mini|Robert Schütt, an der University of California, Berkeley (2026) Robert Schuett (auch Robert Schütt; * 1979 in München) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler, Beamter, Hochschullehrer und Strategieberater. Er ist Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) und Fulbright-Botstiber Visiting Professor of Austrian-American Studies an der Stanford University.
Biografie Schuett absolvierte zunächst ein Diplomstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule München mit Auslandssemestern in den USA und China sowie einer Diplomarbeit über e-Government; und er setzte dann das Studium der Politikwissenschaft an der Hochschule für Politik München mit Schwerpunkt politische Theorie fort.
Ab 2004 studierte Schuett an der Durham University, wo er 2005 einen Master of Arts (MA) mit einer politikphilosophischen Arbeit über vertragstheoretische Ansätze betreffend Legitimität in der internationalen Politik (externer Gutachter: Chris Brown) erwarb und 2009 mit einer politiktheoretischen Arbeit über den Begriff der menschlichen Natur im politischen Realismus, mit besonderer Berücksichtigung von Sigmund Freud, zum Doctor of Philosophy (PhD) promoviert wurde (externer Gutachter: Richard Little). Im Jahr 2007 war er Gastwissenschaftler an der LUISS in Rom; nach dem Doktorat war er im Jahr 2010 ein Gastwissenschaftler an der University of California, San Diego.
Er war von 2011 bis 2022 im Ressortbereich des österreichischen Verteidigungsministeriums tätig, inklusive in der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei, und insbesondere für geopolitische Analyse und hybride Bedrohungen zuständig. Zwischen 2023 und 2024 war er dem österreichischen Innenministerium dienstzugeteilt.
Seit 2022 lehrt er "Geopolitik" sowie "Transatlantische Beziehungen" im Master of Advanced International Studies (MAIS)-Programm an der Diplomatischen Akademie Wien; ferner "Wissenschaft- und Technologiegeschichte" im Digital International Affairs (DIA)-Programm. Weiters lehrt er an der Universität Salzburg und an der Durham University, wo er langjähriger Honorary Fellow ist. Er habilitierte sich 2021 an der Universität Salzburg mit einer Arbeit über den politischen Realismus von Hans Kelsen.
Seit 2025 ist er Kolumnist bei Global Policy. Gelegentlich äußert Schuett sich zu außen- und sicherheitspolitischen Themen in österreichischen Tageszeitungen, darunter die Wiener Zeitung, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Die Furche und Der Standard. Er ist Mitglied des Editorial Board des Journal of Austrian-American History.
Schuett lebt und arbeitet in Wien. Zudem ist er Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von STK Powerhouse, einer internationalen Strategieberatung für geopolitische Risiken, strategische Kommunikation und Auftragsforschung mit Sitz in Wien-Wieden.
Forschung Sein Forschungsschwerpunkt liegt an der Schnittstelle von politischer Theorie und internationaler Politik, mit besonderem Interesse an der Methodik des klassischen Realismus und der Englischen Schule in den Internationalen Beziehungen.
Hans Kelsen mini|Hans Kelsen, ~1930 Im Mittelpunkt steht dabei das Werk des österreichisch-amerikanischen Juristen und Rechtsphilosophen Hans Kelsen, den er als politischen Realisten interpretiert. Seine Monographie Hans Kelsen's Political Realism (2021) wurde 2025 ins Spanische übersetzt. Das Buch trägt Klappentexte von, unter anderem, George Soros, Clemens Jabloner, Wolfgang Petritsch, Stephen P. Turner, Miles Hollingworth, Peter M.R. Stirk und Nicholas Onuf.
Unter dem Titel Kelsen, Politics, and Realismdoi:10.15203/ozp.4048.vol51iss3 gab er im Jahr 2022 in der Österreichischen Zeitschrift für Politikwissenschaft ein Sonderheft zum politischen Denken Kelsens heraus. Mit Förderung des Zukunftsfonds der Republik Österreich hielt er im September 2025 auf Einladung mehrerer kolumbianischer Universitäten in Bogotá und Medellín viele Vorträge über den politischen Realismus von Hans Kelsen.
Seine Kelsen-Forschung verbindet politischen Realismus mit dem Begriff der offenen Gesellschaft, was er als „open society realism“ bezeichnet.
Er gilt als großer Verehrer und Verteidiger von Hans Kelsen und dessen Demokratietheorie und Lehre des internationalen Rechts: "Das Werk Robert Schütts feiert den Menschen Hans Kelsen und dessen politisches Denken und verteidigt beides gegen die Anhänger Carl Schmitts, die Kelsen bis heute - abwertend - als 'Idealisten' bezeichnen."
Sicherheitspolitik mini|Hans J. Morgenthau, 1965 Weitere Forschungsinteressen sind klassischer Realismus, Sicherheitspolitik und Nachrichtendienste.
Im Bereich der internationalen Beziehungen sowie Außen- und Sicherheitspolitik gilt Schuett als Realist in der Tradition von Hans J. Morgenthau, John Herz, Reinhold Niebuhr, Walter Lippmann, E.H. Carr, Georg Schwarzenberger, und George F. Kennan, und zugleich als großer Kritiker des Neorealismus. Neben Kelsen und Freud nimmt Hans Joachim Morgenthau eine zentrale Stellung in Schütts wissenschaftlichem Werk und politischem Denken ein.
Seine theoretischen und praktischen Interessen in der sicherheitspolitischen Forschung umfassen Großmachtpolitik, hybride Bedrohungen, das klassische Sicherheitsdilemma sowie Fragen der Diplomatie und der Zukunft der internationalen Ordnung. Er tritt für eine Verbindung von analytischen und normativen Ansätzen in der Sicherheitspolitik ein.
