Welt der Kunst war eine langlebige Buchreihe zur Kunstgeschichte. Sie erschien zwischen 1958 und 1990 in mehr als 150 Bänden im Ost-Berliner Henschelverlag.
Die Reihe erschien zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Aufmachungen. Zunächst hatten die Bände einen Umfang von 42 bis 46 Seiten. Zu einer Einleitung von etwa zehn Seiten kamen zehn bis 12 Gemäldereproduktionen und eine weitere kleine Zahl Schwarzweiß-Abbildungen im Text. Die mit einem Softcover versehenen Bücher in englischer Broschur hatten eine Höhe von etwas unter 27 Zentimetern und eine Breite von 21 Zentimetern. Sie kosteten durchweg sieben DDR-Mark. Um 1973 wurde die äußere Form wie auch die inhaltliche Präsentation verändert. Der Umfang der Bände konnte nun bis zu 70 Seiten umfassen, es gab etwa 20 Farbtafeln und eine größere Zahl zusätzlicher Textabbildungen. Die Farbtafeln wurden nun nicht mehr eingeklebt, sondern gedruckt. Auch die Qualität des Papiers war nun deutlich besser und der Buchdeckel bestand nun aus einem festen Karton mit Kunststoffüberzug. Die Form war bei knapp 28 Zentimetern Höhe und 24 Zentimetern Breite fast quadratisch. Preis dieser Ausgaben war 14 DDR-Mark. Seit 1988 wurden einige der Bände zusätzlich mit Gewebeeinband und Schutzumschlag heraus gebracht. Diese „Luxusausführungen“ kosteten 27,50 Mark. Sie entsprachen in Form und Aufmachung im Inneren exakt der Fassung für 14 Mark. Die erste und die zweite Variante erschienen lange Zeit nebeneinander, wobei es fast nie vorkam, dass es Bücher zu einem Thema oder einem Künstler gleichzeitig in beiden Formen gab. Eine der seltenen Ausnahmen war die Rubens-Ausgabe von Götz Eckardt 1977.
Die Reihe begann mit einem Schwerpunkt auf den französischen Impressionisten, was den Interessen vom Lektor der Kunst-Abteilung und späteren Verlagsleiter Kuno Mittelstädt (Vincent van Gogh) und seinem Freund, dem Kunsthistoriker Fritz Erpel (Paul Cézanne) entsprach. Beide sollten zu den profiliertesten Autoren der Reihe werden und diese über 30 Jahre mitgestalten. Ein weiterer zumindest sporadischer Schwerpunkt der Reihe wurde ebenfalls seit dem ersten Jahr bedient: die neuere Kunst der DDR und anderer sozialistischer Länder. In den folgenden Jahren erweiterte sich das Spektrum sowohl in die frühere kunsthistorische Vergangenheit, als auch zu moderneren und sogar zeitgenössischen Künstlern. Die Impressionisten sollten dennoch einer der Verkaufsschlager bleiben. So brachte es Mittelstädts Van-Gogh-Buch in der ersten Fassung auf acht, in der zweiten Fassung auf sechs Auflagen. Erpels Cézanne-Buch durchlief sogar drei verschiedene Varianten mit jeweils vier Auflagen, 1988 zudem in einer der teureren Gewebeeinband-Fassungen. Eine Neufassung oder Erweiterung der Bücher aufgrund der Umstellung der Reihe in der Mitte der 1970er Jahre war durchaus üblich. Selten, wie etwa im Falle des Buches zu Rembrandt, wechselte der Autor im Rahmen der Umstellung, hier von Ernst Vogel zu Fritz Erpel. 1976 wurde erstmals ein Themenband zu zeitgenössischen DDR-Künstlern einer speziellen Stadt (Leipzig) verfasst. Bis 1984 folgten vier weitere (Halle, Berlin, Karl-Marx-Stadt, Dresden).
