Wir sind am Leben (Eigenschreibweise: WIR SIND AM LEBEN – Das Berlin Musical) ist ein deutsches Musical mit Musik von Peter Plate und Ulf Leo Sommer und Joshua Lange. Plate und Sommer schrieben zusammen mit Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck auch das Buch. Die Uraufführung fand am 21. März 2026 im Theater des Westens in Berlin statt.

Das Musical erzählt eine Geschichte über Familie, Freiheit, Selbstfindung und das Lebensgefühl im Berlin der frühen 1990er Jahre nach dem Mauerfall. Inhaltlich behandelt das Werk unter anderem Themen wie AIDS, Queerness, Nachwendezeit, alternative Wohnprojekte und die Berliner Clubkultur.

Handlung Die Handlung spielt im Jahr 1990 kurz nach dem Fall der Berliner Mauer. Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Nina und Mario sowie ihre Mutter Rosie aus Wittenberg. Während Nina bereits vor dem Mauerfall nach West-Berlin geflohen war, folgt ihr Bruder Mario in die Hauptstadt auf der Suche nach Freiheit, Liebe und einem neuen Leben.

Die beiden geraten in das besetzte Haus „Konsum Hoffnung“, eine alternative Wohngemeinschaft im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Dort entsteht ein improvisiertes Sorgentelefon für einsame und hilfesuchende Menschen. Parallel dazu versucht Rosie, ihre Familie wieder zusammenzuführen.

Das Musical verbindet komische Elemente mit ernsten Themen wie Ausgrenzung, Homophobie, AIDS und den gesellschaftlichen Umbrüchen der Nachwendezeit. Insgesamt 23 Songs beinhaltet das Musical.

Entstehung „Wir sind am Leben“ gilt als das bislang persönlichste Projekt von Peter Plate und Ulf Leo Sommer. Anders als bei ihren vorherigen Erfolgsproduktionen wie Ku’damm 56, Ku’damm 59, Romeo & Julia – Liebe ist alles oder Die Amme stammt die Grundidee erstmals vollständig von den beiden Autoren selbst. Die Idee bestand bereits 2009 und fand Eingang in das letzte Rosenstolz-Album mit gleichem Titel.

Das Stück verarbeitet zahlreiche autobiografische Erfahrungen der Autoren aus dem Berlin der frühen 1990er Jahre, insbesondere aus der queeren Szene und im Zusammenhang mit der AIDS-Krise.

Zudem wurde das Musical vielfach als Würdigung der im Jahr 2025 verstorbenen Rosenstolz-Sängerin AnNa R. interpretiert. Plate erklärte, das Werk erinnere an Menschen, „die gegangen sind“ und an das, „was man nicht vergessen darf“.

Musik Die Musik des Musicals stammt von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange. Stilistisch verbindet die Produktion Popmusik, Rock, Elektro und Balladen mit Einflüssen der Berliner Club- und Subkultur der frühen 1990er Jahre.

Soundtrack Das Soundtrackalbum zum Musical erschien am 10. April 2025 über Milch Musik als CD und Doppel-LP sowie digital, aufgenommen vom Cast der Musicalpremiere. Konsum Hoffnung Kupferrot Supernovadiscoslut Pirouetten drehen Tanzen 2000 Das mit dem Kleid Hab' ich wirklich gelebt? Ich werd nicht weinen Ab wann kann man mich kaufen? Salon Rosie Du wolltest doch das Kind Blackbox Kupferbrot Kalte Schwester Leb wohl Wittenberg Zu schön um hübsch zu sein Die Schlampen sind müde Marlene Freiheit ist die schönste Stadt der Welt I.M. Schere Mein Berlin Millennium Wir sind am Leben

Für mehrere Titel erschienen Musik- und Lyricvideos auf YouTube.

Inszenierung Die Originalinszenierung wurde im Theater des Westens in Berlin gezeigt. Die Produktion nutzt ein modernes Bühnenbild, aufwendige Lichttechnik sowie Live-Musik.

Die Choreografie stammt von Jonathan Huor, das Lichtdesign von Tim Deiling.

Rezeption Die Uraufführung erhielt überwiegend positive Kritiken. Gelobt wurden insbesondere die emotionale Verbindung von Humor und Tragik, die Darstellung der Berliner Nachwendezeit sowie die musikalische Vielfalt.

Mehrere Medien bezeichneten das Musical als ein „Denkmal“ für die Berliner 1990er-Jahre und für die Opfer der AIDS-Epidemie. Katharina Karsunke von kulturfeder.de schreibt: „Viele ernste und traurige Themen wie Wiedervereinigung, Orientierungslosigkeit, queerer Alltag mit homophober Auseinandersetzung, Bedrohung von Rechts und Aids-Krise (...) werden sichtbar in das Zentrum der Kunst gerückt. Das kluge Buch von Nimscheck und Kuropka erlaubt keine Langeweile und Oberflächlichkeit, sondern spannt den tiefgründigen Handlungsbogen gekonnt kurzweilig von Anfang bis Ende.“

In der B.Z. schreibt Martina Kaden: „Ein großartiges Nineties-Kaleidoskop haben Plate/Sommer und ihre Co-Autoren und Regisseure Franziska Kuropka/Lukas Nimscheck in eine fantastische Bühnenwelt (Adam Nee) gesetzt.“

Manuel Brug übte im Klassik-Magazin Rondo und der Welt Kritik an der Inszenierung, die oftmals „dramaturgisch“ durchhänge, die Figuren seien „arg klischeehaft“ entwickelt, die Anschlüsse passen nicht und Song-Enden bleiben „im Raum stehen“. Er zieht das Fazit: „Es geht einem mit diesem arg selbstgebastelten Musical ein wenig wie mit seinem Thema: Berlin ist peinlich und dreckig, nichts funktioniert, man wird dauernd ruppig angemacht. Aber irgendwie hat man diese von der Geschichte geschüttelte Stadt mit ihrer rohen Energie eben einfach lieb – und erhebt sich deshalb johlend aus dem Theatersitz. Denn anders als etwa die generische Udo-Lindenberg-Ballade Hinterm Horizont die 2016 ihren Abgesang feierte, ganz zu schweigen von dem Wendedrama Wind of Change mit Scorpions-Musik, das schon 2010 wieder vom Ankündigungswinde verweht worden war, ist Wir sind am Leben wenigstens ehrlich. Ehrlich schlicht, auch das eine der Berliner Tugenden. Viele gibt es ja nicht.“

Auch Kai Wulfes von der Musicalzentrale übte, wie schon in seinen vorherigen Plate-Sommer-Rezensionen, deutliche Kritik: „Kein wirklicher Geniestreich ist das neue Musical ‚Wir sind am Leben‘ am Berliner Theater des Westens. Zu einfallslos und austauschbar sind die Kompositionen von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange, zu dünn und vorhersehbar ist das Buch von Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck, die auch Regie führen. Punkten kann das dramatische Stück um die AIDS-Krise im Nachwende-Berlin bei Ausstattung und Choreografie sowie mit einem grandiosen Cast, der von Celina dos Santos, Steffi Irmen und Jörn-Felix Alt souverän angeführt wird.“

Besetzung Zur Premierenbesetzung gehörten unter anderem Steffi Irmen als Rosie und Jörn-Felix Alt.

Hintergrund Der Titel des Musicals bezieht sich auf das gleichnamige Lied beziehungsweise Album Wir sind am Leben der Popgruppe Rosenstolz aus dem Jahr 2011.

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Einzelnachweise

Kategorie:Musical (Werk) Kategorie:Musik 2026 Kategorie:Peter Plate Kategorie:Ulf Leo Sommer