auflage 1989. Druckerei Henrich, Frankfurt/Main, S. 21.Ruth Elster: Der Agnes-Karll-Verband und sein Einfluß auf die Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflegeberufe und eines Berufsverbandes. Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 29. ISBN 3-933050-48-0, 2. Aufl. 2013. Ihre Jahre als Generaloberin verliefen glanzlos, zu groß waren die Fußstapfen Agnes Karlls. Die Zeit war für den Verband aber insgesamt schwer. Die vor 1930 einsetzende Depression des Wirtschaftsleben und die damit verbundene allgemeine Arbeitslosigkeit traf die freiberufliche Krankenpflegerin besonders hart. Der Einzelvertrag, der der Schwester die völlige Selbstständigkeit gebracht hatte, zeigte sich nun von seiner weniger guten Seite. Die in finanzielle Schwierigkeiten geratenden Privatkliniken und Sanatorien waren rasch mit der Kündigung bei der Hand. Ebenso entledigten sich die Krankenanstalten zuerst derjenigen Schwestern, die nur in einem losen Vertragsverhältnis zu ihnen standen. Mutterhäuser und Schwesternschaften konnten innerhalb der eigenen und mit ihnen vertraglich verbundenen Krankenhäuser ihren Schwestern leichter einen Arbeitsplatz sichern oder einen Ausgleich schaffen. So konnte man den Schwestern nach dem Examen den Schülerinnenplatz weiterhin sichern oder Schwestern, die es sich leisten konnten, nahmen unbezahlten Urlaub, um ihren Platz während dieser Zeit für eine Mitschwester frei zu machen.Liselotte Katscher: Geschichte der Krankenpflege. Ein Leitfaden für den Unterricht an Krankenpflegeschulen. Geistlicher Zeitschriftenverlag, Berlin 1957, S. 107. Es kam in den Jahren des Vorsitzes von Maida Lübben im Mitteilungsblatt der B.O.K.D. „Unterm Lazaruskreuz“ zu einer deutlichen Entpolitisierung. 1933 kam es zu einer Kampfabstimmung um die Position der Generaloberin zwischen Maida Lübben und Helene Blunck, die Letztere für sich entscheiden konnte. Maida Lübben war der konservativ nationalen Fraktion zuzurechnen, Helene Blunck dem Reformflügel um Marie Cauer. Paradoxerweise stand dieser Reformflügel 1933 hinter der neuen Regierung, dem Nationalsozialistischen Regime, wenn man den Worten Helene Bluncks folgt. Maida Lübben wurde nach der Abstimmung Unzuverlässigkeit und Missmanagement vorgeworfen. Lübben wehrte sich gegen diese Vorwürfe und prozessierte gegen die B.O.K.D. Das verbandsinterne Zerwürfnis wurde durch NSDAP-Reichsinnenminister Wilhelm Frick beendet, der Blunck im Amt bestätigte.Karin Wittneben: Maida Lübben. In: Horst-Peter Wolff (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band drei. Elsevier, München 2004, S. 184 f. Lübben beendete nun ihre Mitgliedschaft in der B.O.K.D. im Alter von fast 60 Jahren. Sie verstarb am 19. November 1946 im Haus ihres Bruders.
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Liselotte Katscher: Geschichte der Krankenpflege. Ein Leitfaden für den Unterricht an Krankenpflegeschulen. Geistlicher Zeitschriftenverlag, Berlin 1957, S. 107 f. Margarete Lungershausen: Agnes Karll. Ihr Leben, Werk und Erbe. Staude, Hannover 1964, S. 75 f. Anna Sticker: Agnes Karll. Die Reformerin der deutschen Krankenpflege. Aussaat, Wuppertal 1977. Deutscher Berufsverband für Krankenpflege (DBfK) e.V.: Entwicklung, Zielsetzungen, Aktivitäten von 1903 bis 1983. Herausgegeben anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Berufsverbandes. 3. Auflage 1989. Druckerei Henrich, Frankfurt/Main, S. 21. Liselotte Katscher: Krankenpflege und Drittes Reich. Der Weg der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins 1933–1939. Verlagswerk der Diakonie, Stuttgart 1990. Ruth Elster: Der Agnes-Karll-Verband und sein Einfluß auf die Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflegeberufe und eines Berufsverbandes. Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-933050-48-0, 2. Aufl. 2013. Marianne Schmidbaur: Vom ‚Lazaruskreuz‘ zu ‚Pflege aktuell‘. Professionalisierungsdiskurse in der deutschen Krankenpflege 1903–2000. Helfer, Königstein/Taunus 2002. Karin Wittneben: Maida Lübben. In: Horst-Peter Wolff (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band drei. Elsevier, München 2004, S. 184 f.
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