Zunächst wurden alle Bände von Kunsthistorikern der DDR verfasst. Viele der Bände wurden als Lizenzen in andere Länder verkauft, darunter nach Österreich, in die Bundesrepublik und nach Island, aber auch nach Polen, Ungarn, Bulgarien, in die Sowjetunion und in späteren Jahren nach Kuba. Seit den frühen 1960er Jahren noch vereinzelt, im späteren Verlauf in zunehmendem Maße wurden Lizenzausgaben ausländischer Verlage und Autoren publiziert. Waren es zunächst vor allem Künstler dieser Länder, die in Lizenzausgaben vorgestellt wurden, waren später auch darüber hinaus gehende Themen. Seit den 1970er Jahren wurde die Reihe gemeinsam mit dem Budapester Corvina-Verlag sowie dem Warschauer Arkady-Verlag, seit den 1980er Jahren zudem dem Bălgarski-Chudožnik-Verlag aus Sofia als internationale Reihe in den jeweiligen Landessprachen heraus gebracht. Mindestens in Ungarn wurden auch deutsche Ausgaben gedruckt, die jedoch ausschließlich in Ungarn vertrieben wurden. Der Henschelverlag seinerseits verlegte russische Bände für die Sowjetunion und spanische für Kuba sowie vereinzelt auch englische Ausgaben für den internationalen Markt. Die Ausgaben der drei, später vier beteiligten Verlage waren weitestgehend inhaltsgleich und sahen meist identisch aus. Vereinzelt variierten sie jedoch im Detail, etwa in der Typografie der Titel, der Anordnung von Schrift und Bildern oder der Farbgebung des Hintergrundes.
Reihennamen der an der Reihe beteiligten Verlage: Ungarn: A művészet világa (Die Welt der Kunst) Polen: W kregu sztuki (Im Kreis der Kunst) Bulgarien: V sveta na izkustvoto (In der Welt der Kunst)
Reihennamen der an der lizenznehmenden Verlage: Island: Myndlist (Bildende Kunst) Österreich: Welt der Kunst ČSSR (Slowakei): Svet umenia (Die Welt der Kunst) Kuba: El mundo del arte (Die Welt der Kunst) Englische Ausgaben: The world of art (Die Welt der Kunst)
Nach der Wende wurde die Reihe wie der Großteil vergleichbarer Reihenwerke von DDR-Verlagen eingestellt. Neben einigen höheren Auflagen älterer Werke und einigen russischen Ausgaben wurde 1990 mit Gert Claussnitzers Frans Masereel der letzte neue Band publiziert. Einzig Elmar Jansen Ernst Barlach wurde 1993 noch einmal, nun aber nicht mehr als Teil der Reihe, aufgelegt.
Ausgaben
Neben Autoren, Titeln und Auflagen werden, wenn bekannt, auch die Lizenzausgaben und Übersetzungen angegeben. Hier besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die Angaben stammen fast komplett aus dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, die allerdings keinen eigenen GND-Eintrag dazu führt.
