Augen eines blauen Hundes (Originaltitel: Ojos de perro azul) ist eine erstmals 1950 in der Zeitschrift El EspectadorGabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 159. veröffentlichte Kurzgeschichte des kolumbianischen Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez und eine Episode in seinem Erzählband Ojos de perro azul. Kurzbeschreibung Geschildert wird eine wiederkehrende Traumsequenz, in der der Ich-Erzähler einer Frau begegnet, die er aus dem Wachleben nicht kennt. Beide wissen, dass sie träumen. Sie verlassen das Zimmer nicht, in dem sie im Traum aufeinandertreffen. Die Frau offenbart, dass ihr Leben darauf ausgerichtet ist, dem Traumgestalteten in der Wirklichkeit zu begegnen, wobei sie bestimmte Erkennungsworte als Zeichen verwendet. Diese Worte bringt sie in der Realität immer wieder an. Schließlich räumt sie ein, dass ihre Bemühungen vermutlich vergeblich sind, weil der Ich-Erzähler beim Erwachen offenbar nichts von seinen Träumen behält. Inhalt Geschildert wird eine Traum-Sequenz eines sich wiederholenden Traums, in dem der Ich-Erzähler sich nachts in einem kerzenerleuchteten, mit mehreren Spiegeln versehenen Zimmer mit einer Frau trifft, die er aus der Wirklichkeit nicht kennt. „Wir sahen uns seit mehreren Jahren. Bisweilen, wenn wir zusammen waren, ließ draußen jemand ein Löffelchen fallen und wir erwachten.“ Beiden ist bewusst, dass sie träumen; der Ich-Erzähler beispielsweise führt ein Kälte-Gefühl auf ein Empfinden in der Wirklichkeit zurück: „Vielleicht ist mir die Bettdecke weggerutscht.“ Beide verlassen das Zimmer dieses Traums nicht, unter anderem, weil eine Tür auf einen Gang hinausführt „voll von schwierigen Träumen“. Die Frau pudert sich die Nase, schminkt sich die Lippen karminrot, entkleidet sich schließlich. „Ich habe dich immer so sehen wollen, den Bauch voll tiefer Löcher, als hätten sie dich mehrmals durchbohrt“, bekundet der Mann. Die Frau bekundet, ihr „Leben sei der Aufgabe gewidmet, mir in Wirklichkeit zu begegnen, und zwar durch diese Erkennungsworte: ‚Augen eines blauen Hundes‘“. Diese Erkennungsworte fixiert sie in der Wirklichkeit auf verschiedene Weise: spricht sie zu Platzanweisern in Restaurants, ritzt sie ein, malt sie mit dem Finger auf beschlagene Scheiben oder mit Lippenstift auf Drogeriemarkt-Böden. Sie wurde schon für verrückt gehalten wegen ihrer Sehnsucht nach ihrem Traum-Mann, erklärt: „Wenn ich um Mitternacht aufwache, drehe ich mich im Bett um, bis mir das Leintuch die Knie wund scheuert, während ich bis zum Tagesanbruch aufsage: ‚Augen eines blauen Hundes‘“. Die Frau gesteht sich ein, dass alle „Hingabe ans Unmögliche, ans Unerreichbare“, nämlich den Mann, den sie aus dem Traum kennt, wohl nutzlos sei, denn der Ich-Erzähler ist nach Meinung der Frau „der einzige Mann, der sich beim Erwachen an nichts von dem erinnert, was er geträumt hat“. Textanalyse Bei Augen eines blauen Hundes handelt es sich um einen in Ich-Form verfassten Text. Die Zeit der Handlung ist unklar, der Ort ist in einem „‚anderen‘ Raum“, wo die Figuren „sich wiederfinden, der kein spezifisches ‚Hier‘ oder ‚Dort‘ ist und der autonom wird, insofern er sich von der Vergangenheit als Repräsentation löst und in einer undefinierten Gegenwart lebt, der Gegenwart jedes Traums.“„‚un-otro‘ espacio en el que se encuentran, que no es un ‚aquí‘ o un ‚allá‘ específico y que se torna autónomo en tanto se desprende del pasado como representación y vive en un presente indefinido, el presente de cada sueño“ – Paola Cadena Pardo: Ojos de perro Azul. La muerte como mecanismo de lo poético a partir de la repetición deleuzina. In: Hipertexto, Jg. 20, Verano, 2014, , S. 64–75. Hier S. 68. (pdf).

