Die Kaffeetradition der Krimtataren umfasst die Zubereitungs- und Konsumbräuche von Kaffee innerhalb der traditionellen Küche der Krimtataren.
Geschichte Das aus Kaffeebohnen hergestellte Getränk gelangte im 16. Jahrhundert aus der Türkei auf die Krim. Seitdem nimmt Kaffee einen besonderen Platz im Leben der Krimtataren ein: Er wird mit Gästen getrunken, bei Diskussionen über wichtige Angelegenheiten und Geschäftsabschlüsse, täglich im Familienkreis und an Feiertagen.
Zubereitung Zuerst werden die gerösteten Kaffeebohnen sehr fein gemahlen. Dies geschieht mit einer speziellen Handmühle, dem Degirman. Es gibt zwei Zubereitungsmethoden: zu Hause (in einem Cezve-Geschirr) und im Freien (in einem speziellen Gefäß, dem Kave-Kuman). mini|Cezve mit Kaffee Die Krimtataren unterschieden einst zwischen Kaffee für Männer und Kaffee für Frauen (und Kinder).
Der Kaffee der Männer wurde folgendermaßen zubereitet: Man gab eine Prise Steinsalz und Zucker in eine kalte Cezve, schüttete Kaffeepulver und kaltes Wasser darüber und stellte die Cezve in heißen Sand, bis das Wasser kochte. Eine erbsengroße Porition Hammelfett wurde in eine vorgewärmte Filzhan-Tasse gegeben, etwas frisch gekochter Kaffee darüber gegossen und anschließend Sahne hinzugefügt.
Das Rezept für den Kaffee der Frauen lautete hingegen: Vor dem Aufbrühen wurde ein kleines Stück zerstoßener Zucker in eine kalte Cezve gegeben, Kaffeepulver darüber gestreut, kochendes Wasser darüber gegossen und die so vorbereitete Cezve sofort in die Hitze des Sandes gestellt. Sobald der Kaffee aufkochte und sich der erste Schaum bildete, wurde er rasch in vorgewärmte Fildzhany-Tassen gegossen.
Im 20. Jahrhundert begann man, Kaffee mit verschiedenen zusätzlichen Zutaten zuzubereiten:
gewürzter Kaffee mit Milch („Syutlyu Kave“) starker schwarzer Kaffee mit Zimt („Tarchin Kavesi“) starker Kaffee mit Zimt und Nelken („Karonfil Kavesi“).
Servieren Kaffee wird in Tassen, sogenannten Filidjan, serviert. Um die Handhabung zu erleichtern und Verbrennungen an den Fingern zu vermeiden, steht die Filidjan auf einem Ständer, dem Zadar. Neben den Tassen stehen eine traditionelle Kaffeekanne, der Yibrik, und Teller mit Süßigkeiten auf dem Tisch. Als Süßspeise wird oft zerstoßener Zucker gereicht, der pur gegessen und nicht im Kaffee aufgelöst wird, oder Khurabje (auch Khurabye genannt), ein Mürbeteiggebäck aus Mehl, Zucker und gebratener Butter.
Kaffee wurde auch mit Halva, verschiedenen Marmeladen (Rosen in Zucker, unreife Walnüsse, weiße Lilien) und Nusskeksen (Baklava) serviert. Männer bevorzugten oft Tabak gegenüber Süßigkeiten und genossen ihren Kaffee, während sie eine Tschubuk oder Wasserpfeife rauchten.
Anlässe zum Verzehr Die mit dem Kaffeekonsum verbundenen Rituale variieren je nach Anlass:
Khoshkel’di kavesi (übersetzt: Begrüßungskaffee): Kaffee, der Gästen angeboten wird, um die Stimmung aufzuhellen und eine herzliche Atmosphäre zu schaffen. Die Zubereitung dieses Kaffees wird von Gesprächen und dem rhythmischen Geräusch des Kaffeemahlens begleitet. Die Unterhaltung verläuft langsam und bedächtig. Höfliche Gastgeber sorgen dafür, dass die Gäste über das sprechen können, was ihnen wichtig ist – die Gesundheit der Verwandten, Neuigkeiten aus dem Haushalt und die Erfolge der Kinder. Während sich das Ritual entfaltet, erscheinen frisch gebrühter Kaffee und Gebäck auf dem Tisch. Saba kavesi: Morgenkaffee mit der Familie. Er ermöglicht es Familienmitgliedern, sich um einen Tisch zu versammeln und eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, in der sie Pläne abstimmen, Ideen austauschen und sich auf wichtige Aufgaben konzentrieren können, während sie in den Tag starten. Saba kavesi bietet die Gelegenheit, einander Respekt und Unterstützung zu zeigen sowie über die Gesundheit und das Wohlbefinden der Älteren zu sprechen. Bayram Kavesi (übersetzt: „Schnellkaffee“): Bayram Kavesi ist der Brauch, während der religiösen Feiertage Eid al-Adha und Eid al-Fitr bei Verwandtenbesuchen Kaffee zu trinken. An diesen Feiertagen besuchen junge Leute ihre älteren Verwwandten, um ihnen zu gratulieren und ihnen Gesundheit zu wünschen; diese Besuche werden von Kaffee und Süßigkeiten begleitet. Bayram Kavesi wird als „Schnellkaffee“ bezeichnet, da bis zu 30 solcher „Schnellkaffee“-Besuche bei Verwandten pro Tag üblich sind. Kelin kavesi (übersetzt: „Brautkaffee“): Kelin kavesi ist Kaffee, den die Braut zubereitet, wenn sie nach der Hochzeit Gäste im Haus ihres Mannes empfängt. Traditionell besucht die Familie der Braut das frischvermählte Paar und bewirtet es mit Kaffee und Gebäck. Die Eltern der Braut nehmen an diesem Besuch nicht teil, wodurch die Atmosphäre weniger formell ist. Dies ermöglicht eine Auszeit vom Hochzeitstrubel, in der die Verwandten einander näherkommen und neue Beziehungen knüpfen können. Kozaydyn kavesi (Übersetzung. „Kaffee für gute Nachrichten“): Kozaydyn kavesi wird Angehörigen serviert, wenn man gute Nachrichten überbringt oder familiäre Erfolge teilt – zum Beispiel die Geburt eines Kindes, eine wichtige Anschaffung, den Abschluss der Ausbildung usw. Dieser Kaffee bietet die Gelegenheit, anderen für ihre Unterstützung zu danken, Freude mit Angehörigen zu teilen und den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft zu stärken.
Krimtatarischer Kaffee heute Heute kann man in Cafés in Kiew, Lwiw und Odessa krimtatarischen Kaffee genießen. Er wurde in die Nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der Ukraine aufgenommen. Die Ukraine feierte das 15-jährige Bestehen ihres Beitritts zum UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes.
Einzelnachweise
Kategorie:Kaffeekultur Kategorie:Immaterielles Kulturerbe Kategorie:Kultur (Ukraine)