mini|Aktienbrauerei Kunterstein (2007) Die Aktienbrauerei Kunterstein war eine Brauerei in der ehemaligen westpreußischen Stadt Graudenz, die von 1850 – unter wechselnden Eigentums- und Organisationsformen – bis in das Jahr 2001 existierte.
Geschichte Die Geschichte der Brauerei reicht bis in das Jahr 1850 zurück, als sie auf dem Gutshof Fijewo in der Gemeinde Rehden gegründet wurde. Die Gründung der Brauerei fällt in die Zeit der zunehmenden Industrialisierung, die auch die eher dünn besiedelten sowie stark landwirtschaftlich geprägten Gebiete Ostelbiens umfasste.
Bereits 1851 ging sie in den Privatbesitz der Familie Charles de Beaulier über und wurde Teil des Landguts Kunterstein. Geleitet wurde sie unter anderem von Franz Charles de Beaulier sowie seiner Ehefrau. Im Jahr 1876 erfolgte ein umfassender Ausbau und die Umstellung auf industrielle Produktion. Seit dieser Zeit trat der Betrieb unter dem Namen Brauerei Kunterstein auf.
Am 6. Januar 1896 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft mit Aktien in Höhe von 1 Million Goldmark umgewandelt und am 28. Januar 1896 in das Handelsregister beim Königlichen Amtsgericht Berlin eingetragen. In der Folge entwickelte sie sich zu einem größeren Brauereikonzern mit Beteiligungen und Filialen unter anderem in Bromberg, Thorn, Dirschau und anderen Städten der Region. Das Logo der Brauerei war eine Burg mit den Initialen: Brauerei Kunterstein A.G. Graudenz.
In den 1920er und 1930er Jahren erreichte die Brauerei – nun in Polen – ihre wirtschaftliche Blüte. Die Produktionskapazität lag bei etwa 50.000 Hektolitern jährlich, und das Unternehmen beschäftigte zeitweise über 100 Arbeiter. Die Brauerei nutzte, wie viele andere Brauen zu dieser Zeit, Bügelverschluss-Flaschen. Am Neustädter Ring 2 in Thorn (vor 1920: Neuer Markt 2; heute: Rynek Nowomiejski 2) betrieb die Brauerei in den 1940er Jahren unter der Leitung Herbert Nordwigs eine Gaststätte namens „Kuntersteiner Bierstube“. Im Bromberger Rathaus wurde ebenfalls Bier der Brauerei im dortigen Ratskeller ausgeschenkt, obwohl es in Bromberg auch mehrere große Brauereien, allen voran die Bromberger Brauerei gab, was die wirtschaftliche Relevanz und Bekanntheit der Brauerei Kunterstein unterstreicht.
Während des Zweiten Weltkrieges befand sich die Brauerei erneut unter deutscher Leitung und übernahm das Thorner Brauhaus, was von 1939 bis 1944/45 in Westpreußisches Brauhaus umbenannt wurde.
Ende der Brauerei Der Betrieb überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet und konnte nach 1945 schnell wieder die Produktion – nun unter polnischer Leitung – aufnehmen. In der Nachkriegszeit wurde die Brauerei zu einem staatlichen Unternehmen und blieb zunächst eigenständig.
1960 wurde sie allerdings in die Zakłady Piwowarskie w Bydgoszczy (Brauereibetriebe Bromberg) eingegliedert. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu mehreren Modernisierungen, die jedoch teilweise zu einem Verlust historischer Bausubstanz führten.
Nach der politischen Wende in Polen wurde der Betrieb privatisiert und schließlich Teil des österreichischen Konzerns Brau Union. Im Jahr 2001 wurde die Produktion am Standort Graudenz eingestellt. Nach der Stilllegung kam es zu mehreren Versuchen, die Brautradition in Graudenz wiederzubeleben. Anfang der 2000er Jahre wurde die Produktion kurzzeitig durch ein neues Unternehmen wieder aufgenommen, jedoch bereits wenige Jahre später erneut eingestellt.
Teile des ehemaligen Brauereigeländes verfielen oder wurden für neue Nutzungen vorgesehen, darunter Planungen für ein Einkaufszentrum. Parallel dazu entstanden kleinere, neue Brauprojekte in der Stadt, die an die historische Tradition anknüpfen, jedoch weder organisatorisch noch rechtlich mit der der ursprünglichen Brauerei Kunterstein identisch sind.
Sortiment Die Aktienbrauerei braute unter anderem:
Pilsner Bier Helles Lagerbier Dunkles Lagerbier Exportbier Bockbier Karamellbier (Malzbier) „Bürgermeisterbräu“ (Den Quellen nach ein Spezialbier, was wohl am ehesten einem Export oder Märzen ähneln dürfte)
Einzelnachweise
Kunterstein Kategorie:Unternehmensgründung 1850 Kategorie:Grudziądz Kategorie:Aufgelöst 2001