Osiek (deutsch Hermsdorf) ist ein Ort in der Landgemeinde Gotowo im Powiat Elbląski der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.
Geographie Osiek liegt im Nordwesten der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 14 Kilometer nordöstlich von Pasłęk und 28 Kilometer südöstlich Elbląg.
Geschichte Das vor 1320 gegründete Kirchdorf HeremitaDietrich Lange: Hermsdorf, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) – nach 1320 Hermannsdorf und noch vor 1785 Hermsdorf genannt – war ein Ort der Ordenszeit und gehörte zum Kammeramt Preußisch Holland in der Komturei Elbing.GenWiki: Hermsdorf (Landkreis Preußisch Holland) Im Jahre 1406 wurde Hermsdorf zum ersten Mal im Zinsbuch des Ordens erwähnt, war 1785 ein „adlig Dorf“ mit einer Kirche und einer dazugehörigen Mühle bei 41 Feuerstellen. Eingegliedert war im Jahre 1820 der Wohnplatz Breitfeld, als Hermsdorf offiziell „adliges Bauerndorf“ genannt wurde und bei 71 Feuerstellen 291 Einwohner zählte.
Als am 28. Mai 1874 der Amtsbezirk Behlenhof im ostpreußischen Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, errichtet wurde, gehörte Hermsdorf von Anfang an dazu.Rolf Jehke: Amtsbezirk Behlenhof
515 Einwohner zählte Hermsdorf im Jahre 1910, im Jahre 1933 waren es 569 und im Jahre 1939 516.Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Preußisch Holland
In Kriegsfolge wurde 1945 das gesamte südliche Ostpreußen Teil Polens. Hermsdorf erhielt die polnische Namensform „Osiek“, Breitfeld wurde abgetrennt und „Szerokie Łany“ genannt, und beide wurden der Gmina Godkowo im Powiat Elbląski zugeordnet, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.
Religion Eine Kirche bestand in Hermsdorf bereits zur Ordenszeit. Sie wurde vor der Reformation von Döbern aus betreut und übernahm mit der Reformation die lutherische Lehre. In jener Zeit wurde für das Jahr 1480 der Name des Pfarrers Johann Martin genannt.Agathon Harnoch: Hermsdorf, in: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 139–140
Evangelische Kirche Kirchengebäude Ein altes und nicht mehr erhaltenes Kirchenbauwerk mit einem Turm aus Holz hatte Abraham Graf zu Dohna erbaut.
Im Jahre 1709 wurde ein neues Kirchengebäudevon Christoph Graf zu Dohna errichtet. Es handelte sich um einen schlichten, chorlosen Backsteinbau.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 73–74, Abb. 269 Der Turm wurde 1791 auf quadratischem Grundriss errichtet und nach einem Brand 1832 restauriert, er ist oben achteckig und trägt eine welsche Haube und Laterne. Die Jahreszahl „1835“ der Wetterfahne dürfte auf die Rekonstruktionsarbeiten nach dem Brand hinweisen.Informationszentrum Ostpreußen: Osiek – Hermsdorf im Kreis Pr. Holland
Den Kircheninnenraum, der 1926 renoviert wurde, überzieht eine Balkendecke, die Reste alter Malereien trägt. Der Altar befindet sich unter der Kanzel – beide wurden im 18. Jahrhundert geschaffen – an der Nordwand und nicht wie eigentlich üblich an der Ostwand. Aber dort befand sich der Eingang zu der lehnsherrlichen Grablege. Bis 1753 hatte man deswegen den Altar auf Rollen gestellt, damit er zur Seite gebracht werden konnte.
Die Kirche erhielt im Jahre 1850 eine neue Orgel. Das Geläut bestand aus drei Glocken.
