miniatur|Burghaus, Ansicht von der Hauptstraße (2021) miniatur|Burghaus, Ansicht von der Burg Hammerstein (2021) Das Burghaus (auch Claurenburg und Burgmannshof genannt) in Hammerstein, einer Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz, geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Es befindet sich im Ortsteil Oberhammerstein und steht als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz.

Lage Das Burghaus liegt an der Hauptstraße (Hausnummer 30) am nordwestlichen Fuße des auch „Schloßberg“ genannten Hammersteins, ist von Weinbergsfluren umgeben und schließt sich nördlich an die katholische Pfarrkirche St. Georg an.

Geschichte Es wird vermutet, dass das Burghaus Nachfolger des im 12. Jahrhundert erwähnten Königshofes oder Burgmannshofes bei der Burg Hammerstein war.Theodor Wildeman: Oberhammerstein a. Rh.: Wiederherstellung des Burghauses. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, , II. Jahrgang, 1926, S. 25–31 (hierzu S. 27). (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 19. Jahrgang, Heft 1 [März 1926]) Dessen engere Beziehung zur Burg endete mutmaßlich bereits 1417 mit dem Erlöschen der direkten Linie der Burggrafen von Hammerstein.Theodor Wildeman: Oberhammerstein a. Rh.: Wiederherstellung des Burghauses. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, , II. Jahrgang, 1926, S. 25–31 (hierzu S. 28). (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 19. Jahrgang, Heft 1 [März 1926]) Das heutige Burghaus wurde erstmals 1556 urkundlich erwähnt und der erhaltene Baubestand wird ebenfalls noch spätestens dem ausgehenden 16. Jahrhundert zugerechnet.Hans Caspary: Rheinland-Pfalz, Saarland (= Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 347. Es soll über längere Zeit vorwiegend als Kelterhaus genutzt worden sein. Der kurtrierische Amtmann von Hammerstein Bernhard Claur von Wohra, auch von Cl(a)uren genannt († 1574), brachte das Burghaus als Lehnsgut an die Abtei Rommersdorf und da die Familie von Cl(a)uren noch Mitte des 17. Jahrhunderts im Besitz des Anwesens war, wird es auch „Claurenburg“ genannt.Ernst von Oidtman: Zur Geschichte der Claurenburg in Oberhammerstein a. Rh. In: Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, , 5. Band, Heft 1 (Oktober 1926), S. 21/22. Nach einem langwierigen Prozess gegen mehrere Erbenfamilien, der sich bis in das Jahr 1629 zurückverfolgen lässt, gelangte die Abtei Rommersdorf nach Zahlung von 1750 Reichstalern im Jahre 1714 wieder in den vollen Besitz des Burghauses. Im Jahre 1723 gehörten zu ihm 5477 Weinstöcke, 97 Ruten Acker und eine Hecke (Waldparzelle). Einzelne Quellen gehen von seiner Nutzung als Zehnthof der Abtei aus.Hellmuth Gensicke: Hammerstein (Kr. Neuwied). In: Ludwig Petry (Hrsg.): Rheinland-Pfalz und Saarland (= Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band 5). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1959, S. 114.

mini|Burghaus nach dem Umbau zur Jugendherberge (1925) Nach der Säkularisation kam das Anwesen über das Fürstentum Nassau-Weilburg durch Versteigerung in Privatbesitz.Ernst Stahl: Jugendherbergen in geschichtlichen Baudenkmälern: 7. Burghaus Oberhammerstein am Rhein. In: Rheinische Jugendherbergen (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 20. Jahrgang, Heft 3 [Juni 1928]). S. 70–76 (hierzu S. 71). Bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg war es bewohnt, zuletzt von einem invaliden Winzer, der zur notwendig gewordenen Renovierung des Burghauses auf finanzielle Unterstützung angewiesen war. Diese wurde ihm 1911/12 vom Provinziallandtag, vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie vom Kreis Neuwied gewährt. Bei der von dem Regierungsbaumeister Paul Thomas geleiteten Renovierung wurden das Dach des Treppenturmes und die östliche Hälfte des Hauptdaches in ihrer Schalung und Schieferung ganz und in der Konstruktion zum großen Teil erneuert.[Paul] Thomas: Oberhammerstein (Kreis Neuwied). Sicherung des Burghauses. In: Berichte über die Tätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmalpflege in der Rheinprovinz und der Provinzialmuseen zu Bonn und Trier, 17. Jahrgang (1912), L. Schwann, Düsseldorf 1913, S. 39–42. (ulb.hhu.de) Nach dem Tod des letzten Besitzers verfiel das Burghaus und war wiederholt Holzdiebstählen ausgesetzt, sodass schließlich sogar der Dachstuhl des Südflügels zusammenbrach.Theodor Wildeman: Oberhammerstein a. Rh.: Wiederherstellung des Burghauses. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, , II. Jahrgang, 1926, S. 25–31 (hierzu S. 29). (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 19. Jahrgang, Heft 1 [März 1926])

