Die Geschichte von Dadhivāhana ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (186: Dadhivāhana-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 364–371, 527. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als König Brahmadatta in Benares regierte, lebten im Land Kāsi vier Brüder, die sich als Brahmanen in den Himālaya zurückzogen und dort ein asketisches Leben führten. Der älteste von ihnen starb schon bald und wurde als der Gott Sakka wiedergeboren, also schenkte er seinen früheren Brüdern je eine Gabe. Der Eine bekam ein Schermesser-Beil, dem man Befehle erteilen konnte, sodass es selbstständig Holz herbeischaffen sowie Feuer machen konnte. Der Andere erhielt eine Trommel, mit dem er die ihn quälenden Elefanten vertreiben konnte. Bei ihrem Schlag würde jedes Heer flüchten, würde man aber die andere Seite spielen, so würde ein Heer erscheinen und für einen kämpfen. Dem Jüngsten gab er einen Molkentopf, der einen Strom an Molken entstehen lassen konnte, sodass dieser stets satt war.
Zu jener Zeit fand ein Eber einen magischen Edelstein, der Flugfähigkeit verlieh. Das Tier verschluckte den Stein, flog durch die Lüfte und landete auf einer einsamen Insel, wo er am Fuß eines Udumbara-Baumes den Stein wieder ausschied. Damals wurde im Land Kāsi ein Taugenichts aus dem elterlichen Haus geworfen und so fuhr er zur See. Nach einem Schiffbruch strandete er auf jener Insel, überlistete den Eber und bemächtigte sich des Edelsteins. Daraufhin flog er in den Himālaya, wo er den Asketen mit dem Schermesser-Beil traf. Er überredete diesen, die beiden Wundergaben zu tauschen, befahl dem magischen Beil dann aber dem Asketen den Kopf zu spalten. So flog er weiter, ergatterte auch die Trommel sowie den Molkentopf und begab sich dann nach Benares, um den König herauszufordern.
Der König von Benares nahm die Herausforderung an und zog mit seinem Heer auf den Spitzbuben zu. Dieser aber schlug die Trommel, woraufhin auch ihm ein Heer zur Seite stand. Dann ließ er kraft des Molkentopfes einen Strom aus Molke auf seine Gegner zufließen, sodass diese an der Molke festklebten und sich nicht rühren konnten. Anschließend befahl er seinem Schermesser-Beil, ihm des Königs Haupt zu bringen. Von da an nannte sich der Jüngling König Dadhivāhana, König Molkenbringer und er regierte in Gerechtigkeit.
Eines Tages fand er in Mutter Ganges eine Mangofrucht, die ihm schmeckte, also ließ er deren Stein einpflanzen und mit Milchwasser begießen. Als der Baum Früchte trug, verschenkte er diese an andere Könige, jedoch ließ er deren Keimansätze mit einem Mandu-Dorn durchbohren, sodass die Steine nicht sprießen konnten. Da schickte einer dieser Könige dem Dadhivāhana seinen Gärtner, der um den Mangobaum herum Nimba-Pflanzen ansiedelte, die sich mit den Wurzeln des Baumes vereinten, woraufhin dessen Früchte bitter wurden. Damals war der Bodhisattva der Ratgeber des Königs und seinen Worten nach wurden die Nimba-Pflanzen entfernt, das verdorbene Erdreich abgetragen und frische Erde herbeigeschafft. Mit Milch- und Zuckerwasser sowie wohlriechenden Substanzen gepflegt, verband sich der Mangobaum mit dem Süßem und so schmeckten seine Früchte wieder.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 186 (Dadhivāhana-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von Dadhivāhana. Nach Mehlig erinnere die Gesamtkonzeption der Geschichte an die Märchen Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack und Hans Dumm der Brüder Grimm. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Dadhiwāhana.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 138–143.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 364–371, 527. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 138–143.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka