mini|St. Nikolai (Niederwünsch) mini|Ostansicht Die evangelische Dorfkirche Niederwünsch (auch: St. Nikolai) ist eine spätgotische Saalkirche im Ortsteil Niederwünsch von Mücheln (Geiseltal) im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Sie gehört zum Pfarrbereich Mücheln im Kirchenkreis Saale-Unstrut der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Geschichte und Architektur Die Kirche ist ein relativ großes, einheitlich spätgotisches Bauwerk aus dem Jahr 1517, mit hohem Westquerturm und langgestrecktem, gerade geschlossenem Schiff in der Breite des Turms. Der Turm mit schiefergedecktem Walmdach ist im Erdgeschoss mit einem Tonnengewölbe geschlossen. Die Fenster der Glockenstube sind mit gekuppelten Rundbögen versehen, nur an der Nordseite ist Maßwerk eingebaut. An der Südseite des Schiffes erschließt ein kielbogiges Stabwerkportal mit der Jahreszahl 1517 das Innere. Im spitzbogigen Ostfenster ist schlichtes Maßwerk eingefügt, die Nordseite ist fensterlos.
Erbaut wurde sie als Pfarrkirche im Bistum Halberstadt, allerdings hatte der Bischof von Merseburg im Ort landesherrliche Rechte. 1544 wurde sie zur Filialkirche herabgestuft.Heinrich Otte, Johannes Burkhardt, Otto Küstermann: Der Kreis Merseburg. S. 242 (Digitalisat).
Die Kirche steht unter Denkmalschutz und ist als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 20084 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt eingetragen. Das Innere ist mit einem hölzernen Tonnengewölbe geschlossen und mit einer Hufeisenempore versehen.
Ausstattung Das Hauptstück der Ausstattung ist ein schlichter hölzerner Kanzelaltar, der offenbar im 18. Jahrhundert aus Kanzel und Schalldeckel des 17. Jahrhunderts sowie einem hinzugefügten Aufsatz mit dem Gemälde der Himmelfahrt Christi zusammengesetzt wurde. An der Rückseite befinden sich die Reste eines kleinen spätgotischen Flügelaltars vom Anfang des 16. Jahrhunderts, der im Jahr 1783 übermalt wurde. Der Schrein zeigt die Marienkrönung, umgeben von den Heiligen Margareta und Katharina auf der linken und Maria Magdalena und Barbara auf der rechten Seite, außerdem zwei Flügel mit je drei Heiligen.
Der Taufständer zeigt die Darstellung eines Pelikans im Lesepultaufsatz aus dem Jahr 1782. Ein lebensgroßer geschnitzter Kruzifixus stammt aus dem 15. Jahrhundert, darunter befindet sich eine kleine Sakramentsnische mit fialenbekrönter Umrahmung.
Die Orgel ist ein Werk von Wilhelm Rühlmann aus dem Jahr 1872 mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Im Jahr 2004 wurde durch OSV Noetzel eine Restaurierung durchgeführt, eine weitere Restaurierung erfolgte im Jahr 2021 durch Orgelbau Schönfeld.
Drei Glocken stammen aus den Jahren 1925 und 1972. Sie können wegen des schadhaften Glockenstuhls nicht geläutet werden. Sie ersetzten die vorherigen Glocken aus dem 16. Jahrhundert.Heinrich Otte, Johannes Burkhardt, Otto Küstermann: Der Kreis Merseburg. S. 243–244 (Digitalisat mit Wiedergabe der Inschriften und Abbildungen der Reliefs).
Von der Kirche aus führte ein unterirdischer Gang zu einem Keller, der als Lager benutzt wurde.
Literatur
Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 6.1: Landkreis Merseburg-Querfurt (I). Altkreis Merseburg. Erarbeitet von Falko Grubitzsch und Marina Meincke-Floßfeder. Fliegenkopf Verlag, Halle 2000, ISBN 3-910147-66-6, S. 200.
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Mücheln
Einzelnachweise
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