History Gets Ahead of the Story (deutsch „Die Geschichte eilt der Erzählung voraus“) ist ein Musikalbum von Jeff Cosgrove, John Medeski und Jeff Lederer. Die Ende 2018 im Applehead Recording Studio in Saugerties (New York) entstandenen Aufnahmen erschienen am 17. Juli 2020 auf dem Label Grizzley Music.
Hintergrund Das Album ist eine Hommage an William Parker. Dafür ist ein Trio aus Saxophon, Orgel und Schlagzeug ein unerwartetes Format, notierte Steve Greenlee. Zum einen sei Parker – ein produktiver Bandleader, Begleitmusiker, Songwriter, der zahlreiche Alben unter eigenem Namen vorgelegt hat – selten mit Organisten aufgetreten. Zum anderen sei er vor allem als Bassist hervorgetreten, und im Trio aus dem Schlagzeuger Jeff Cosgrove, dem Organisten John Medeski und dem Saxophonisten Jeff Lederer gibt es keinen Bass; Medeski erzeugt mit seinen Pedalen die tiefen Töne.
Parker wird seit langem für sein kreatives Spiel und seine Beiträge zur improvisierten Musik verehrt. Doch seine kompositorischen Fähigkeiten stechen ebenso hervor, wenn nicht sogar noch mehr, so Greenlee. Sein Werk decke ein breites Spektrum ab, das sich aus Blues, Bebop, Soul, Funk und Folk speise, und er setze alles von Duos bis hin zu Big Bands ein, um seine Vision umzusetzen. Das Album History Gets Ahead of the Story widmet sich seinen Kompositionen. Cosgrove selbst hat mit Parker als Teil eines Trios mit ihm und dem Pianisten Matthew Shipp gespielt (Alternating Current, 2014).
Titelliste Jeff Cosgrove, John Medeski, Jeff Lederer: History Gets Ahead of the Story O’Neal’s Porch 6:54 Corn Meal Dance 6:15 Gospel Flowers 6:21 Little Bird 5:30 Ghost 6:41 Moon 5:58 Things Fall Apart 4:28 Wood Flute Song 4:36 Purcell’s Lament 6:07 Harlem 6:24
Die Kompositionen stammen von William Parker.
Rezeption mini|hochkant|William Parker im club W71, Weikersheim (2008) Um ehrlich zu sein, sei es gar nicht so abwegig, Parkers Werk in einem klassischen Orgel-Combo zu verorten, meint Steve Greenlee (JazzTimes). Viele seiner Stücke hätten einen natürlichen Groove, und Cosgrove würde auf mehrere Stücke aus Parkers Quartetten zurückgreifen, in denen dieser am meisten groovte. „O’Neal’s Porch“, eines von Parkers eingängigsten Stücken, sei ein perfektes Beispiel dafür: Sein gefühlvolles Thema münde in Lederers wilde Flattertöne. Das Trio gehe „Moon“ ähnlich an, würde Melodie und Harmonie zunächst geradlinig spielen und dann beides zugunsten von Lederers ausgefallenem Solo fallenlassen. Seine Einleitung zu Beginn von „Corn Meal Dance“ sei gospelartig; Medeski spiele hier wie ein Kirchenorganist, während Cosgrove sanft die Besen einsetze.
History Gets Ahead of the Story würdige Parkers Werk und finde darin zugleich neue Ausdrucksmöglichkeiten, so Greenlee. Da sei der singende Dialog zwischen Flöte und hochstimmiger Orgel, der „Little Bird“ einleite. Die bedrohliche Atmosphäre von „Ghost“, die von allen drei Instrumenten erzeugt und durch Cosgroves Schlägelarbeit unterstrichen wird. Die freizügige, gruppenweise Dekonstruktion von „Things Fall Apart“, bei der sich alle an einen unausgesprochenen Rhythmus halten. Die spektakulären Soli – Lederers schwebend und spiralförmig, Medeskis stachelig und sprudelnd –, die „Harlem“ neu beleben. Zweifellos würde Parker das gutheißen.
Selwyn Harris verlieh dem Album in Jazzwise drei Sterne und schrieb, es biete „ein paar wirklich gelungene Beiträge“ des Trios zu einer Auswahl von Kompositionen des herausragenden Bassisten William Parker – und das Ergebnis sei ein weitaus orthodoxeres, aber dennoch bluesig-raues, souliges Album, als man vielleicht erwarten würde. mini|hochkant|John Medeski (2010) History Gets Ahead of the Story sei in vielerlei Hinsicht faszinierend, meint François van de Linde im Jazz Journal. Zunächst einmal – was heutzutage wohl eine Seltenheit ist – wirke der Gesamtklang „wie eine warme Decke an einem Wintertag“, und die Kraft sowie die vielschichtige Textur des Schlagzeugs machten die Platte noch einladender. Zweitens habe sich Cosgroves Trio aus dem Saxophonisten Jeff Lederer und dem Organisten John Medeski der Herausforderung gestellt, die Kompositionen des Bassisten William Parker zu interpretieren, und treffe dabei regelmäßig ins Schwarze. William Parkers Musik, die sich an minimalistischen Motiven, Modal Jazz und einem ausgeprägten Sinn für Melodik orientiert, verdiene große Aufmerksamkeit und lasse viel Raum für persönlichen Ausdruck. Im Laufe der Jahre sei viel zu viel Improvisation in diesen Bereich geworfen worden, ohne dass man die Vergangenheit wirklich verstanden hätte. Nicht so bei History Gets Ahead of the Story, das Mainstream- und progressive Traditionen „geschickt in eine wunderbar erfrischende Welt integriert, die ganz für sich steht“.
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 2020 Kategorie:William Parker (Musiker)