Bernhard Albrecht (* 1966 in Augsburg) ist ein deutscher Arzt, Journalist, Dokumentarfilmer und Sachbuchautor.
Werdegang Bernhard Albrecht studierte Medizin an der Ruhr-Universität Bochum und verbrachte Auslandsjahre an der Université Louis Pasteur (Strasbourg), der Autonomen Universität Barcelona und der Universität Uppsala. Er promovierte im Jahr 1997 mit einer retrospektiven Studie über das Mikrobielle Ekzem an der Ruhr-Universität Bochum. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er als Arzt am Klinikum Magdeburg in der Neurologie und Psychiatrie und veröffentlichte Artikel in verschiedenen Printmedien, außerdem wirkte er als Lexikograph am Brockhaus Gesundheit mit. In den Jahren 1999 bis 2000 absolvierte er eine Volontärsausbildung an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin und arbeitete danach als Redakteur, Autor und später auch CvD in der Redaktion des TV-Wissensmagazins Galileo (ProSieben), wo er viele Jahre blieb. Im Jahr 2013 erschien sein Buch „Patient meines Lebens“, das auf der gleichnamigen Kolumne in der Zeitschrift GEO basiert und in dem neun ungewöhnliche Fallgeschichten aus der Medizin erzählt werden. Seit dem Jahr 2013 ist Albrecht Reporter bei der Zeitschrift stern.
Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Themen aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik, Soziales, Nachhaltigkeit und Entwicklungszusammenarbeit. In investigativen Recherchen deckt er auch Missstände im Gesundheitswesen und der Alternativmedizin auf.
Ausgewählte Recherchen und Filme Im Jahr 2004 berichtete Albrecht für das TV-Wissensmagazin Galileo, die Süddeutsche Zeitung und das Deutsche Ärzteblatt über die „Rückkehr der Psychochirurgie“ - über damals umstrittene neurochirurgische Eingriffe bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen.
Im Jahr 2005 erschien sein Dokumentarfilm „Der Sahara-Express“ über den längsten Zug der Welt, der in Mauretanien Eisenerz von der Wüstenstadt Zouerate über einen 700 Kilometer langen einspurigen Schienenstrang zum Verladehafen Nouadhibou transportiert.
Im Jahr 2009 begleitete Albrecht gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Karsten Scheuren die Menschenrechtsorganisation Target bei ihrem Kampf gegen Genitalverstümmelung in Äthiopien. Die Galileo-Dokumentation "Karawane der Hoffnung" wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.
Im Jahr 2013 erschien im Süddeutsche Zeitung Magazin die Reportage „Und Frieda lebt doch“ über die damals jüngste Frühgeburt der Welt, ein Mädchen, das nach 21 Wochen und fünf Tagen zur Welt kam. Der Artikel wurde mit dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet.
Mehrfach beschäftigte sich Albrecht mit den Gefahren für Krebspatientinnen in der Alternativmedizin. Der Artikel „Dschungel der Wunderheiler“ (Spiegel, 2012) erzählt die vierjährige Odyssee einer Brustkrebspatientin. Im Jahr 2014 folgte eine investigative stern-Titelgeschichte „Gefährliche Heiler“, für die sich Albrecht zusammen mit der Schauspielerin Katja Danowski mit einem gefakten Brustkrebs-Befund von 20 Heilpraktikern und alternativmedizinisch orientierten Ärzten beraten ließ. Im Jahr 2017 erschien eine weitere Titelgeschichte im stern, für die Albrecht unter anderem an Kursen einer Heilpraktikerschule teilnahm, in der die in Deutschland verbotene Germanische Neue Medizin gelehrt wurde.