Die bis 1945 evangelische Kirche wurde dann der Römisch-katholischen Kirche übereignet. Sie wurde bautechnisch den veränderten liturgischen Bräuchen angepasst und ist dem Bischof und Märtyrer St. Stanislaus gewidmet.Bistum Elbląg: Pfarrei St. Stanislaus in Osiek
Kirchengemeinde Die Kirchengemeinde Hermsdorf mit ihrem weitflächigen Kirchspiel gehörte 1720/25 zum „Erzpriestertum Preußisch Holland“, 1789 zur „Inspektion Preußisch Holland“ in der Kirchenprovinz Oberland, dann 1854 und 1916 zur „Diözese Preußisch Holland“ und bis 1945 zu Kirchenkreis Preußisch Holland. Das Kirchenpatronat oblag deren von Dohna-Schlodien.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 471 Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel Hermsdorf insgesamt 1.288 Gemeindeglieder in zehn Dörfern und Ortschaften.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten der evangelischen Gemeinde 1945 in Hermsdorf ein Ende. Hier heute lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur St.-Georgs-Kirche in Pasłęk in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspiel: Zum Kirchspiel Hermsdorf gehörten bis 1945: Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Behlenhof Bielica Hermsdorf Osiek Breitfeld Szerokie Łany Karwitten Karwity Bordehnen Burdajny Liebenau Miłosna Groß Quittainen Kwitajny Wielkie Stöpen Stojpy Jankówko Hensels Teschenwalde Cieszyniec
Pfarrer: An der Kirche Hermsdorf amtierten als evangelische Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 54
Valentin Blau, 1568 Abraham Fabricius, 1612 N. Freymuth, 1615 Johann Biehn, 1636 Peter Saxo, 1659 Friedrich Sandhoff, 1673–1695 Johann Friedrich Sandhoff, 1695–1725 Johann Gottfried Sandhoff, 1725–1726 Christoph Gottl. Golitz, 1726 Johann Christoph Doblin, 1726–1739 Friedrich Hartwich, 1746–1757 Jacob Theodor Decker, 1757–1772 Jakob Wilhelöm Schirmacher, 1772–1786 Johann Christoph Wedeke, 1786–1806 Johann Wilhelm Ebel, 1806–1810 Johann Wilhelm Böttcher, 1811–1812 Johann Gottlieb Müller, 1812–1853 Hermann Christian Krüger, 1853–1880 Emil Gottl. Sev. Gemmel, 1881–1884 Adolf Eduard Eissing, 1884–1908 Georg Braunschmidt, 1908–1913 Max Walter Prill, 1914–1917 Josef Laudien, 1917–1936 Wilfried Walther, 1939–1945
Römisch-katholische Kirche Bis 1945 gehörten katholische Kirchenglieder Hermsdorfs zur St.-Josefs-Kirche in der Stadt Preußisch Holland. Nach 1945 übernahm die Römisch-katholische Kirche in Osiek das evangelische Gotteshaus und errichtete hier eine Pfarrei. Sie gehört zum Dekanat Pasłęk I im Bistum Elbląg. Verkehr Osiek liegt an einer Nebenstraße, die bei Burdajny von der Woiwodschaftsstraße 513 abzweigt und bis nach Jankówko führt. Kleinere Straße von Karwiny bzw. Tatarki kommend enden in Osiek.
Osiek verfügt über keinen Bahnanschluss. Von 1925 bis 1945 war Hensels die nächste Bahnstation. Sie lag an der jetzt nicht mehr existierenden Bahnstrecke (Elbing–) Schlobitten–Wormditt (–Allenstein).
Persönlichkeiten Aus dem Ort gebürtig Karl Gustav Weinert (1896–1965), deutscher Maler
Mit dem Ort verbunden Johann Christoph Wedeke (1755–1815), deutscher lutherischer Theologe, Superintendent und Konsistorialrat sowie Rektor der Albertus-Universität in Königsberg, war von 1785 bis 1806 Pfarrer in Hermsdorf Max von Schenkendorf (1783–1817), deutscher Dichter und Liedermacher, erhielt zwischen 1802 und 1804 Unterricht in Literatur und Geschichte bei Pfarrer Wedeke
Weblinks Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Hermsdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Godkowo