1958
Fritz Erpel: Paul Cézanne 1959², 1960³, 1962⁴ Island: Hreinn Steingrímsson (Übersetzer), Mál og menning, Reykjavík 1960 Heinrich Trost: Edouard Manet 1960², 1961³, 1963⁴, 1969⁵, 1971⁶, 1977⁷ Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1960 Island: Hreinn Steingrímsson (Übersetzer), Mál og menning, Reykjavík 1962 Kuno Mittelstädt: Vincent van Gogh 1959², 1961³, 1964⁴, 1965⁵, 1966⁶, 1966⁷, 1968⁸ Arno Neumann: Chinesische Malerei der Gegenwart
1959
Horst Jähner: Bert Heller Kurt Liebmann: Junge sozialistische Kunst Kuno Mittelstädt: Meisterwerke europäischer Malerei 1960² Karl-Heinz Klingenburg: Meisterzeichnungen der Renaissance Alexander Kamenski: Sowjetische Malerei Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1960
1960
Karl-Heinz Klingenburg: Gustave Courbet Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1961 Arno Neumann: Arno Mohr Dmitri Sarabjanow: Semjon Tschuikow Götz und Dorette Eckardt: Diego Velazquez Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1961 Island: Hreinn Steingrímsson (Übersetzer), Mál og menning, Reykjavík 1960
1961
Horst Jähner: Walter Arnold Kuno Mittelstädt: Paul Gauguin 1962², 1963³, 1964⁴, 1967⁵ Island: Hreinn Steingrímsson (Übersetzer), Mál og menning, Reykjavík 1968 Sigrid Hinz: Otto Niemeyer-Holstein
1962
Günter Meier: Francisco Goya 1965² (Neudruck), 1970³ (verändert), 197?⁴, 1973⁵ Island: Helgi Hálfdanarson (Übersetzer), Mál og menning, Reykjavík 1963 Heinrich Trost: Die Monatsbilder der Brüder von Limburg
1963
Kuno Mittelstädt: Jean-Baptiste Siméon Chardin 1968² Arno Neumann: Honoré Daumier Lothar Lang: Harald Hakenbeck Werner Timm: Leonardo da Vinci 1965², 1969³, 1972⁴
1964
Edit und Heinrich Trost: Giotto 1972² Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1964 Wolfgang Hütt: Otto Nagel István Genthon: István Szőnyi Übernahme vom Budapester Corvina-Verlag, Übersetzer: Stefan A. Faragó Dorette Eckardt: Antoine Watteau Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1964 1979²
1965 mini|hochkant|„Rembrandt“ von Ernst Vogel Albrecht Dohmann: Pieter Bruegel der Ältere 1967² Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1965 Fritz Erpel: Paul Cézanne (Neugestaltete Fassung) 1967², 1969³, 1971⁴ Bernhard Nowak: Fritz Cremer. Neue Arbeiten 1970² (verändert) Fritz Erpel: Michelangelo 1965² ?, 1973³ (verändert), 1974⁴ (verändert) Island: Hreinn Steingrímsson (Übersetzer), Mál og menning, Reykjavík 1965 Wolfgang Hütt: Karl Erich Müller Werner Timm: Edvard Munch Ernst Vogel: Rembrandt 1967², 1968³ Island: Gísli Asmundsson (Übersetzer), Mál og menning, Reykjavík 1966 Polen: Barbara Woszczyńska (Übersetzerin), Arkady, Warschau 1968
1966
Lothar Lang: George Grosz Hans Cobernuss: Hans Holbein der Jüngere 1972² Renate Krüger: Meisterwerke der altdeutschen Tafelmalerei 1969² Traugott Stephanowitz: Die russischen Wanderaussteller
1967
Ursula Koch: Albrecht Altdorfer 1968², 1974³ Angelo Walther: Caspar David Friedrich 1974² Liselotte Zinserling: Hans Grundig Österreich: Die Buchgemeinde, Wien 1968 Traugott Stephanowitz: Kusma Petrow-Wodkin Diether Schmidt: Pablo Picasso 1967² ?, 1976³ Hannelore Sachs: Veit Stoß 1972², 1977³
