Johann Furster († 15. November 1547 in Bardowick) war ein Jurist und Hofbeamter, von 1521 bis 1540 Kanzler des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg.

Familie Johanns Vater Heinrich (ca. 1452–1515) war Schultheiß und Burgmann in Kassel, seine Mutter Margarethe (* ca. 1460; † 1524) war eine uneheliche Tochter des Landgrafen Ludwig II. von Hessen (1438–1771) und dessen langjähriger Mätresse Margarethe von Holzheim (* um 1443; † nach 1515). Die Heirat der beiden erfolgte am 5. Februar 1486, und Johann wurde wahrscheinlich in Kassel geboren. Johanns älterer Bruder Ludwig (* etwa 1487; † vor 9. März 1529) war, als Vorgänger Johanns, Kanzler von 1515 bis 1521 im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

Johanns Ehefrau Anna geb. Brömse war eine Tochter des SülfmeistersSülfmeister war die Bezeichnung von Pächtern von mindestens vier Siedepfannen zur Salzgewinnung in der Lüneburger Saline. und Patriziers Dietrich Brömse in LüneburgSiehe auch Brömsehaus.. Der Ehe entstammten ein Sohn und (wahrscheinlich) drei Töchter. Seine Tochter Kunigunde heiratete 1531 Balthasar Klammer (1504–1578), der 1540 als Nachfolger seines Schwiegervaters ebenfalls Kanzler zu Braunschweig-Lüneburg in Celle wurde. Seine Tochter Katharina heiratete 1532 Johann Bruns († 1547 in Hildesheim), Theologe und ab Syndikus der Stadt Göttingen sowie 1533 sowie 1537 bis 1542 Ratsherr daselbst.

Laufbahn Furster studierte von 1506 bis 1513 Rechtswissenschaft in Bologna, wo sein Bruder Ludwig von 1506 bis 1510 ebenfalls studierte, und erwarb dort den akademischen Grad eines Lizenziats beider Rechte („Licentiatus iuris utriusque“). Nach Abschluss seines Studiums verpflichtete er sich, wie damals nicht unüblich, in relativ kurzer Abfolge und teilweise sogar gleichzeitig mehreren Dienstherren, zunächst dem Bischof von Ratzeburg, Heinrich Bergmeier († 1524), wahrscheinlich auch schon dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und bald darauf auch dem König von Dänemark, wo er zeitlebens „Rat von Haus aus“ blieb. In der Kanzlei in Celle diente er anfangs unter seinem Bruder Ludwig. An den Verhandlungen zur Beendigung der von 1514 bis 1517 dauernden „Sächsischen Fehde“, einem langen Krieg zwischen Ostfriesen und Sachsen, und der Ausarbeitung des Friedensvertrags vom 3. Dezember 1517Der sogenannte „Zeteler Frieden“ wurde am 3. Dezember 1517 unterzeichnet. nahm Johann Furster im Auftrag von Herzog Heinrich I. von Braunschweig-Lüneburg aktiv teil.

Als Ludwig Furster im Jahre 1521, nachdem Herzog Heinrichs I. zum Protestantismus übergetretener Sohn Ernst I., „der Bekenner“ die Nachfolge seines Vaters angetreten hatte, vom Amt des Kanzlers zurücktrat und das Herzogtum verließ, wurde Johann Nachfolger seines Bruders. Der neue Herzog stützte sich bei der Säkularisation der Klöster und auch bei der Verbreitung des Protestantismus außerhalb seines Fürstentums durch Empfehlungen und Entsendung von Predigern stark auf seinen Kanzler. Am 20. April 1529 unterzeichnete Furster, als einziger nichtfürstlicher Unterzeichner, in Vertretung seines Landesherrn die Protestation zu Speyer,Protestation der evangelischen Fürsten gegen die Beschlüsse der Mehrheit der auf dem zweiten Reichstag in Speyer anwesenden Reichsstände mit der die evangelischen Fürsten gegen die Beschlüsse der Mehrheit der auf dem zweiten Reichstag in Speyer anwesenden Reichsstände protestierten.Protestation von Speyer (20. April 1529) 1535 wirkte er während der sogenannten Grafenfehde erfolgreich auf die Mitglieder der Hanse ein, sich für den protestantischen dänischen König Christian III. (1503–1559), und somit gegen das von Jürgen Wullenwever geführte Lübeck, zu entscheiden.

Im Jahre 1540 übergab er das Amt des Lüneburger Kanzlers an seinen Schwager Balthasar Klammer ab, blieb jedoch weiterhin insbesondere in außenpolitischen Beziehungen des Fürstentums sehr aktiv. Dies betraf u. a. die Verhandlungen mit der Stadt Hamburg über die Schifffahrt auf der Elbe, die Beziehungen mit Dänemark und auch den lange andauernden Streit des Herzogs Ernst mit der Stadt Lüneburg. Johann Furster starb ab 15. November 1547 in Bardowick. Sein Epitaph befindet sich im Dom zu Bardowick.

Fußnoten

Literatur Albrecht Eckhardt: Die Brüder Furster und die Entstehung des juristischen Kanzlertums im Fürstentum Lüneburg (1515–1521), in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Neue Folge der Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen, Band 35 (1963), S. 98–108 Wilhelm Alfred Eckhardt: Beiträge zur Genealogie Furster – I. Die Furster in Hessen, in: Genealogie, Deutsche Zeitschrift für Familienkunde, 16. Jahrgang, Band 8, 1967, Heft 3, S. 625–643 Albrecht Eckhardt: Beiträge zur Genealogie Furster – II. Die Furster und ihre Nachkommen in Niedersachsen, in: Genealogie, Deutsche Zeitschrift für Familienkunde, 16. Jahrgang, Band 8, 1967, Heft 7, S. 785–811

Weblinks Klaus Friedland: Furster, Johann; in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 735 Klaus Friedland: Furster, Ludwig; in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 735 f. Johann Furster, bei Repertorium Academicum Germanicum Clammer, Balthasar, in Hessische Biografie (LAGIS)

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