Während der Ich-Erzähler nur als Zigarettenraucher geschildert wird, wird die Traum-Frau ausführlicher dargestellt: Sie hat eine „kupferfarbene Haut“ und eine „gleichbleibende, unveränderliche Stimme“. Die „angemalten Lider“ beschatten die „großen Augen entflammter Asche“, aus denen es mal einen „schlüpfrigen, öligen Blick“ gibt, mal einen „glühenden Blick, der mich erhitzte wie sie“. Dass die Frau „den Bauch voll tiefer Löcher“ hat, „als hätten sie dich mehrmals durchbohrt“, deutet darauf hin, dass sie in Wirklichkeit vielleicht gar nicht mehr lebt. „Mehr als der Tod an sich erscheint der Traum, das Unbewusste als jene Art des ‚Lebens‘. Die Figur, versunken in den Traumzustand – jenen Lebensraum, in dem Gefühl, Erfahrung und Wiederholung stattfinden –, ist zum Vergessen verdammt. Und es ist dieses ‚Vergessen‘, das Traum und Wachleben ihre Parallelität, ihren Gegensatz verlieren lässt; dass das Geträumte nicht zur Erinnerung in der Wachrealität wird, dass die Wiederholung im Traum nicht zur Repräsentation der äußeren Realität wird.“„Más que la muerte como tal, aparece el sueño, el inconsciente como esa forma de ‚vivir‘. El personaje, inmerso en la instancia onírica que es el espacio de vida donde se da el sentir, la experiencia, la repetición; está condenado a olvidar, y es este ‚olvido‘ el que permite que el sueño y la vigilia pierdan su paralelismo, su oposición; que lo soñado no se vuelva recuerdo en la realidad de la vigilia, que la repetición en el sueño no se haga representación de la realidad externa“ – Cadena Pardo, Ojos de perro Azul, S. 67–68. Adaptionen Die Kurzgeschichte inspirierte Rubén Blades zum Song Ojos de perro azul auf dem Live-Album Rubén Blades y Son del Solar...Live!, Adrián Demoč zu dem Elektro-Akustikstück Ojos de perro azul, die ecuadorianische Komponistin Chía Patiño (* 1967) zu ihrer Debütoper Dreamwalker sowie a-ha zu dem Song The Blood That Moves the Body auf dem Album Stay on These Roads. Darüber hinaus brachte der mexikanische Maler Roberto Márquez (* 1959) im Jahr 1990 eine illustrierte Fassung des Textes heraus, die venezolanische Mixed-Media-Künstlerin Doménica Aglialoro (* 1962) gab 1997 einer Einzelausstellung den Titel Ojos de perro azul und die bolivianische Dramatikerin Verónica Armaza stellte mit dem Ensemble Pequeño Teatro auf dem Santa Rosa de Cuevo International Arts Festival eine Theaterfassung der Kurzgeschichte vor. Literatur Hassan El Baz Iguider: Ojos de perro azul. In: Hassan El Baz Iguider: Realidad y ficción en "Vivir para contarla", memorias de Gabriel García Márquez. (Tesis Doctoral.) Universidad de Málaga, Málaga 2015. S. 391–394. (pdf).

Donald McGrady: Ojos de perro azul. In: Thesaurus. Jg. 27, Nr. 2, 1972, S. 303–305. (pdf).

Werner Müller: Augen eines blauen Hundes. In: Werner Müller: Lateinamerikanischer Zauber – Europäische Sachlichkeit? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Kurzprosa von Robert Musil, Franz Kafka, Heimito von Doderer – Jorge Luis Borges, Alejo Carpentier und Gabriel García Márquez. Rombach Druck- und Verlagshaus, Freiburg im Breisgau 2011. ISBN 978-3-7930-5059-9. S. 342–347. Liisi Niisuke: Ojos de perro azul (1950). In: Liisi Niisuke: Gabriel García Márquez y el tema del amor en sus cuentos. (Tesina de grado.) Tartu Ülikool, Tartu 2013. S. 12. (pdf). Deutschsprachige Textausgaben (Auswahl) Augen eines blauen Hundes. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 79–91. Augen eines blauen Hundes. In: Gabriel García Márquez: Die Erzählungen. Aus dem kolumbianischen Spanisch von Curt Meyer-Clason. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1990. ISBN 3-462-02054-4. S. 56–63. Weblinks Volltext des Einzelwerks, originalsprachig Volltext des übergeordneten Werks Ojos de perro azul, deutschsprachig Einzelnachweise Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 79–91. Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Spanisch) Kategorie:Erzählung Kategorie:Werk von Gabriel García Márquez Kategorie:Kolumbianische Literatur