mini|Pierre Alexis Ronarc’h, Portrait von Joseph-Félix Bouchor, 1915. Pierre Alexis Ronarc’h (* 22. Februar 1865 in Quimper, Frankreich; † 1. April 1940 in Paris, Frankreich) war ein französischer Vizeadmiral. Er erlangte besondere Bekanntheit als Kommandeur der Marineinfanterie im Ersten Weltkrieg und diente später als Generalstabschef der französischen Marine.

Biographie Frühe Jahre und Erster Weltkrieg Ronarc’h wurde in der Bretagne geboren und schlug die Offizierslaufbahn in der französischen Marine ein. Mit 15½ Jahren wurde er in die École navale aufgenommen. Mit 24 Jahren wurde er Korvettenkapitän und nahm 1900 als Stellvertretender Kommandeur des 160 Mann starken französischen Kontingents am Chinafeldzug gegen die Boxer teil.

Mit 42 Jahren war er der jüngste Kapitän zur See der französischen Marine. Im Juni 1914 wurde er zum Konteradmiral befördert und mit dem Kommando über die in Lorient ausgebildete Marineinfanterie (: Fusiliers marins) betraut. Im Herbst 1914 befehligte er diese Truppen in Form der neu aufgestellte Brigade der Marineinfanterie (: Brigade de fusiliers marins). Die Einheit spielte im Oktober 1914 während des sog. Wettlaufs zum Meer und in der Ersten Flandernschlacht– insbesondere bei Diksmuide (Dixmude) und in der Schlacht an der Yser – eine entscheidende Rolle. Der hartnäckige Widerstand seiner Truppen trug maßgeblich dazu bei, den deutschen Vormarsch an die Küste zu stoppen. Er führte die Brigade bis zu ihrer Auflösung am 6. November 1915.

Unterdessen musste die Marine Ende 1915 eine große Anzahl kleiner Schiffe (Trawler, Sloops, Yachten usw.) zur U-Boot-Bekämpfung ausrüsten. Die Marine war unterbesetzt. Um Personal freizusetzen, wurde die Marine-Schützenbrigade aufgelöst, ihre Mitglieder auf Schiffe verteilt und Ronarc'h von seinen Aufgaben entbunden.

Ronarc’h leitete anschließend einige Zeit die Zentraldirektion für U-Boot-Kriegsführung (: Direction centrale de la guerre sous-marine). Bereits ab 1909 hatte er sich intensiv mit Minen und Minenräumung befasst, die in Küstennähe ein großes Problem darstellten, und 1912 organisierte er die Geschwader leichter Schiffe für die Marine, die Teil des sog. DCSM-Programms waren. In diesem Zuge wurde auch ein Minensuchboottyp nach ihm benannt.Hubert de Blois & Jean Accary: La Guerre des mines dans la Marine française. Éditions de la Cité. 1982.

La zone des Armées du Nord (ZAN) 1916–1919 Im März 1916 wurde Ronarc’h von General Foch, dem Befehlshaber der Groupe d’Armées du Nord, zum Marinekommandanten in der Zone des Armées du Nord (ZAN) in Dünkirchen ernannt. Anfang 1917 stieß Arthur Bommelaer, ein hochrangiger Marineingenieur, zu ihm. Sein Kommando erstreckte sich nun von der Küste Nieuwpoort (Belgien) bis nach Saint-Jouin-Bruneval (nördlich von Le Havre), wo er sowohl die Befugnisse des Seepräfekten der ZAN ausübte, als auch alle Marineeinheiten befehligte (mit Ausnahme der Marineartillerie, die der schweren Artillerie des Heeres unterstellt war). Weiterhin fiel auch die enge Zusammenarbeit mit der britischen sog. Dover Patrol unter Reginald Bacon in seinen Aufgabenbereich, um deutsche Kriegsschiffe und U-Boote aus der Straße von Dover fernzuhalten.

Im Juni 1918, angesichts der deutschen Generaloffensive, entging Dünkirchen nur knapp der Evakuierung und der Zerstörung des Hafens durch eigene Kräfte. Es war vor allem Ronarc’h und dem britischen Befehlshaber der Dover Patrol Roger Keyes (Bacons Nachfolger) zu verdanken, dass diese voreiligen Maßnahmen verhindert wurden. Letztendlich erfolgte kein deutscher Angriff auf die Stadt und den Hafen. Im Oktober 1918 gelang es schließlich den alliierten Armeen, tief in das von deutschen Truppen evakuierte Belgien vorzudringen und Ronarc'h dehnte sein Einsatzgebiet bis zur niederländischen Grenze aus. Wenige Tage später wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Anschließend wurde Ronarc'h mit der Demobilisierung der während des Krieges requirierten Schiffe beauftragt.