1968
Georg Piltz: Albrecht Dürer Lothar Lang: Renato Guttuso Günter Meier: Konrad Knebel Erika Thiel: Henri Matisse 1971²
1969
Kurt Schifner: Fritz Dähn Eva Zengel: Frans Hals Götz Eckardt: Peter Paul Rubens 1971², 1973³, 1977⁴ Kuno Mittelstädt: Jan Vermeer van Delft
1970 mini|hochkant|„Caravaggio“ von Renate Bergerhoff Renate Bergerhoff: Caravaggio 1973² Edit Trost: Jan van Eyck 1978² (überarbeitet) Gert Claussnitzer: Curt Querner
1971 mini|hochkant|„Renoir“ von Antje Richter Jutta Schmidt: Ernst Barlach 1973², 1974³ Ursula Kesselhut: Giorgione 1972² (Neuausgabe), 1978³ Polen: Arkady, Warschau 1976 Antje Richter: Auguste Renoir 1973², 1977³ Erika Neumann: Kurt Robbel
1972
Heinz Lüdecke: Lucas Cranach der Ältere 1974², 1975³ Jean Rollin: André Fougeron Übersetzerin aus dem Französischen: Carla Sooß Jan Białostocki, Maria Smulikowska: William Hogarth Übernahme vom Warschauer Arkady-Verlag, Übersetzer: Josef Adamiak Alfred Nützmann: Niko Pirosmani 1975² Renate Bergerhoff: Tizian 1974², 1981³ (erweitert) Polen: Tycjan, Leon Kasajew (Übersetzer), Arkady, Warschau 1979 Ungarn: Tiziano, Corvina Kiadó, Budapest 1980 Bulgarien: Nikola Georgiev (Übersetzer), Bălgarski Chudožnik, Sofia 1981 Kuba: Jorge A. Pomar (Übersetzer), Editorial Arte y Literatura, Havanna 1987
1973 mini|hochkant|„Vincent van Gogh“ von Kuno Mittelstädt Fritz Erpel: Paul Cézanne (Dritte Fassung) 1977², 1983³, 1971⁴ 1. Auflage mit Gewebeeinband und Schutzumschlag: 1988 ISBN 3-362-00062-2 1988² Ungarn: Gyurita Ilona (Übersetzerin), Corvina Kiadó, Budapest 1976 Diether Schmidt: Otto Griebel Hannelore Nützmann: Andrea Mantegna 1977² Werner Timm: Edvard Munch (Neugestaltete Fassung) 1976² (erweitert), 1978³ Kuba: Carlos Rincón (Übersetzer), Editorial Arte y Literatura, Havanna 1982 Englischsprachige Ausgabe: Lisbeth Gombrich (Übersetzerin), Henschel, Berlin 1982 Fritz Erpel: Rembrandt (Neu) 1974², 1977³, 1978⁴, 1979⁵, 1984⁶ 1. Auflage mit Gewebeeinband und Schutzumschlag: 1989 ISBN 3-362-00283-8 Ungarn: Kertész Judit (Übersetzerin), Corvina Kiadó, Budapest 1985 Sowjetunion (Russisch): Sergeja Daniltschenko (Übersetzerin), Henschel, Berlin 1989, ISBN 3-362-00077-0 Sigrid Hinz: Philipp Otto Runge 1977² Kuno Mittelstädt: Vincent van Gogh (Neugestaltete Fassung) 1973² (ergänzt), 1977³ (ergänzt), 1979⁴, 1981⁵, 1985⁶ Ungarn: Gáli József (Übersetzer), Corvina Kiadó, Budapest 1976 überarbeitete Fassung: Szalai Lajos (Übersetzer), Corvina Kiadó, Budapest 1982 Bulgarien: Nikola Georgiev (Übersetzer), Bălgarski Chudožnik, Sofia 1977 Kuba: Carlos Rincón (Übersetzer), Henschel, Berlin 1977 1979² Polen: Egbert W. Skowron (Übersetzer), Arkady, Warschau 19?? 1986², 1987³ Dorette Eckardt: Antoine Watteau (Neugestaltete Fassung) 1975², 1978³, 1982⁴ Ungarn: Székely András (Übersetzer), Corvina Kiadó, Budapest 1978 Polen: Barbara Ostrowska (Übersetzerin), Arkady, Warschau 1978 Kuba: Jorge A. Pomar (Übersetzer), Editorial Arte y Literatura, Havanna 1986 Sowjetunion (Russisch): Henschel, Berlin 1988, ISBN 3-362-00235-8
1974
Zygmunt Waźbiński: Botticelli