mini|Maximilian Le Cain und Rouzbeh Rashidi bei der Ausstellung Luminous Void (2015)
Die Experimental Film Society ist ein in Dublin, Irland ansässiges nichtkommerzielles Filmkollektiv, das eine Filmproduktionsfirma, einen Filmvertrieb und eine Video-on-Demand-Plattform mit einer Spezialisierung auf Experimentalfilme betreibt. Das Kollektiv hat über 50 Spielfilme und 500 Kurzfilme produziert, über 150 Filmvorführungen organisiert und veranstaltete 2018 das Luminous Void: Experimental Film Festival.
Geschichte Die Experimental Film Society wurde von Filmregisseur Rouzbeh Rashidi im Jahr 2000 in Teheran (Iran) gegründet, 2004 verlegte er den Firmensitz und seinen Lebensmittelpunkt nach Dublin. Ursprünglich handelte es sich um ein mitgliederbasiertes, gemeinnütziges Filmkollektiv, das sich auf Avantgarde-, Experimental- und Low-Budget-Filme spezialisiert hatte. Nach der Aufnahme neuer internationaler Mitglieder legte der Verein den Schwerpunkt auf die Archivierung, Restaurierung und Programmierung von Filmen unabhängiger Filmemacher. Zu den Mitgliedern zählten im Jahr 2020 die Filmemacher Rouzbeh Rashidi, Maximilian Le Cain, Michael Higgins, Atoosa Pour Hosseini, Vicky Langan, Jann Clavadetscher, Chris O’Neill und Shelly Kamiel. Prototypisch für ihre Werke war die Arbeit ohne Drehbuch, ausschließlich im Videoformat, mit sehr geringen oder nicht vorhandenen Budgets, ohne professionelles Filmteam. Die Mitwirkenden wurden innerhalb des Freundeskreises und der Familie rekrutiert. mini|hochkant|Luminous Void: Twenty Years of Experimental Film Society (Cover) 2017 änderte sich die Ausrichtung der Experimental Film Society zu einer Produktions- und Vertriebsgesellschaft, die professionell finanzierte Projekte fördert, im gleichen Jahr erschien im Selbstverlag das Buch Luminous Void: Experimental Film Society Documents, der sich mit Konzepten aus dem Filmschaffen der EFS anhand von Texten, Interviews und Manifesten auseinandersetzt. Anlässlich des 20. Bestehens im Dezember 2020 publizierte das Kollektiv den Band Luminous Void: Twenty Years of Experimental Film Society. Das Buch beleuchtet die Aktivitäten der Experimental Film Society im Verlauf ihrer 20-jährigen Geschichte, setzt sich mit der Filmografie der Gruppe auseinander und enthält Essays zur Filmtheorie. Begleitet wurde das Jubiläum von einer Ausstellungs- und Filmreihe im Mai 2021 im Project Arts Centre in Dublin.
2026 wurde im Rahmen der Reihe „Omnibusfilme“ bei den 72. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen die 2019 von Rouzbeh Rashidi produzierte Filmdokumentation Luminous Void: Docudrama gezeigt. „Luminous Void: Docudrama entwirft die Vision eines Kinos, in dem Autorschaft weder strikt individuell fixiert ist, noch egalitär im Sinne einer kollektiven Filmpraxis eingeebnet wird – sondern sich als generatives Prinzip mit jedem Film neu erfindet“, so Lukas Foerster über den Film im Katalog der Kurzfilmtage.
Publikationen Rouzbeh Rashidi (Hrsg.): Luminous Void: Experimental Film Society Documents. Experimental Film Society, Dublin 2017, ISBN 978-1-5272-1088-2. Rouzbeh Rashidi, Atoosa Pour Hosseini, Maximilian Le Cain (Hrsg.): Luminous Void: Twenty Years of Experimental Film Society. Experimental Film Society, Dublin 2020, ISBN 978-1-8385-3818-7.
Filmdokumentation 2019: Luminous Void: Docudrama, Regie: Rouzbeh Rashidi
Weblinks
Website der Experimental Film Society
Einzelnachweise
Kategorie:Filmorganisation