Nach Kriegsende Am 1. Mai 1919 wurde die Zone des Armées du Nord aufgelöst. Ronarc’h amtierte nun vom 10. Mai 1919 bis zum 3. Februar 1920 als Generalstabschef der französischen Marine (: Chef d'état-major de la Marine) und folgte damit auf Ferdinand-Jean-Jacques de Bon. Abgelöst wurde er von Henri Salaün. Ebenfalls 1919 erfolgte seine Beförderung zum Vizeadmiral. Ronarc’h war zudem einer der wenigen Admirale, die am 14. Juli 1919 gemeinsam mit Abordnungen der Marineinfanterie und der Flotte an der großen militärischen Siegesparade in Paris teilnahmen.

Er starb 1940 im Alter de 75 Jahren in Paris und wurde in der Caveau des gouverneurs beigesetzt. Sein Neffe, Pierre-Jean Ronarc’h (1892–1960), war im Zweiten Weltkrieg ebenfalls ein hochrangiger Admiral der französischen Marine.

Auszeichnungen (Auswahl) 60px Großkreuz der Ehrenlegion (24. Januar 1919); 60px Croix de Guerre (1914–1918); 60px Médaille coloniale; 60px Großkreuz des belgischen Leopoldordens; 60px Croix de guerre (Belgien); 60px Order of the Bath (Großbritannien); 60px Navy Distinguished Service Medal (USA); 60px Ritter des Dannebrogordens (Dänemark); 60px Ritter des Ordens der Heiligen Mauritius und Lazarus (Italien); 60px Kommandeur des Nischan el Iftikhar (Tunesien). 60px Ritter des Ritterordens von Avis (Portugal) 60px Ritter des Annenordens (Rußland) 60px Companion des Order of St Michael and St George (Großbritannien).

Benennungen Nach ihm wurden mehrere geographische Orte und Schiffe benannt: Die Halbinsel Ronarc’h (Presqu’île Ronarc’h) auf Grande Terre, der Hauptinsel der Kerguelen. Das Lycée Amiral-Ronarc’h, ein Gymnasium in seiner Heimatregion in Brest. Eine neue Klasse von Fregatten der französischen Marine (Frégate de défense et d'intervention), deren Typschiff auf den Namen Amiral Ronarc’h getauft wurde und 2022 vom Stapel lief.

Literatur Charles Le Goffic: Dixmude, un chapitre de l'histoire des fusiliers marins. Librairie Plon, 1915. Souvenirs de la guerre. Stichwort: Vice-amiral Ronarc'h. Payot. 1921. Roger Laouenan: Des demoiselles au feu, l'épopée des fusiliers marins. Coop Breizh. 2004. Les Fusiliers-Marins sur le front de l'Yser, 1914-1915, Vice-amiral Ronarc'h. Éditions De Schorre, 2016 (Réédition illustrée de Souvenirs de 1921). La Berthaudière: La brigade Ronarc'h, journal Le Télégramme de Brest et de l'Ouest. Ausgabe Nr. 6114 vom 6. November 1964.

Weblinks

Stichwort: RONARC'H, Pierre Alexis Marie Antoine. Online auf: Archives Nationales - Base de Bassees Leonore. Link. Abgerufen am 7. April 2026

Einzelnachweise

Kategorie:Person im Boxeraufstand Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Frankreich) Kategorie:Träger des Leopoldsordens (Großkreuz) Kategorie:Träger der Navy Distinguished Service Medal Kategorie:Companion des Order of the Bath Kategorie:Ritter des Dannebrogordens Kategorie:Träger des Ordens der hl. Mauritius und Lazarus (Ritter) Kategorie:Träger des Ritterordens von Avis Kategorie:Träger des Ordens der Heiligen Anna Kategorie:Companion des Order of St. Michael and St. George Kategorie:Vizeadmiral (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1865 Kategorie:Gestorben 1940 Kategorie:Mann