Im Jahr 2019 berichtete Albrecht im stern-Titelgeschichten-Projekt „Mensch vor Profit“ über für Patienten gefährliche Missstände an Krankenhäusern, die durch eine zunehmende Kommerzialisierung der Medizin und Fehlanreize im Fallpauschalensystem entstehen. Flankiert wurde das Projekt durch die Berichte von acht Ärzten, die unter Nennung ihres Namens über die Konsequenzen einer ökonomisierten Medizin für Patienten an ihren Häusern berichten. Teil des Projekts war der in der Medizinbranche viel beachtete „Ärzteappell“, in dem sich prominente Ärztinnen und Ärzte sowie ein breites Spektrum von Ärzteorganisationen und Verbänden gegen ökonomische Fehlanreize in der Medizin stellten.
Im Februar 2022 stieß Albrecht im Rahmen der Recherche für eine stern-Titelgeschichte „Impfnebenwirkungen: was wir wissen… und was nicht“ auf eine Gruppe Betroffener, die über schlaganfallähnliche Symptome, Sehstörungen, Muskelschwäche und andere neurologische Beschwerden in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen mit den damals üblichen vier SARS-CoV-2-Impfstoffen berichteten und sich ausdrücklich von Impfskeptikern distanzierten. Er beschrieb das später als „Post-Vac-Syndrom“ bekannt gewordene und bis heute wenig erforschte Krankheitsbild erstmalig in einem deutschsprachigen Medium.
Auszeichnungen Für die Dokumentation „Rückkehr der Psychochirurgie – letzte Hoffnung Hirnschrittmacher“
Medienpreis Medizin Mensch Technik 2007
Für den Report „Brustkrebs: Richtig erkannt?“ über das Dilemma der Brustkrebsfrüherkennung
Pink Feder 2009
Für den Dokumentarfilm „Karawane der Hoffnung“ (englischer Titel: „Desert Tears“) gemeinsam mit Karsten Scheuren
Adolf-Grimme-Preis 2010 Rose d’Or Social Award 2010
Für die Rekonstruktion „Dschungel der Wunderheiler“
Best Cancer Reporter Award 2012
Für die GEO-Reportage „Alzheimer – Beginnt der Sieg über die Krankheit in Kolumbien?“
Deutscher Journalistenpreis Neurologie 2012
Für den GEO-Report „Die Notdurft, die erfinderisch macht“ über Lösungen für das Problem, das 3,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberen Sanitäranlagen und Toiletten haben
Journalistenpreis der Stiftung Weltbevölkerung 2012 ERM Medienpreis für Nachhaltige Entwicklung 2012 Umsicht Wissenschaftspreis 2014
Für die Reportage „Und Frieda lebt doch“
Deutscher Reporterpreis 2013, Kategorie „Freistil“
Für die investigative Reportage „Gefährliche Heiler“
Deutscher Reporterpreis 2014 – Nominierung „Freistil“ Pulsus Award 2015
Für den Report „Die Verwandlung“ im Autorenteam
Medienpreis der Stiftung Rufzeichen Gesundheit 2014
Für das Buch „Patient meines Lebens“
Publizistik-Preis der Stiftung Gesundheit 2014
Für die investigativen Reportagen „Goldgrube im Mund“ und „Gefährliche Heiler“ sowie die als Graphic Novel erzählte Wissenschaftsdokumentation „Der Blutdruck-Code“
Georg von Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus 2016
Für die Rekonstruktion „Der Knochenmann“
Zweiter Deutscher Medienpreis für Radiologie und Nuklearmedizin 2016
Für den Report „Weg von der Spritze“ gemeinsam mit Nicole Heißmann
Medienpreis der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) 2017
Für das Doppel-Interview „Auch wenn die Krankheit das Leben nimmt, die Liebe kann sie nicht nehmen“
Rudi Assauer Medienpreis 2017
Für die stern-Titelgeschichte "Heilkraut" über Cannabis
Expopharm Medienpreis 2018
Für den Report „Das Beste kommt zum Schluss“ über Mikrobiom-Forschung im Autorenteam
Medienpreis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 2020 Journalistenpreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) 2020
Für den Report „Impfnebenwirkungen: was wir wissen… und was nicht“
Reporterpreis 2022 – Nominierung Kategorie Wissenschaftsreportage
Einzelnachweise
Kategorie:Journalist (Deutschland) Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Mann Kategorie:Grimme-Preisträger