Ein weiteres Arbeitsgebiet von Schütt gilt der Schnittstelle von organisierter Kriminalität und Geopolitik, insbesondere der Frage, wie kriminelle Netzwerke zunehmend als Instrumente staatlicher Machtpolitik und hybrider Kriegsführung eingesetzt werden.
Nachrichtendienste mini|Robert Schütt, an der Universität Salzburg (2024) Er leitet das politikwissenschaftliche Seminar Intelligence Studies an der Universität Salzburg.
Gefördert vom Zukunftsfonds der Republik Österreich leitete er 2024 gemeinsam mit dem britischen Politikwissenschaftler John C. Williams, Professor für Internationale Beziehungen an der School of Government and International Affairs (SGIA), University of Durham, das Forschungsprojekt "Stealing Secrets? Intelligence Theory and the Open Society". Gemeinsam mit John C. Williams untersuchte er die Five Eyes aus der Perspektive der Englischen Schule. Im Rahmen der 10. Jahreskonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft moderierte er im November 2024 an der Central European University in Wien ein Panel zu Intelligence Studies.
Seine Nachrichtendienstforschung verbindet er mit seiner Kelsen-Forschung; er fragt, welche Rolle Nachrichtendienste in einer auf Recht und Demokratie gegründeten internationalen Ordnung spielen können und sollen. Zu seinen aktuellen Forschungsprojekten zählt eine "Pure Theory of Intelligence" in Anlehnung an Hans Kelsens methodischen Ansatz.
Schriften (Auswahl)
Monographien Hans Kelsen’s Political Realism. Edinburgh University Press, 2021. ISBN 9781474481687 Spanische Übersetzung: El realismo político de Hans Kelsen. 2025. Political Realism, Freud, and Human Nature in International Relations. Palgrave Macmillan US, 2010. ISBN 978-0-230-62354-5
Herausgegebene Werke Mit Miles Hollingworth (Hrsg.): The Edinburgh Companion to Political Realism. Edinburgh University Press, 2018. ISBN 9781474423281 Mit Peter M.R. Stirk (Hrsg.): The Concept of the State in International Relations: Philosophy, Sovereignty, and Cosmopolitanism. Edinburgh University Press, 2015. ISBN 9780748693627
Sonderhefte Kelsen, Politics, and Realism. Austrian Journal of Political Science. 51, Nr. 3, 2022.
Aufsätze Defending Democracy: Hans Kelsen and Intelligence in International Society In: Cosmos+Taxis: Studies in Emergent Orders and Organization 13, Nr. 7/8, 2025, S. 43–55. Geopolitik und organisierte Kriminalität: Grenzüberschreitende OK als (harter) geopolitischer Akteur. SIAK-Journal: Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis 21, Nr. 2, 2024, S. 4–18. Mit John C. Williams: Intelligence in International Society: An English School Perspective on the Five Eyes. Global Policy 15, Nr. 2 (2024):223-233. Speaking Truth to Power: Kelsen, Freud, and Peace through Law. In: Theory and Critics of Social Regulations. 27, Nr. 2, 2023, S. 27–44. Professor Kelsen’s Amazing Reappearing Act. In: Austrian Journal of Political Science 53, Nr. 3, 2022, S. 2–10. The End of Open Society Realism? In: Analyse & Kritik: Journal of Philosophy and Social Theory. 44, Nr. 2, 2022, S. 219–242. Peace through Transformation: Political Realism and the Progressivism of National Security. In: International Relations 25, Nr. 2, 2011, S. 185–203. Freudian Roots of Political Realism: the Importance of Sigmund Freud to Hans J. Morgenthau’s Theory of International Power Politics. In: History of the Human Sciences. 20, Nr. 4, 2007, S. 53–78.
Buchbeiträge Die Machtverteilung und Machtbeziehungen zwischen den Weltmächten. In: Johann Frank, Johannes Berchtold (Hrsg.): Ethos der Macht. Duncker & Humblot, Berlin 2025, S. 593–638. Buchrezensionen How to Survive a Hostile World: Power, Politics, and the Case for Realism, Patrick Porter, Stanford: Stanford University Press, 2025 (202 p.). In: Perspectives on Politics 24, Nr. 2, S. 952–54. George Soros: A Life in Full, herausgegeben von Peter Osnos, Boston, MA: Harvard Business Review Press, 2022. In: Austrian Journal of Political Science. 52, Nr. 2, 2023, S. 16–17. Die zeitlose Aktualität von George Soros. In: Wiener Zeitung, 17. August 2022. "Hans Kelsen in den USA"-Kolumne (2026) The Pope, the Tyrants, and the Man They Both Need to Read. In: Global Policy, 20. April 2026. Kelsen, the Sanctuary, and the Spy. In: Global Policy, 26. April 2026. Kelsen on Vance and Niebuhr. In: Global Policy, 4. Mai 2026. Kelsen, Power, and God. In: Global Policy, 11. Mai 2026. Kelsen, Lost in Translation? In: Global Policy, 18. Mai 2026. Kelsen and the Oldest Political Argument. In: Global Policy, 25. Mai 2026. A Berkeley Memory of Hans Kelsen. In: Global Policy, 1. Juni 2026. A Kelsenian Justice for Our Time. In: Global Policy, 8. Juni 2026. A Kelsenian Democracy for Our Time. In: Global Policy, 15. Juni 2026. A Kelsenian Peace for Our Time. In: Global Policy, 22. Juni 2026.
Weblinks Profile Dr Robert Schuett beim Royal United Services InstituteI - Global Policy Columnist Biography Universität Salzburg Honrary Fellow der University of Durham Stanford University
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