mini|Herrenhaus des Rittergutes Giesenstein, 2026 Das Rittergut Giesenstein befindet sich im Siedlungsteil Giesenstein der Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel in Sachsen. Das frühere Rittergut ist ein Beispiel für die Verbindung von erzgebirgischem Bergbau, industrieller Entwicklung und adliger Grundherrschaft.

Geschichte Ursprung als Hammergut (15. – 16. Jahrhundert) Die Siedlung Giesenstein entstand nicht als klassisches Bauerndorf, sondern als Industriestandort. Im Zuge des aufblühenden Eisenerzbergbaus im Revier Berggießhübel entstanden im 15. Jahrhundert entlang der Gottleuba zahlreiche Hammerwerke. 1551 wird erstmals urkundlich ein Rittergut in Giesenstein erwähnt. Es handelte sich um ein Einzelgut, das aus einem Eisenhammer hervorgegangen war. 1574 wird das Gut als Vorwerk bezeichnet, was auf eine Unterordnung oder rein wirtschaftliche Nutzung hindeutet. In dieser Zeit war die einflussreiche Familie von Bünau (Besitzer zahlreicher Güter wie Lauenstein und Weesenstein) Eigentümerin.

Barocke Blüte und Rückschläge (17. – 18. Jahrhundert) Die Familie von Bünau verkaufte das Gut 1663. Es folgte eine Phase wechselnder Besitzer. Im Jahr 1689 zerstörte ein Brand den Rittergutshof fast vollständig. Unter Bernhard Adolph Metzsch von Reichenbach wurde das heute noch in Grundzügen vorhandene Herrenhaus errichtet. Erst 1764 wurde Giesenstein offiziell wieder als Rittergut geführt. Zu dieser Zeit befand es sich im Besitz der Familie von Schönberg, später ging es in den Besitz der Familie von Globig über.

Industrialisierung (19. Jahrhundert) mini|Ansicht des Rittergutes um 1856

Das Rittergut blieb im 19. Jahrhundert eng mit der Metallverarbeitung verbunden. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts entstanden um das Gut herum weitere Wohnhäuser für Arbeiter. Im Jahr 1891 fanden die letzten bedeutenden historistischen Umbauten am Herrenhaus statt, die das heutige Erscheinungsbild (trotz des Verfalls) prägen.

Katastrophen (20. Jahrhundert) Die „Gottleuba-Katastrophe“ im Jahr 1927, ein schweres Hochwasser im Osterzgebirge, traf Giesenstein hart. Das Herrenhaus wurde teilweise zerstört, aber anschließend wieder aufgebaut.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gut, wurde aber 1945 im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Das Land wurde an Neubauern aufgeteilt, die Gebäude dienten fortan Wohnzwecken oder der kommunalen Verwaltung. Im Jahr 1991 übernahm die Kommunale Dienstleistungsgesellschaft Bad Gottleuba das Anwesen.

Leerstand (21. Jahrhundert) Von 2004 bis 2025 stand das Herrenhaus leer und ist seitdem dem Verfall preisgegeben. Während die ehemaligen Wirtschaftsgebäude saniert wurden und heute bewohnt sind, ist das Herrenhaus stark sanierungsbedürftig. Das Dach ist an vielen Stellen defekt und Dachfenster sind beschädigt, infolgedessen auch der Dachstuhl. Hinter dem Herrenhaus befinden sich Fundament- und Mauerreste vom ehemaligen Gesindehaus sowie der Felsenkeller, der heute als Fledermausschutzquartier dient.

Im Jahr 2025 wurde das Gut an einen Freitaler Unternehmer verkauft. Er plant eine Sanierung und die Vermietung des Objektes als Wohnraum.

Literatur Giessenstein. In: Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. (Meissner Kreis). Band 2, Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, S. 65–66. Siegfried Fischer, Annemarie Fischer: Geschichte der Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel, Teil 3: Bergbau und Eisenverarbeitung, 2012.

Weblinks

Rittergut Giessenstein auf der Website Sachsens Schlösser

Einzelnachweise

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