Als Sizilianische Legende wird ein Gerücht des Jahres 1939 bezeichnet, das bei der Optionsentscheidung von Südtirolern umging. Das Gerücht besagte, dass optionsberechtigte Südtiroler, die nicht umsiedlungswillig waren, zwangsweise nach Sizilien oder gar Abessinien, aber zumindest in Gegenden „südlich des Po“ umgesiedelt werden sollten. Das Gerücht entstand aus Zweideutigkeiten und wurde vom Völkischen Kampfring Südtirols (VKS) in Flugblättern unters Volk gebracht, um die Südtiroler erfolgreich zur „Rückwanderung“ ins Deutsche Reich (Heim ins Reich) zu bewegen.
Entstehung Der erste umfassende Artikel über ein Umsiedlungsabkommen zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland erschien am 3. Juli 1939 in der Neuen Zürcher Zeitung.
Diese Meldung schockierte die Öffentlichkeit und führte zu einer Verstimmung zwischen Rom und Bern. Die daraus entstandenen Nachforschungen der schweizerischen Botschaft in Rom ergaben, dass die Meldung auf drei verschiedenen nicht genannten Quellen beruht habe und der NZZ-Korrespondent in Mailand vom dortigen Generalkonsulat eine (falsche) Bestätigung dafür erhalten habe. Eine zwangsweise Umsiedlung von volksdeutschen Südtirolern italienischer Staatsangehörigkeit war nicht geplant, sondern reichsdeutsche Staatsangehörige sollten evakuiert werden oder andernfalls nach Süditalien umziehen müssen. Mussolini erbat über den italienischen Botschafter in Berlin am 7. Juli ergebnislos eine gemeinsame offizielle Richtigstellung der falschen Annahmen und Behauptungen.
Unabhängig davon erklärte am 6. Juli der Bozener Präfekt Mastromattei, der nur die „politisch unruhigen Elemente“ aus dem Lande haben wollte und ansonsten die Freiwilligkeit der Umsiedlung betonte, dass 20.000 Unbeugsame einer schwarzen Liste auf jeden Fall nach Deutschland abwandern müssten oder andernfalls südlich des Po umgesiedelt würden. Da er als führender Exponent der faschistischen Italienisierungspolitik galt, erschienen seine späteren Klarstellungen und Dementis den Südtiroler Volksdeutschen als unglaubwürdig. Im Oktober erhielt das Gerücht weiteren Auftrieb, als bekannt wurde, dass Mussolini davon gesprochen habe, Latifundien in Sizilien aufzuteilen und 20.000 Bauernhöfe daraus zu machen. Die deutsche Presse sprach daraufhin von sizilianischen Höfen für auswanderungsunwillige Südtiroler.
Einordnung Das Gerücht wurde von der nationalsozialistischen Propaganda der reichsdeutschen Umsiedlungsstellen und dem VKS unter das Volk gebracht und gilt als ein Instrument, das half, eine möglichst hohe Zahl von optionsberechtigten Südtirolern für den Erwerb der deutsche Staatsbürgerschaft und die Auswanderung aus der Heimat zu gewinnen. Fraglich ist, ob die sizilianische Legende bewusst vom deutschen Generalkonsul in Mailand Otto Bene in die Welt gesetzt wurde. Die Legende kann jedenfalls den Schwenk des VKS von der ursprünglichen kategorischen Ablehnung hin zur völligen Unterstützung nicht bewirkt haben, da dieser schon für den 29. Juni dokumentiert ist.
Literatur
Einzelnachweise
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