Kiersity () ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Er gehört zur Gmina Rychliki im Powiat Elbląski. mini|Das Herrenhaus Kerschitten, Sammlung Alexander Duncker, um 1860
Geographische Lage Kiersity liegt am Südufer des Jezioro Kiersickie (), auch Jezioro Korsuń genannt, im nördlichen Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 17 Kilometer südwestlich der Stadt Pasłęk bzw. 23 Kilometer südöstlich der Kreismetropole Elbląg.
Geschichte Das einstige KerschittenDietrich Lange: Kerschitten, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) – in seiner Geschichte auch Kirsiten, Kirsithen und Kirsitten genannt und geschrieben – war ein Gutsdorf und wurde im Jahre 1391 als Sitz eines Kämmerers erwähnt.Geschichtliches Orts-Verzeichnis: Kerschitten Am 21. Dezember 1404 wurde ein Landverkauf auf den Feldern von Kirsithen dokumentiert, und 1437 fand sich ein Eintrag des Dorfes im Zinsbuch des Deutschen Ordens.
Der Ordenshochmeister Heinrich Reffle von Richtenberg verlieh am 30. März 1471 Frau Keyserwaldischen im Wechsel das Dorf Kirsitten gegen das Dorf Keiserswalde nach Kulmer Recht. Nahezu 500 Jahre war danach die aus Böhmen nach Ostpreußen eingewanderte Familie von Reibnitz Besitzer auf Kerschitten – von 1626 bis 1648 in der Person von Oswald von Reibnitz – und auf dem Nachbargut Geißeln.Informationszentrum Ostpreußen: Gisiel – Geisseln Einer der letzten Besitzer vor 1945 war ab 1890 Hans von Reibnitz.
Im Jahre 1785 war Kerschitten ein „adlig Vorwerk und Dorf“ mit 14 Feuerstellen, im Jahre 1820 ein „adlig Vorwerk“ mit 15 Feuerstellen bei 92 Einwohnern.
Der Gutsbezirk Kerschitten wurde 1874 in den neu errichteten Amtsbezirk Jankendorf eingegliedert, der zum ostpreußischen Kreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg gehörte.Rolf Jehke: Amtsbezirk Jankendorf/Königlich Blumenau/Königsblumenau
Die Einwohnerzahl Kerschittens belief sich 1885 auf 115, im Jahre 1905 auf 72. Am 30. September 1928 gab Kerschitten seine Eigenständigkeit auf und schloss sich mit den Nachbargutsbezirken Ober- und Unter Karpen zur neuen Landgemeinde Karpen zusammen.
In Kriegsfolge kam 1945 das gesamte südliche Ostpreußen zu Polen. Kerschitten erhielt die polnische Namensform „Kiersity“ und ist heute eine Osada (= „Siedlung“) innerhalb der Gmina Rychliki im Powiat Elbląski, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.
Das histroische barocke Herrenhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verfiel in der Nachkriegszeit vollständig und existiert heute nicht mehr. Unweit von Kiersity liegt auf den Lisie Góry () noch der alte Familienfriedhof derer von Reibnitz.
Religion Bis 1945 war Kerschitten in den Sprengel Blumenau (Königsblumenau) der vereinigten evangelischen Kirchengemeinden Blumenau-Heiligenwalde im Kirchenkreis Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 470 außerdem in die römisch-katholische Pfarrei Christburg im Dekanat Stuhm des damaligen Bistums Ermland eingegliedert.
Heute gehören die evangelischen Einwohner von Kiersity zur St.-Georgs-Kirche in Pasłęk, einer Filialkirche von Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Ausburgischen Kirche in Polen, die katholischen Einwohner zur Heilig-Kreuz-Kirche in Kwietniewo im Dekanat Dzierzgoń im Bistum Elbląg.
Verkehr Kiersity liegt an einer Nebenstraße, die bei Krupin von der Woiwodschaftsstraße 527 abzweigt und bis nach Wopity führt.
Eine Bahnanbindung besteht nicht. Von 1893 bis 1945 bestand Bahnanschluss über die Station Blumenau (Königsblumenau) im Abschnitt Elbing–Miswalde der Bahnstrecke von Elbing nach Hohenstein. Sie ist geschlossen, und die Anlagen sind größtenteils demontiert.
Literatur Horst Zlomke: Kerschitten. Auszug aus „Das Kirchspiel Königsblumenau“. Chronik, Geschichte und Berichte
Weblinks
Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Kerschitten
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Rychliki