Der Südwestliche Langnasenbeutler (Perameles myosuros), in der indigenen Sprache Australiens als Marl, Nyemmel oder Nymal (Noongar) bezeichnet, ist eine ausgestorbene Beuteltierart aus der Gattung der Langnasenbeutler (Perameles) in der Familie der Eigentlichen Nasenbeutler (Peramelidae).
Merkmale Der Südwestliche Langnasenbeutler erreichte eine Kopf-Rumpf-Länge von 190 bis 260 mm bei den Männchen und 255 bis 270 mm bei den Weibchen. Die Schwanzlänge betrug 60 bis 108 mm bei den Männchen und 95 bis 110 mm bei den Weibchen. Das geschätzte Körpergewicht betrug durchschnittlich 605 g bei den Männchen und 770 g bei den Weibchen.
Das Fell war oberseits graubraun mit einer breiten, dunklen Bänderung über den Hinterbeinen. Die Schnauzenseiten und die Unterseite waren weiß. Die Ohren waren dreifarbig, rostbraun an der Basis, dunkelbraun in der Mitte und hellgraubraun an der Spitze. Der Schwanz war dunkelbraun gestreift auf der Oberseite, die Unterseite war weiß. Die Füße und Krallen waren hell. Die Art war größer als der Streifen-Langnasenbeutler (Perameles bougainville), der Nullarbor-Langnasenbeutler (Perameles papillon) und der Wüsten-Langnasenbeutler (Perameles eremiana), jedoch ähnlich groß wie der Südliche Langnasenbeutler (Perameles notina).
Entdeckungsgeschichte und Systematik Der Südwestliche Langnasenbeutler wurde 2018 als eigenständige Art abgegrenzt und vom Streifen-Langnasenbeutler (Perameles bougainville) unterschieden. Der Holotypus dieser Art wurde erst im Jahr 2017 von Kenny J. Travouillon in der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) wiederentdeckt. Es ist nur ein Schädel erhalten, aber Johann Andreas Wagner, der die Art beschrieb und benannte, erwähnte, dass sein Exemplar ursprünglich aus dem Muséum national d’histoire naturelle in Paris stammte. Trotz einer gründlichen Suche konnte der Präparat nicht ausfindig gemacht werden. Es liegen keine Aufzeichnungen darüber vor, wer der Sammler war oder wann das Exemplar gesammelt wurde, aber Wagner gab an, dass es aus dem King George Sound in Western Australia stammte. Es wurde wahrscheinlich 1826 von Jean René Constant Quoy und Joseph Paul Gaimard während ihrer Reise auf der Astrolabe unter Jules Dumont d’Urville gesammelt. Kurz nach Wagners Erstbeschreibung erhielt John Gould Exemplare, die von John Gilbert in Western Australia gesammelt worden waren. Im Jahr 1844 beschrieb er, in Unkenntnis von Wagners früherer Beschreibung, anhand eines in der Nähe von York gesammelten Exemplars eine neue Art, Perameles arenaria. In Goulds Buch The Mammals of Australia räumte er ein, dass dieses Taxon ein jüngeres Synonym von Wagners Perameles myosuros ist.
Lebensraum und Lebensweise Gould berichtete, dass der Südwestliche Langnasenbeutler „die gesamte Küstenlinie der Swan River Colony“ bewohnte (außer westlich der Darling Range), aber alle lebend gefangenen Exemplare stammen aus dem Wheatbelt, wobei einige subfossile Überreste in Höhlen nördlich von Perth, bei Mount Gibson und auf den Roe Plains gefunden wurden. Der Südwestliche Langnasenbeutler errichtete ein kompaktes Nest in einer Bodenmulde und nutzte Gräser und andere Vegetation, um es in dem umgebenden dichten Bewuchs zu tarnen. Im Gegensatz zu anderen Nasenbeutlern und den Kaninchennasenbeutlern (Macrotis spp.) wurde, bewohnten Männchen und Weibchen paarweise ein Nest. Es wurde über drei bis vier Jungtiere im Beutel berichtet. Die Art war allesfressend (omnivor) und ernährte sich von Insekten, Samen sowie Getreidekörnern; wie die meisten Nasenbeutler grub sie einen Großteil ihrer Nahrung aus dem Boden. Während Gould berichtete, dass ausgewachsene Weibchen kleiner als die Männchen seien, wurde bei allen nachfolgend gesammelten Exemplaren festgestellt, dass die Weibchen größer waren als die Männchen. Somit wies der Marl, ähnlich wie der Nullarbor-Langnasenbeutler, einen umgekehrten Sexualdimorphismus auf (Weibchen größer als Männchen), was innerhalb der Ordnung der Nasenbeutler (Peramelemorphia) ungewöhnlich ist.
Aussterben Der Südwestliche Langnasenbeutler ist durch etwa zwei Dutzend Exemplare in Museen in Europa und Australien vertreten. John Thomas Tunney berichtete, dass der Südwestliche Langnasenbeutler im Jahr 1887 noch häufig vorkam, doch bis 1900 konnte er keine Exemplare mehr erlangen. Guy C. Shortridge sammelte jedoch im Jahr 1906 noch zwei Exemplare, und Tunney sammelte das letzte bekannte Exemplar im Jahr 1907. Die Art war wahrscheinlich bis 1910 ausgestorben. Die Ursachen ihres Verschwindens sind vermutlich eine Kombination aus der Nachstellung durch verwilderte Hauskatzen, Landrodungen im Wheatbelt und Krankheiten.
Nach einer Bewertung durch John Woinarski und Andrew Burbidge im Jahr 2022 wurde die Art 2025 in die Kategorie „ausgestorben“ (extinct) in die Rote Liste gefährdeter Arten der IUCN aufgenommen.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Nasenbeutler Kategorie:Neuzeitlich ausgestorbenes Säugetier Kategorie:Endemisches Tier Australiens