Enrique Raab (geboren am 2. Februar 1932 in Wien als Heinrich Raab; verschwunden am 16. April 1977 in Buenos Aires) war ein österreichisch-argentinischer Journalist. Er wurde am 16. April 1977 während der Argentinischen Militärdiktatur verschleppt und nie wiedergefunden.

Leben Enrique Raab wurde 1932 als Sohn einer jüdischen Familie in Wien geboren. Nach dem Anschluss Österreichs floh die Familie zunächst nach Griechenland, von wo ihnen die Ausreise nach Argentinien gelang. Enrique Raab besuchte eine Schule in Buenos Aires und anschließend das Gymnasium Colegio Nacional de Buenos Aires, schloss dieses jedoch nie ab. Ende der 1940er Jahre war er Mitglied des Kino-Clubs Gente de Cine, der unter anderem von Rolando Fustiñana, dem Gründer der Cinemateca Argentina, ins Leben gerufen wurde. Die Gruppe löste sich im September 1955 auf, als die Demokratie in Argentinien zusammenbrach und Pedro Eugenio Aramburu an die Macht kam.

In den 1960ern engagierte er sich weiter für das argentinische Kino. Unter anderem schrieb er einen Essay über den Regisseur Luchino Visconti. Er drehte außerdem den Kurzfilm José, der jedoch heute als verschollen gilt. Weitere Filme scheiterten an der Finanzierung. Des Weiteren überarbeitete er ein Stück von Molière, das jedoch nie zur Aufführung kam.

Ab 1962 arbeitete er für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter die Primera Plana, Panorama, Confirmado, Siete Días, Análisis und Tageszeitungen wie El Cronista und La Opinión. Am 6. August 1965 veröffentlichte er Paz para los hombres (dt. „Frieden für die Menschen“), ein Interview mit dem Philosophen Bertrand Russell zum Gedenken an den 20. Jahrestag des Atombombenabwurfs über Hiroshima. Während seiner journalistischen Karriere arbeitete er häufig unter Jacobo Timerman. Er erwarb sich den Ruf eines Enfant terrible des argentinischen Journalismus und war auch eine treibende Kraft der Journalistengewerkschaften. In seinen Schriften mischte er Pop- und die sogenannte Hochkultur, die damals oft noch strikt getrennt voneinander waren. Auch betätigte er sich politisch und gesellschaftskritisch, trotz der wechselnden Regime in Argentinien, die mal mehr, mal weniger der Zensur unterlagen.

Zu seinen Lebzeiten erschien lediglich ein einziges Buch über die Revolution in Kuba, das aus acht Artikeln bestand, die er für La Opinión verfasst hatte. Viele seiner Artikel wurden jedoch neu aufgelegt.

Bei La Opinión war er 1973/1974 während der zweiten Regierungszeit von Juan Perón leitender Redakteur und übte auch scharfe Kritik an seiner Nachfolgerin Isabel Martínez de Perón und ihrem Ratgeber López Rega. Als Marxist bekannt schloss er sich zwar nicht der Partido Revolucionario de Trabajadores (PRT) an, hegte aber offen Sympathien für die trotzkistische Partei. Zudem übernahm er den Posten des Chefredakteurs der Zeitschrift Nuevo Hombre, die sich satirisch mit der Gesellschaft auseinandersetzte. All dies führte zu vermehrten Morddrohungen, zum Teil auch mit antisemitischem Hintergrund.

Entführung Nachdem 1976 die Militärjunta unter General Jorge Rafael Videla an die Macht gekommen war, steigerten sich die Drohungen gegen Raab. Trotz mehreren Versuchen seiner Freunde und Arbeitskollegen, ihm die Ausreise nach Europa zu ermöglichen, blieb er in Argentinien. Am 16. April 1977 wurde er mitten in der Nacht aus seiner Wohnung entführt. Dabei erlitt er eine Schusswunde am Arm. Sein weiteres Schicksal ist ungewiss. Sein Vater stellte einen Vermisstenantrag, der jedoch nie verfolgt wurde. Vermutlich wurde er im Anschluss an seine Folterhaft unter Drogen gesetzt und im Atlantik ertränkt.

Privatleben Raab hielt sein Privatleben überwiegend geheim. Auch wenn er antisemitisch beleidigt und bedroht wurde, war er ein säkulärer Jude, der wenig religiöse Bezüge hatte und sich an keine Vorschriften hielt.

Enrique Raab war homosexuell und lebte mit seinem Partner Daniel Girón zusammen, der zeitgleich mit ihm entführt wurde, jedoch sechs Tage später wieder freigelassen wurde. Er war die letzte Person, die Kontakt zu Raab hatte, da sie kurzzeitig zusammen inhaftiert waren, sich jedoch nur kurz unterhalten konnten.

Literatur Raab, Enrique; Ana Basualdo. Cronicas Ejemplares: Diez Anos De Periodismo Antes Del Horror, 1965–1975. Perfil Libros. ISBN 950-639-272-2 Raab, Enrique (1975). Cuba Vida Cotidiana Y Revolucion. Buenos Aires: Editorial de La Flor. Eseverri, Máximo (2007). Enrique Raab: claves para una biografía crítica. Periodismo, cultura y militancia antes del golpe. Buenos Aires: Prometeo. S. 129. Raab, Enrique; Periodismo Todoterreno, prólogo de Maria Moreno Blaustein, Eduardo; Martín Zubieta (1998). Textos de periodistas desaparecidos. In: Decíamos ayer: la prensa argentina bajo el Proceso, Buenos Aires, Colihue, S. 652. ISBN 950-581-603-0. Sylvia Saítta y Luis Alberto Romero, Grandes entrevistas de la Historia Argentina (1879–1988), Buenos Aires, Punto de Lectura, 2002. Walsh, Patricia, Seminario de Investigación Periodística, método y escritura, U.N.L.Z, 1999. Camaño, Juan Carlos y Osvaldo Bayer, Periodistas desaparecidos, Buenos Aires, Norma, 1998.

Einzelnachweise

Kategorie:Journalist (Argentinien) Kategorie:Österreichischer Emigrant in Argentinien Kategorie:Opfer der argentinischen Militärdiktatur Kategorie:Person (Buenos Aires) Kategorie:Österreicher Kategorie:Argentinier Kategorie:Geboren 1932 Kategorie:Gestorben im 20. oder 21. Jahrhundert Kategorie:Mann Kategorie:Vermisste/Verschollene Person (20. Jahrhundert)