mini|hochkant|Nedjefit-Chentet in Hiero­glyphen

Nedjefit-Chentet (auch Nedjefet-Chentet; der vordere GranatapfelbaumgauDie Übersetzung „Granatapfelbaum“ für nḏft (nedjefet) hat Wolfgang Helck in seinem Beitrag Gaue in Wolfgang Helck, Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band 2: Erntefest – Hordjedef. Harrassowitz, Wiesbaden 1977, Spalte 389 mit einem Fragezeichen versehen und verweist auf den Beitrag von Hellmut Brunner: Granatapfel im selben Band, Spalte 891–892. Danach ist der Granatapfelbaum erst seit dem Neuen Reich belegt. Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.) von Zabern, Mainz 1995, S. 449: nḏft „ein Baum“; S. 78: jnhmn „Granatapfel / Granatapfelbaum (Punica granatum)“.) war der altägyptische Name des 13. oberägyptischen Gaues (Provinz).

mini|hochkant|Figurenreihe mit ägyptischen Soldaten aus dem Grab des Gaufürsten Mesehti, ehemals Ägyptisches Museum (Kairo), Inventar-Nr. CG 258; jetzt Grand Egyptian Museum

Der Gau ist seit der Zeit des Königs Snofru (etwa 2670 bis 2620 v. Chr.) bezeugt. Er war anscheinend zunächst mit dem 14. Oberägyptischen Gau (dem hinteren Granatapfelbaumgau) zusammengelegt, ist aber früh geteilt worden, was schon unter Snofru mit dem ersten Beleg bezeugt ist.W. Helck: Die altägyptischen Gaue. Wiesbaden 1974, S. 102. Sein genauer Umfang ist unsicher. Nach der Gauliste auf der weißen Kapelle von Sesostris I. war der Gau etwa 66 km lang und lag anscheinend nur auf der Westseite des Nils. Im Süden grenzte er an Scha (Gau), wobei die Nekropole von Deir Dronka noch zu Nedjefit-Chentet gehörte, während im Norden die Grenze wahrscheinlich südlich von Al-Qusiyya verlief, dem Hauptort von Nedjefit-Pehetet.W. Helck: Die altägyptischen Gaue. Wiesbaden 1974, S. 104. Bei Deir Dronka handelt es sich wahrscheinlich um das antike Medjed(ni), wo die Göttin Hathor verehrt wurde.Farouk Gomaà: Die Besiedlung Ägyptens während des Mittleren Reiches, 1. Oberägypten und das Fayyum. Reichert, Wiesbaden 1986, ISBN 3-88226-279-6, S. 275–276. Zum Bereich des Gaues gehörte auch der Friedhof von Dara, wo in der Ersten Zwischenzeit eine momentale Grabanlage für einen lokalen König mit dem Namen Chui errichtet wurde. Aus ptolemäischer Zeit ist ein Dokument erhalten, das ein Dorf von Arabern in dem Gau bezeugt.Brian McGing: Illegal salt in the Lycopolite nome. In: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete. Band 48, Nr. 1, 2002, S. 47. Aus ptolemäischer Zeit sind auch weitere Statthalter (epistates) der Provinz bekannt.Gert Baetens: An embalmers' dispute in Hypsele/Shashotep. In: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete. Band 66, Nr. 2, 2020, S. 283 (online).

Hauptort war zumindest seit der ersten Zwischenzeit Assiut. Aus der Ersten Zwischenzeit stammen auch die ersten überlieferten Namen von Gaufürsten (Nomarch).W. Helck: Die altägyptischen Gaue. Wiesbaden 1974, S. 102. Weitere Gaufürsten sind aus dem Mittleren Reich belegt. Hauptgott der Stadt war Upuaut. Dieser Gott wurde als Wolf (oder Schakal) dargestellt, weswegen die Griechen die Stadt Lykopolis und den Gau Lykopolites nannten.W. Helck: Die altägyptischen Gaue. Wiesbaden 1974, S. 103. Assiut war eine wohlhabende Stadt. Hier endeten Karawanenrouten aus der westlichen Sahara, die von Nubien und Innerafrika kamen.Mohamed Osman Abdollah: Trade centers and Trade routes in Upper Egypt, during the Old and Middle Kingdoms (= GHP Egyptology. Band 36). London 2022, ISBN 978-1906137793, S. 104. Selbst bis ins 19. Jahrhundert blieben diese Routen wichtig. Die Stadt lag am Ende einer Karawanenroute für den Sklavenhandel.George M. La Rue: The Capture of a Slave Caravan: The Incident at Asyut (Egypt) in 1880, in African Economic History. Band 30, 2002, S. 81–106. Sie hatte auch eine besondere strategische Bedeutung. Die Felsen der Westwüste reichen hier sehr nahe an den Nil heran, wodurch die Stadt den Verkehr von Norden nach Süden leicht blockieren konnte. In der Ersten Zwischenzeit war der Ort daher ein Bollwerk der nördlichen 9. Dynastie und 10. Dynastie gegen den aufstrebenden thebanischen Staat im Süden.

Gaufürsten von Nedjefit-Chentet (Quelle: nach Jochem Kahl: Zum Alter der Sargtext-Artefakte aus Assiut. In: Peter Dils, Lutz Popko (Herausger): Zwischen Philologie und Lexikographie des Ägyptisch-Koptischen. Akten der Leipziger Abschlusstagung des Akademienprojekts „Altägyptisches Wörterbuch“. Leipzig 2016, ISBN 978-3-7776-2657-4, S. 34–35 (online).) Cheti (I.) (Grab V in Assiut), Erste Zwischenzeit Iti-ib (Grab III), Erste Zwischenzeit Cheti (II.) (Grab IV), Erste Zwischenzeit Itiibiqer, (Grab N13.1), Beginn des Mittleren Reich Mesehti, 11. Dynastie NN (Name verloren, Grab M10.1), 11. Dynastie NN (Name verloren, Grab M11.1), 11. Dynastie Djefaihapi (Grab P13.1), 11. Dynastie Anu (Grab nicht lokalisiert), Mittleres Reich oder Erste Zwischenzeit Djefaihapi (II.), Sesostris I. Djefaihapi (I.) (Grab I), 12. Dynastie Djefaihapi (III.) (Grab VII), 12. Dynastie Djefaihapi (IV.) (Grab VI), 12. Dynastie Wepay (III.) (Grab VIII), 12. Dynastie Cheti (Grab M.12.3), 12. Dynastie

Griechische Statthalter (epistates) (Quelle: G. Baetens: An embalmers' dispute in Hypsele/Shashotep. In: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete. Band 66, Nr. 2, 2020, S. 283.) Timarchos, etwa 170 v. Chr. Marsyas, 149 oder 137 v. Chr. Ammonios, etwa 125 v. Chr.

Literatur Wolfgang Helck: Die altägyptischen Gaue (= Beihefte Tübinger Atlas des Vorderen Orients (TAVO). Reihe B (Geisteswissenschaften), Nr. 5). Wiesbaden 1974, S. 102–104 (online).

Siehe auch

Gau (Ägypten)

Einzelnachweise

Kategorie:Altägyptischer Gau