3mini|Katharina Braunschmidt mini|Auguste-Victoria-Heim Katharina Braunschmidt (* 6. September 1865 in Wormditt, Kreis Braunsberg; † 2. September 1923 in Oliva) war die Oberin der Lübecker Schwesternschaft vom Roten Kreuz.
Leben Schwesternschaften Katharina Braunschmidt war die Tochter des evangelischen Pfarrers (Emil Ferdinand) Ludwig Braunschmidt (1829–1866) an der Kirche St. Nikolaus in Wormditt. Früh Halbwaise, widmete sie sich, sobald sie konnte, als Johanniterschwester der Krankenpflege.
Mit ihren Begabungen, besonders den Fähigkeiten in der Behandlung von Menschen und menschlichen Verhältnissen sowie ihrem Eifer bei der Erfüllung ihrer schweren Schwesternpflichten, zog sie schon bald die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich. Bereits Ende der 1890er Jahre erwählte man sie zur Oberin des Mutterhauses vom Roten Kreuz, das Auguste-Viktoria-Heim, in Eberswalde. Durch geschickte und weitblickende Leitung entwickelte sie dieses während der folgenden zehn Jahre zu einem der bedeutendsten Mutterhäuser Deutschlands.
Das Zeichen des Roten Kreuzes wurde am 22. März 1902 reichsgesetzlich geschützt und das Kriegsministerium bzw. der kaiserliche Kommissar entschied über dessen Verleihung. Im Frieden stand an seiner Spitze das Zentral-Komitee der deutsche Vereine vom Roten Kreuz. Hierzu gehörten in erster Linie Männervereine, sogenannte Vereine vom Roten Kreuz, und die Vaterländischen Frauenvereine nebst den Frauenvereinen vom Roten Kreuz. Die Frauenvereine standen den Männervereinen koordiniert zur Seite. Sie bildeten Pfleger- und Helferinnen und ähnliches Personal für den Kriegsfall heran und benutzten es in Friedenszeiten für die Gemeindepflege und zu ähnlichen Zwecken. Landrat Deegen: Das Rote Kreuz und seine Schwestern. In: Lübeckische Blätter, 50. Jg., Nummer 50, Ausgabe vom 13. Dezember 1908, S. 792–794 und Nummer 51, Ausgabe vom 20. Dezember 1908, S. 815–819
mini|Ehemaliges Mutterhaus mit Privatklinik Mit dem Initiativgedanken den Mangel an gut geschulten Schwestern und die Gesundheitsversorgung zu beheben, gründete der lübeckische Vaterländische Frauenverein 1903 seine Schwesternschaft. Diese erhielt 1908 mit der Klinik in der Moltkestraße, den städtischen Fürsorgeeinrichtungen sowie der Gemeinde- und Altenpflege ihre ersten Arbeitsgebiete. 1909 folgte Braunschmidt dem an sie ergangenen Ruf des Frauenvereins zur Oberin ihrer Schwesternschaft. Es folgte der Erste Gestellungsvertrag über elf Schwestern mit dem Lübecker Allgemeinen Krankenhaus.Das Lübecker Allgemeine Krankenhaus, das spätere Krankenhaus Süd ist die heutige Sana Klinike Lübeck GmbH Auf ihre Initiative hin folgte im selben Jahr der Beschluss des Senates sich mit der Gründung einer Krankenpflegeschule eine eigene Schwesternschaft heranzubilden. Die Schwesternschaft übernahm 1936 die Kinderkrankenpflegeschule am Städtischen Krankenhaus. 1938 wird sie durch das erste Krankenpflegegesetz, dem Gesetz über die Ausbildung und Prüfung an Krankenpflegeschulen, auf Reichsebene staatlich anerkannt. Im gleichen Jahr wurden unter den Augen der Oberin die ersten sechs Rote-Kreuz-Schwestern ausgebildet und ausgerüstet.
Für ihre Tätigkeit erhielt die Schwesternschaft freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung im Mutterhaus in der Moltkestraße 13a. Ihre Mitglieder waren verpflichtet, stets anwesend zu sein. Lediglich an Sonn- und Feiertagen wurde von 14 Uhr bis Mitternacht eine Vertretung gestellt. Für den Ernstfall war eine Reihe von Roten-Kreuz-Schwestern dazu ausersehen, mit ins Feld zu rücken. Der Vaterländische Frauenverein hatte deshalb die Aufgabe, in Friedenszeiten deren Kriegstätigkeit vorzubereiten. Ein Teil davon war die Organisation des alljährlich Ende Oktober. beginnenden Kursus durch die Schwesternschaft für „Helferinnen vom Roten Kreuz“ zu gewährleisten.Frau H. B.: Helferinnen vom Roten Kreuz. In: Lübeckische Blätter, 55. Jahrgang, Nummer 39, Ausgabe vom 28. September 1913, S. 618–619.