Im Herbst 1921 nahmen sich mehrere Wandervogelgruppen dem ruinösen Gebäude an, die sich hierfür zur Hammersteiner Werkgemeinschaft zusammenschlossen und begannen, unterstützt von der Denkmalpflege, mit Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten. Letztere wurden nach Plänen von Landesbaumeister Theodor Wildeman ausgeführt, der auch die Ausführung überwachte. Nachdem die Werkgemeinschaft die Arbeiten aus finanziellen Gründen nicht fortführen konnte, schenkte sie das Burghaus Anfang 1922 dem Verband deutscher Jugendherbergen.Rheinische Volkswacht, 5. Oktober 1923, S. 5 (zeitpunkt.nrw) Die im Juni 1923 begonnenen Hauptbauarbeiten, erneut von Wildeman geleitet, mussten zeitweise eingestellt werden.Ernst Stahl: Jugendherbergen in geschichtlichen Baudenkmälern: 7. Burghaus Oberhammerstein am Rhein. In: Rheinische Jugendherbergen (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 20. Jahrgang, Heft 3 [Juni 1928]). S. 70–76 (hierzu S. 73). Sie wurden schließlich, mit starker Unterstützung des Jugendpflegefonds der Provinzialverwaltung, einer vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz genehmigten Lotterie sowie privaten Spenden bis Frühjahr 1925 abgeschlossen.Theodor Wildeman: Oberhammerstein a. Rh.: Wiederherstellung des Burghauses. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, , II. Jahrgang, 1926, S. 25–31 (hierzu S. 29, 31). (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 19. Jahrgang, Heft 1 [März 1926]) Anschließend diente das Burghaus unter dem Namen Jugendburg Hammerstein als Jugendherberge, die Platz für 60 Jungen und 35 Mädchen bot; mit Notlagern war die Kapazität noch etwas höher.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 17. Februar 1926, S. 7 (zeitpunkt.nrw) Ein weiterer Innenausbau der Jugendherberge, darunter eine Erweiterung der Schlafkapazität, erfolgte bis Frühjahr 1927.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 13. Mai 1927, S. 7 (zeitpunkt.nrw)

Im August 1937 verkaufte der Jugendherbergsverband das Burghaus an die Freiherren von Hammerstein, das zunächst aber noch weiter als Jugendherberge mit 30 Betten genutzt wurde.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 7. Oktober 1937, S. 3 (zeitpunkt.nrw)Velberter Zeitung, 8. März 1938, S. 11 (zeitpunkt.nrw) Seit einem vom Provinzialkonservator begleiteten, wiederherstellenden Innenumbau bis Frühjahr 1939 dient es wieder als privates Wohnhaus.Mittelrheinische Landes-Zeitung, 25. April 1939, S. 9 (zeitpunkt.nrw)Hermann-Joseph Löhr: Wandervögel legten den Grundstock, Rhein-Zeitung, 25. April 2009 (genios.de)

Architektur Das Burghaus ist ein zwei-, zur Hofseite hin dreigeschossiger Bruchsteinbau mit Schweifgiebel an der Nordseite und besitzt hofseitig einen kurzen Querflügel sowie einen unregelmäßig polygonalen Treppenturm, die beide durch einen offenen Gang miteinander verbunden sind. Stilistisch lässt sich der Bau der Renaissance zuordnen.Werner Schönhofen: Hammerstein am Rhein (= Rheinische Kunststätten, Heft 324). Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 1987, ISBN 3-88094-582-9, S. 18/19. Der sogenannte Rittersaal des Erdgeschosses weist Kreuzsprossenfenster und eine Holzbalkendecke aus der Erbauungszeit auf, die von einer spätgotischen hölzernen Mittelstütze mit verzierten Kopfbändern getragen wird.Hans Caspary: Rheinland-Pfalz, Saarland (= Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 347. Zwischen den Fenstergruppen eines Saals im Südwestflügel des ersten Obergeschosses befinden sich Renaissancesäulen aus grauer Basaltlava.Theodor Wildeman: Oberhammerstein a. Rh.: Wiederherstellung des Burghauses. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, , II. Jahrgang, 1926, S. 25–31 (hierzu S. 30). (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 19. Jahrgang, Heft 1 [März 1926]) Der Treppenturm enthält eine alte Wendeltreppe. Auf den Umbau zur Jugendherberge in den 1920er-Jahren gehen Wandmalereien mit Vogelmotiven zurück.Heinrich Neu, Hans Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 16, Abt. II). Düsseldorf, Schwann, 1940, S. 164/165.

Das Burghaus bildet mit der benachbarten Pfarrkirche, dem Pfarrhaus von 1775 sowie einem Kelterhaus von 1868/69 ein schützenswertes Ensemble.Werner Schönhofen: Hammerstein am Rhein (= Rheinische Kunststätten, Heft 324). Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 1987, ISBN 3-88094-582-9, S. 15, 19.

Literatur Werner Schönhofen: Hammerstein am Rhein (= Rheinische Kunststätten, Heft 324). Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 1987, ISBN 3-88094-582-9, S. 18/19. Hans Caspary: Rheinland-Pfalz, Saarland (= Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 347. Heinrich Neu, Hans Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 16, Abt. II). Düsseldorf, Schwann, 1940, S. 164/165. Ernst Stahl: Jugendherbergen in geschichtlichen Baudenkmälern: 7. Burghaus Oberhammerstein am Rhein. In: Rheinische Jugendherbergen (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 20. Jahrgang, Heft 3 [Juni 1928]). S. 70–76. Theodor Wildeman: Oberhammerstein a. Rh.: Wiederherstellung des Burghauses. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, , II. Jahrgang, 1926, S. 25–31. (= Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 19. Jahrgang, Heft 1 [März 1926])

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Einzelnachweise

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