Die Phoenix ist ein russischer Aframax-Rohöltanker. Das Schiff wird zur russischen Schattenflotte gezählt. Es steht auf der Liste der von der EU sanktionierten Schiffe. Der Tanker war 2025 unter verschiedenen Namen in mehrere Vorfälle in Europa im Zusammenhang mit Aktionen gegen die russische Schattenflotte und Vorfälle, hinter denen russische Spionagetätigkeiten vermutet wurden, verwickelt.
Geschichte Bau und Indienststellung Das Schiff wurde unter der Baunummer S 740 auf der japanischen Werft Sasebo Heavy Industries in Sasebo gebaut. Es war eins von mehreren baugleichen Tankern, die für verschiedene Reedereien gebaut wurden. Die Kiellegung des Schiffes erfolgte am 15. Dezember 2004, das Aufschwimmen im Baudock am 22. Februar 2007. Die Fertigstellung des Schiffes erfolgte am 30. März 2007.
Das Schiff wurde als Pacific Apollo unter der Flagge von Hongkong mit Heimathafen Hongkong in Dienst gestellt.
Zwischenfälle Überfall in der Straße von Malakka Am 29. Dezember 2011 wurde der damals noch unter dem Namen Pacific Apollo fahrende Tanker in der Straße von Malakka überfallen und Ersatzteile aus dem Maschinenraum gestohlen.
Vorfall vor der Küste Estlands Im April 2025 wurde der Tanker unter dem Namen Kiwala in der Ostsee vor der Küste Estlands von estnischen Behörden wegen rechtlicher Unklarheiten kontrolliert. So führte das Schiff die dschibutische Flagge, das Land hatte das Schiff wegen illegaler Aktivitäten allerdings aus dem Register gestrichen. Bei den Kontrollen an Bord wurden außerdem zahlreiche Mängel festgestellt, woraufhin der Tanker zunächst festgehalten wurde. Nach der Behebung der Mängel und der Wiederaufnahme des Schiffes in das dschibutische Register konnte der Tanker nach rund zwei Wochen seine Fahrt fortsetzen.
Vorfall vor der Küste Dänemarks In der Nacht zum 23. September 2025 befand sich der Tanker – nun unter dem Namen Boracay – in der Ostsee vor der dänischen Insel Lolland, bevor er zum Großen Belt weiterfuhr. Das Fachmagazin The Maritime Executive vermutet, dass das Schiff als Startplattform für jene Drohnen gedient haben könnte, die in der Nacht zum 22. September den dänischen Flugverkehr gestört hatten. Dabei wurden in der letzten Septemberwoche 2025 unbekannte Drohnen über fünf dänischen Flughäfen gesichtet: Kopenhagen, Aalborg, Billund, Esbjerg und Sonderborg. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörden um einen koordinierten Angriff. Sowohl der Kopenhagener als auch der Aalborger Flughafen wurden als Reaktion auf die Drohnen für mehrere Stunden geschlossen.
Entern durch die französische Marine Am 1. Oktober 2025 enterten französische Soldaten das Schiff vor der bretonischen Insel Île d’Ouessant. Die Staatsanwaltschaft in Brest erklärte dazu, die Besatzung habe die Zusammenarbeit verweigert und die Nationalität des Schiffes nicht begründet. Der Tanker kam aus dem russischen Hafen Primorsk. Er lag nun in internationalen Gewässern, ganz in der Nähe des großen Windparks vor der Küste der Stadt Saint-Nazaire, fest. Der vermeintliche Kapitän und sein Stellvertreter wurden in Polizeigewahrsam genommen. Am 2. Oktober 2025 beschuldigt der russische Präsident Wladimir Putin Frankreich der Piraterie. Am 3. Oktober konnte das Schiff mit den zurückgekehrten Schiffsoffizieren seine Fahrt fortsetzen.
Im März 2026 wurde bekannt, dass ein französisches Gericht den Kapitän in Abwesenheit zu einem Jahr Haft verurteilt hatte. Der chinesische Schiffsführer wurde zu einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt. Dem Kapitän war vorgeworfen worden, Anweisungen nicht befolgt zu haben, als französische Seestreitkräfte den Tanker Ende September vor der bretonischen Küste aufbrachten. Die Drohnenvorfälle vor der dänischen Küste spielten bei dem Gerichtsverfahren keine Rolle.
Laut Recherchen des US-Senders CNN sollen sich an Bord des Tankers zwei Russen befunden haben, die für eine private russische Sicherheitsfirma mit Verbindungen zur Armee und zum Geheimdienst gearbeitet hätten.
Einzelnachweise
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