Um den Korpsgeist innerhalb eines Schwesternlebens zu formen, gab es als Höhepunkte im Mutterhaus religiöse Zusammenkünfte und Feiern.
Innerhalb von vier Jahren gewann Braunschmidt eine Anzahl von Mitschwestern aus ihren früheren Schwesterhäusern für Lübeck gewonnen und die Anzahl der Schwestern war auf fast 50 angewachsen. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie in Lübeck, wie es in ihrem Nachruf hieß aus dem nichts, einen der stärksten Bäume der Schwesternschaft geschaffen. Von ihr waren 20 Schwestern im Krankenhaus, 5 in den Heilstädten der Landesversicherungsanstalt der Hansestädte, 2 in der Säuglingsfürsorge und 1 in der Lungenfürsorge. Das Medizinalamt und die Armenbehörde beschäftigten je eine, 3 in der Gemeindepflege außerhalb der Stadt und die übrigen in der Privatklinik und in der Privatkrankenpflege. Da das Mutterhaus 1913 viel zu klein geworden war, strebte man den Bau eines neuen Mutterhauses an.824.: Ein Mutterhaus für die Rote=Kreuz=Schwestern. In: Lübeckische Blätter, 55. Jahrgang, Nummer 46, Ausgabe vom 16. November 1913, S. 749–750.Hinter der Chiffre 824. verbarg sich in den Lübeckischen Blättern der Studienrat Otto Hoffmann. Erst 1935 sollte ein Grundstück für ein neues Mutterhaus, samt Klinik mit eigener Vorschule erworben werden.
mini|27. Oktober 1914 Am 2. August 1914 trat der Ernstfall ein. Nach der Vervollständigung der stets bereitstehenden Kriegsausrüstung verließen die fünf verpflichteten Etappenschwestern, Eine der fünf verpflichteten Etappenschwestern war Milka Gauda. Sie war als Oberschwester im Allgemeinen Krankenhaus zur Nachfolgerin der verstorbenen Oberin erwählt worden. nach stiller Abschieds- und Abendmahlsfeier in der Sakristei der Aegidienkirche, gemäß ihrer Order am 11. August die Schwestern in Richtung der Kriegsintendantur zum Sitz des XI. Armee-Korps in Altona. Am 28. September wurden drei, am 8. Oktober zwei weitere Schwestern entsand. Als am 28. Oktober der Lübecker Lazarettzug die Stadt verließ, stellte die Schwesternschaft zwei Schwestern. 1916 wurden weitere 3, Vaterländischer Frauenverein in Lübeck. In: Lübeckische Blätter, 59. Jahrgang, Nummer 24, Ausgabe vom 17. Juni 1917, S. 329–330. 1917 10 Schwestern in die Etappe entsendet. Vaterländischer Frauenverein in Lübeck. In: Lübeckische Blätter, 60. Jahrgang, Nummer 36, Ausgabe vom 30. Juni 1918, S. 313–315.
mini|Mobilmachung Unmittelbar nach der Mobilmachung erwuchs der Oberin daheim eine Sonderaufgabe. Der ungeheure Ansturm von Frauen und Mädchen, Maria Mercedes Helene, Tochter des Bürgerschaftsmitgliedes und Richters Eduard Kulenkamp, war bspw. eine denen gewesen, die unmittelbar nach der Mobilmachung eine Schwester werden wollte. welche sich zur Verwundetenpflege drängten und vielfach ohne jegliche Kenntnis der Krankenpflege am liebsten umgehend zur Front wollten, hatte sie zu sichten und zu lenken. Bis Ende 1915 traten der Schwesternschaft 15 (ungebildete) Probeschwestern, 20 Schwestern, 13 Hilfsschwestern und 42 Schwestern für Lazarettpflege bei, Oberin K. Braunschmidt: Jahresbericht der Abteilung Schwesternheim und Privatklinik des Vaterländischen Frauenvereins Lübeck. In: Lübeckische Blätter, 58. Jahrgang, Nummer 24, Ausgabe vom 11. Juni 1916, S. 355–358. 1916 18 ausgebildete Schwestern, 28 Lehrschwestern und 14 Kriegshilfsschwestern. Eine Pockenepidemie auf der isolierten Abteilung des Krankenhauses erforderte über Monate zusätzliche 5 Schwestern.
