Die Stadtbefestigung Jena bestand aus einer Stadtmauer mit einem historisch gewachsenen System von Stadttoren, Wehrtürmen und Wallanlagen. Sie schützte die Stadt Jena vom Beginn des 14. Jahrhunderts bis zum fast vollständigen Abriss und der Überbauung im 19. Jahrhundert vor Angriffen und Belagerung. Sie ist in ihrer Sachgesamtheit in der Denkmalliste des Landes Thüringen eingetragen.Denkmalliste des Landes Thüringen

Geschichte mini|Ansicht von Jena (um 1650) Das Stadtgebiet von Jena war etwa seit 1356 vollständig von einer Stadtmauer umgeben. Diese umrahmte trapezförmig, fast rechteckig, die Altstadt mit 500 × 400 m. Sie war 12 m hoch und 2 m breit. Die Stadtmauer umschloss den Stadtkern mit einer Gesamtlänge von rund 1200 bis 1400 m. Vier Ecktürme sowie zwölf Schalentürme dienten der Verteidigung. In die Stadt konnte man durch drei von Stadtwachen kontrollierte Stadttore gelangen: das Saaltor im Osten, das Johannistor im Westen und das Löbdertor im Süden. Das Schlosstor war nur eine kleinere Pforte.

Heute sind noch drei Ecktürme erhalten, deren Namen auf ihre spätere Nutzung oder ihre Bauweise hindeuten: der Pulverturm im Nordwesten, der Anatomieturm im Südwesten und der Rote Turm im Südosten. Vom Schlossturm am heutigen Universitätshauptgebäude ist nur noch das Fundament zu sehen. Von den Stadttoren ist nur das Johannistor erhalten. Es befanden sich früher auch noch 6 Tore in den Vorstädten.Johann Ernst Basilius Wiedeburg: Beschreibung der Stadt Jena nach ihrer Topographisch- Politisch- und Akademischen Verfassung. Jena 1785, S. 154ff.

Lage der Stadttore und Türme mini|Ausschnitt eine Stadtplanes von Jena um 1850 mit der Lage der Stadttore und Türme Nachfolgend sind im Uhrzeigersinn 8 markante Stellen entlang der ehemaligen Stadtbefestigungsanlagen aufgeführt und beschrieben. Zur Stadtbefestigung zählen folgende erhaltenen Türme sowie die Standorte der ehemaligen Tore:

(A) Pulverturm mit Rondell (erhalten) (B) Zwätzer Tor (nicht erhalten) (C) Schlosstor mit Schlossturm (Tor versetzt 1905; nur Fundamente des Turmes erhalten) (D) Saaltor (nicht erhalten) (E) Roter Turm (Turmstumpf erhalten) (F) Löbdertor mit Torzwinger (nicht erhalten) (G) Anatomieturm (Turmstumpf erhalten) (H) Johannistor mit Torzwinger (Torturm erhalten)

Liste von Teilen der Stadtbefestigung (Auswahl)

BildBezeichnungStraßeBeschreibungLageQuellen120x120px|PulVerturm Weitere BilderPulverturm mit RondellFürstengraben/Am Pulverturmim 13./14. Jh. als runder Befestigungsturm aus mächtigen Kalksteinquadern mit kegelförmiger Spitze und zinnengekröntem Wehrgang erbaut, ca. 25 m hoch; Er beherbergte das Verlies, das eine Tiefe von 6,50 Meter hatte.verweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q2118106|16x16pxZwätzer TorFürstengrabenerstmals 1446 erwähnt, im 19. Jahrhundert abgetragen120x120px|Schlosstor mit SchlossturmSchlosstor mit SchlossturmFürstengraben/Ecke Löbdergrabenerstmals 1446 erwähnt; um 1682 über dem Erdgeschoss im Zuge des Neubaus des Hauptgebäudes des Stadtschlosses Jena neu aufgebaut; 1905 abgebrochen; Eingangstor und Pforte des Schlosshofes ließ der Jenaer Kaufmann Karl Oberreich abtragen und an seinem Anwesen außerhalb des Jenaer Zentrums wieder errichten.Artikel über das Stadtschloss auf www.burgenwelt.de, abgerufen am 27. März 2026.SaaltorLöbdergraben1354 erwähnt worden, Turm 1670 teilweise abtragen, 1844 abgetragen120x120px|Roter TurmRoter TurmLöbdergrabenUnterteil von 1430, 1865 viergeschossiger Backsteinaufsatz, im August 1995 eingestürzt; in den Jahren 1999–2000 in historischem Erscheinungsbild wieder aufgebautverweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q2168447|16x16px120x120px|Löbdertor um 1820LöbdertorLöbdergrabenerstmals 1319 genannt, Doppeltor mit einem viereckigen Turm, das innere Tor hatte die Jahreszahl 1551, der Turm des Löbdertores wurde von Goethe gezeichnetWebsite von www.denkstroeme.de, abgerufen am 27. März 2026., 1813 abgetragen120x120px|JohannistorAnatomieturmLöbdergraben/Ecke Leutragrabengebaut 13. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert einen achtseitigen Aufbau mit hohen Fenstern und Zeltdach errichtet; Zwischen 1750 und 1860 befand sich im Aufbau ein anatomischer Hörsaal der Universität Jena. Hier forschten Johann Wolfgang Goethe und Justus Christian Loder am Zwischenkieferknochen des menschlichen Embryos und des Elefanten. 1860 wurde der Hörsaal abgebrochen.verweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q488354|16x16px120x120px|JohannistorJohannistorJohannisstraßeim Jahre 1816 bei Reparatur steinerne Platte mit Jahreszahl 1304 gefunden, 1383 urkundlich erwähnt, fünfgeschossigen Turm mit Wehrgang, Höhe 38 mverweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q1698973|16x16px

Literatur Johann Ernst Basilius Wiedeburg: Beschreibung der Stadt Jena nach ihrer Topographisch- Politisch- und Akademischen Verfassung. Jena 1785. Paul Lehfeldt: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Heft 1, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Amtsgerichtsbezirk Jena, Fischer, Jena 1888, S. 154ff. Matthias Rupp: Wehrorganisation und Wehrarchitektur der Stadt Jena im Mittelalter. Reihe „Dokumentation“ Band 14, Hain, Weimar 2004. ISBN 3-89807-077-8

Weblinks

Geschichte der Stadtbefestigung auf der Website des Stadtmuseums Jena Die Stadtbefestigung Jena auf www.burgenwelt.de Die Stadtbefestigung Jena auf www.entdecke-jena.de

Einzelnachweise

Jena Stadtbefestigung Kategorie:Befestigungsanlage (Mittelalter) Kategorie:Zerstört im 19. Jahrhundert Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Jena