Unvergesslich blieb Braunschmidt der Morgen des 4. September 1914 als der erste Verwundetentransport im Bahnhof empfangen worden war und sie erstmals unmittelbar mit dem Ernst des Krieges in Berührung kam.
mini|Ankunft von Verwundeten im Lager Die Kriegsintendantur hatte schon zu Beginn des Krieges, da das Burgfeld hierfür als besonders geeignet galt, hier ein aus 36 Baracken bestehendes Lazarett mit eigenem Straßenbahnanschluss für den Verwundetentransport vom Bahnhof auf das Gelände des Barackenlazaretts errichten lassen.„Barackenlager.“ In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1914, Nr. 3, Ausgabe vom 18. Oktober 1914. Die Fläche des Burgfeldes umfasste seinerzeit den heutigen Platz und erstreckte sich die Israelsdorfer Allee bis zur Adolfstraße hinauf. Bereits zu dessen Planung ging man davon aus, dass es das größte im Norden werden würde. Es heißt, dass das Lazarett in diesem Krieg zu den größten innerhalb des Reiches gehörte, bzw. das größte gewesen sei. Der nicht im Felde befindliche Teil der Schwesternschaft wurde gestellt.
mini|Gefangenenaustausch, Sedantag 1915 Die ersten 27 sogenannten Austauschverwundeten aus Sibirien (Russland), von denen einíge erblindet waren, trafen im Essener Lazarettzug über Schweden nach Deutschland kommend am Vormittag des Sedantages 1915 in der Hansestadt ein. Die Schutzmannskapelle begrüßte den einfahrenden Zug mit Deutschland, Deutschland über alles. Vom Gewölbe aus Eisen und Glas hingen Fahnen in lübeckischen, reichsdeutschen und österreichischen Farben. Ein Hain aus Blattpflanzen war gebildet worden. Über dem Aufgang schwebten die Worte „Herzlich Willkommen“. An den mit Flaggentuch überzogenen Geländern der Treppe hatten sich die jungen Helferinnen der Schwesternschaft aufgereiht, während der das Eiserne Kreuz am weißen Bande tragende Bürgermeister Hermann Eschenburg, Schwestern, Hilfsschwestern und des Senats, Vertreter des Offizierskorps mit Oberst v. Kuenheim, sowie die leitenden Männer und Frauen vom Roten Kreuz in der Mitte Aufstellung genommen hatten.Die ersten Austauschverwundeten aus Rußland in Lübeck. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1914/15, Nr. 50, Ausgabe vom 12. September 1915, S. 201–202. Die Hansestadt wurde die Drehscheibe der Austauschverwundeten in Russland.
mini|Lazarettschiff „Stuttgart“ mini|St.-Jürgen-Schule Bis Ende 1915 waren weitere Lazarette am Marquardplatz, im Schulgebäude in der Schwartauer Allee, in der Flora und im Konzerthaus Lübeck errichtet worden. 30 Schwestern, 4 Hilfsschwestern und 55 Helferinnen wurden hier durchschnittlich beschäftigt worden. Als die Schwestern im Konzerthaus Lübeck und dem im April 1916 angekommenen Lazarettschiff „Stuttgart“ Die „Stuttgart“ war Deutschlands drittes Lazarettschiff. Zuvor waren bereits ein Verwundeten-Transportschiff auf dem Rhein und ein Sanierungsschiff auf der Weichsel eingerichtet und in Dienst gestellt. nicht mehr benötigt wurden, zog man diese ab. Am 15. Dezember 1916 wurde das Lazarett St.-Jürgen-Schule eröffnet und zunächst mit zwei, 1917 kamen eine weitere Schwester, 2 Hilfsschwestern und mehrere Helferinnen hinzu, besetzt.
Am 13. Mai 1917 wurde die Gemeindepflege in Travemünde und am 1. Juni 1917 die Pflege in der Waldschule Wesloe durch je eine Schwester übernommen.
Für den Vaterländischen Frauenverein nahm die Oberin an einem vom Hauptvorstand in Berlin veranstalteten achttägigen Fortbildungskurs im Februar 1917 teil.
Mehrere Schwestern, Hilfsschwestern und sie wurden mit der Roten Kreuz-Medaille ausgezeichnet.
Aus dem Jahresbericht 1922 des Vaterländischen Frauenvereins ging hervor, dass zum Jahresende die Schwesternschaft aus insgesamt 97 Schwestern bestand. Dies waren 64 Vollschwestern, 19 Lehrschwestern, 12 Hilfsschwestern, 2 pensionierten Schwestern und 7 Pflegeschülerinnen.Vaterländischer Frauenverein in Lübeck. In: Lübeckische Blätter, 65. Jahrgang, Nummer 24, Ausgabe vom 17. Juni 1923, S. 274–275.
Als Braunschmidt 1923 ihre betagte Mutter in Oliva bei Danzig besuchte, verstarb sie dort nach kurzer schwerer Grippeerkrankung an deren Folgen.
Waldschule Wesloe mini|Walderholungsstätte in Wesloe